Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 7-8 (9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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m ZION MONATSBLÄTTER FÜR LEHRE, VOLK, LAND Herausgegeben vom Zentralbüro der Unabhängigen Misrachi Landesorganisation Deutschlands BEZUGSPREIS RM. 1,50 PRO QUARTAL. ZU BEZIEHEN DURCH DEN HERAUSGEBET» ODER DURCH DIE POST Nr. 7-8 Berlin, Sept/Okt. 1933. Tischri 5694 V.Jahrgang i n ff "i Der 18. Zlonlstenkongreß. Von A. J a c o b i. Es geht hier nicht um einen Tatsachenbericht, die Tatsachen dürfen bei unseren Lesern als bekannt vorausgesetzt werden; es geht um Ueberblick und Kritik. I. Der Kongreß kam zu früh oder zu spät. Er stand völlig unter dem Bann der durch den Arlosoroff-Mord ausgelösten Gefühle; bei keiner seiner Arbeiten, beginnend mit der Präsidiunisfrage und endend mit der Exekutivbilduns. konnte er sich davon befreien. Wäre er drei Monate früher zusammengetreten oder wäre er erst nach der gerichtlichen Klärung des Falles einberufen, in beiden Fällen hätte er ein völlig anderes Bild gezeigt. Im jetzigen Zeitpunkt war die Linke unerschütterlich überzeugt, daß die Revisionisten mit der moralischen Schuld an diesem Mord belastet seien, während durch alle anderen Parteien hindurch die Geister sich ganz persönlich, ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit, schieden in solche, die diese Ueberzeugung teilten, und solche, die den ganzen Fall noch für völlig ungeklärt hielten. Vor allem wurde in weitesten Kreisen des Kongresses es für ein Unrecht gehalten, eine Ueberzeugung, wie sie auch sei, an die Stelle eines Gerichtsurteils zu setzen. Im Misrachi war eine fast völlige Einmütigkeit nach dieser Richtung, eine Einmütigkeit, die die sonst in diesem Lager vorhandenen Revisionistenfreunde und Gegner einte, daß es altjüdischen, jedem an Thora und Talmud geschulten Menschen in Fleisch und Blut übergegangenen Grundsätzen ins Gesicht schlage, einen Menschen oder eine Partei als schuldig zu betrachten, bevor Gelegenheit zur Untersuchung und Verteidigung gegeben werde. Wie sehr der Parteienhaß hier jedes Maß überstieg, mag an einem kleinen Zwischenfall gezeigt werden. Als Raw Brod, ein Mann, der bis weit in die Kreise der Linken hinein, höchste Verehrung genießt, den Standpunkt des Misrachi damit verteidigte, daß es Recht und Gerechtigkeit widersprechen würde, in diesem Augenblick die alten Grundsätze der Präsidiumsbildung zu ändern, erhielt er aus der Linken mehrere Zwischenrufe „um von läu ssirzoch halt ihr nischt?!". So weit war die Fähigkeit, den Standpunkt des Gegners auch nur zu verstehen, unter der Wirkung des furchtbaren Ereignisses verschwunden! II. Verständlich, daß bei einer solchen Situation Fehler von allen Seiten gemacht wurden. Der schlimmste, daß es nicht gelang zu erreichen, daß die Austragung dieses Konfliktes an einer Stelle, Präsidium, Permanenzausschuß, Seniorenkonvent oder wo immer lokalisiert und dadurch der Weg freigemacht wurde, an allen anderen Stellen sachliche Arbeit zu leisten. Vielmehr spielte er in sämtlichen Instanzen, begonnen vom A.C. über fast alle Kommissionen bis in die Parteigerichte immer wieder hinein und hinderte jede wirksame, sachliche Arbeit. Wir kamen z. B. mit der naiven Meinung zum Kongreß, daß eine der Hauptkommissionsarbeiten in der Aufstellung und Durchdebattierung der verschiedenen Einordnungsmöglichkeiten für die deutschen Juden bestehen würde. Weit gefehlt! Alles, was nach dieser Richtung geschah, war die u. E. glückliche Wahl Weizmanns zum Leiter dieser Arbeit und Ruppins zum Sachbearbeiter. Jegliche Detailarbeit aber auf diesem wichtigen Gebiet fehlte. Eine weitere Wirkung dieser Situation: das völlige m