Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 7-8 (9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- Seite 58 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 58 ZION Nr. 7*8 Versagen des Permanenzausschusses. Diese sonst wichtigste Kommission, das Ventil für alle Spannungen, versagte dieses Mal so vollkommen, daß beispielsweise., die Frage der Exekutivbildung, sonst die Hauptarbeit dieses Ausschusses, ihn in der letzten Nacht ganze fünf Minuten aufhielt, nachdem vorher alle Verhandlungen offiziell, offiziös getrennt zwischen der Linken als dem ausschlaggebenden Faktor und den anderen Parteien geführt ^wurden. Dadurch fehlte, die Möglichkeit ständigen Orientiertseins, so daß als in der letzten Nacht wirklich schon die Hauptschwierigkeiten gegenüber, dem Misrachi beseitigt waren — wir kommen unten darauf zurück —, eine Personenfrage, die gar nicht heu war für den Misrachi, ganz neu auftauchte, und da sie in der Eile nicht mehr überbrückbar war, der ganzen Exekutivbildung ein anderes Gesicht gab. Letzten Endes kam auch dieser Fehler nur daher, daß der Parteienhader ein so großer war, daß ein solches gemeinsames Gremium wie der Permanenzausschuß, zum Versagen verurteilt war. III. Dementsprechend sind die positiven Ergebnisse des Kongresses äußerst mager: Die gesamten legislativen Reformen, einschließlich der jetzt von allen Seiten als dringend empfundenen Kongreßreform — dem A.C. überwiesen. Die Frage der Reform der Palästinaämter, — eine in vielen Ländern eben wegen der Parteikonflikte unaufschiebbare Frage, — dem A. C. überwiesen. Die Ansiedlungspläne für die deutschen Juden,— der Exekutive überlassen. Positive Ergebnisse, wenn man diese so bezeichnen kann, eigentlich nur in den klugen politischen Resolutionen. Aber auch hier vermißte man das entscheidende Wort, wie sich die Bewegung eigentlich die Lösung der ungeheuren Schwierigkeiten denkt, die in der Diskrepanz zwischen den schönen Worten der englischen Regierung und* ihren Taten (Geringfügigkeit der Zertifikate, das Landkauf verhindernde Pächterschutzgesetz, die heue' uns ungünstige Munizipalitätsverfassung) zu finden ist. Bei dieser Situation kam es naturgemäß noch viel entscheidender auf die Zusammensetzung der Exekutive an als dies der Fäll gewesen wäre, wenn der Kongreß die "Hauptfragen wenigstens selbst entschieden hätte^ "Nun, daß die Exekutivbildung mißlungen ist, das dürfte leider heute die Auffassung von 90 Prozent der Bewegung seih, einschließlich der Teile der Organisation die parteimäßig den Exekutivgruppen gehören. IV. Was setzen wir an der heuen Exekutive aus? Nicht die Tatsache," daß einmal die eine oder andere Gruppe, die sonst zur Exekutive gehörte, nicht mehr darin vertreten ist. Das wäre in normalen Zeiten gewiß kein Unglück; Schlimm wird es; erst, weil die Verhältnisse, die wir oben schon schilderten, durch eine Zusammenfassung aller nichtrevisionistischen Kräfte wenigstens etwas; hätten gebessert werden können. Würde von, den allgemeinen Zionisten nicht nur die zahlenmäßig kleine Gruppe A, sondern auch die viel stärkere Gruppe B, und würde der Misrachi mit in der Exekutive vertreten sein, dann hätte die Exekutive in und außerhalb der Bewegung Autorität, an der es ihr jetzt völlig mangelt. Es hätten überdies diese beiden Gruppen versuchen können, die Einheitstendenzen in der Bewegung zu verstärken, während heute die Spaltungsgefahr zweifellos eine fortwährend akute ist. Man bedenke nur die eine in ihrer " Bedeutung gar nicht hoch genug einzuschätzende Frage," daß es im Falle anderer "Zusammensetzung möglich gewesen wäre, das Organisationsdepartement in die Hände einer nicht unmittelbar von diesem Parteienkampf betroffenen Persönlichkeit zu legen, während es Locker, so gut er sich auf seinem Posten in der Vergangenheit bewährt hat, auch bei bestem Willen in der jetzigen Atmosphäre nicht möglich,"sein K^/ml, seih Amt im Sinne eines alle Parteien einenden, alle mit gleicher Liebe umfassenden Organisators zu führen. Natürlich hätte es auf diesem Kongreß leicht zu einer Spaltung kommen1 können — und viele fürchteten dies.' Darin wäre diese Frage eine ganz aridere gewesen.; Da es glücklicherweise nicht dazu kam —' eine der. positiven Seiten des Kongresses (!) lLii,so wäre es naturgemäß von allergrößter Bedeutung gewesen, für die kömmenden Artleitsjalire die Einheitstendenzen zu stärken. Das ist auf diesem Wege bestimmt nicht geschehen. - Ein weiterer Fehler dieser Exekutive ist, daü sie anders scheint als sie ist. Die Kräfteverteilung, wie sie sich äußerlich darbietet, entspricht nicht den wirklichen Tatsachen, da weder Lipsky noch Jacobsohn an einem der Exekutivorte ihren Sitz nehmen werden und dementsprechend ihr Einfluß auf die wirkliche Geschäftsführung ein geringer sein wird. Ob es sich unter diesen Umständen überhaupt lohnte, durch die Zuwahl von Lipsky der Brandeis-Gruppe eine besonders harte Nuß zu knacken zu geben, bleibe offen. Jedenfalls tut man,gut daran, bei Ueberlegungen über die Exekutive die wirkliche Kräfteverteilung im Auge zu behalten, die man für gut oder schlecht halten mag, die aber jedenfalls in einem vollen Uebergewicht einer Gruppe besteht. Besondere Sorge verursacht uns, daß man