Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 6 (7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 53 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133276-3139359-3139363--0780-3140289- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 6 ZI 0 N Seit» 53 auch noch nicht möglich sein wird, so soll doch danach gestrebt ..werden, dem Schülerheim ein landwirtschaftliches Uebungsgrundstück, zum mindesten einen größeren Garten anzugliedern, um den Schülern- Gelegenheit zu landwirtschaftlicher Arbeit zu geben. Damit soll das gerade für den palästinensischen Lehrer besonders wichtige Verbundensein mit der Landarbeit gewährleistet werden. Im Programm des Seminars ist übrigens landwirtschaftlicher Unterricht vorgesehen, er würde aber bisher nur einmal in einem Lehrkurs von Dipl.-Agronom M. Unna gegeben. Die „Heimbürgerschaft" soll eine Gemeinschaft sein im schönsten Sinne des Wortes. Jede Gemeinschaft aber bedarf dringend einer Lebensform. Für die Kreise des Misrachi ist es überflüssig, zu betonen, daß die die Heimgemeinschaft beherrschende Lebensform der Din, das Gesetz der Thorah sein wird, die hier in heiliger Luft auf heiligem Boden immer wieder durch historische Erinnerung und wiedererwachtes jüdisches Volksleben ihre natürliche Umgebung erhalten wird. Und noch etwas soll hier betont werden: für jede wahre Gemeinschaft erhebt sich folgende Frage: Welche Idee bindet diese Menschen, beherrscht ihr ganzes Leben derart, daß er ihr dienstbar ist, und diese Idee sogar noch aus der kleinsten Lebensäußerung zu uns spricht. Es ist selbstverständlich, daß in einem gesetzestreuen jüdischen Schülerheim der Geist der Thorah die verbindende und leitende Idee der Heimgemeinschaft ist. Für den jüdischen Lehrer aber, der in Erez Israel seine Ausbildung erhält, muß auch der Pioniergeist der jungen jüdischen Generation*besonders betont werden, der Geist der Chaluziuth, der Tchiath Haam und Tchiath Haarez. Dieser Geist muß in organischer Verbindung und in innerster Beziehung zum Geist der Thorah treten. Nur durch diese Verbindung wird es dem jüdischen Lehrer gesetzestreuer Richtung in Erez Israel gelingen, den Weg zur jüdischen Bevölkerung Erez Israels, insbesondere zum jüdischen Kind, zu finden. Der jüdische Lehrer im jüdischen Land soll nicht nur ein Wissensübermittler sein, sondern ein Pionier für die große Idee der Renaissance des jüdischen Volkes in seinem Land, ein Pionier der Einheit der Thorah, Volk und Land. Ist es die Aufgabe des Misrachi-Lehrersemihars der jungen Lehrergeneration im jüdischen Lande ein ihrer hohen Aufgabe entsprechendes, gründliches Wissen zu übermitteln, so wird es die Aufgabe des Schülerheimes sein, durch milieumäßige Beeinflussung des Willens und Charakters den werdenden Lehrer zur jüdischen Persönlichkeit und zum unerschrockenen Vorkämpferfür die oben gekennzeichnete Idee zu formen. Das Seminar ist auch für die jüdisch-talmudische Ausbildung junger Juden sehr geeignet. Das Schlußzeugnis berechtigt zum Eintritt in die Universität in Jerusalem. Es ist dringend zu wünschen, daß der Plan des Schülerheims nicht an materiellen Gründen scheitere — um so mehr, als auch für die Diaspora Lehrer von großem Nutzen sein werden, die ihre Ausbildung im Brennpunkt jüdischen Erlebens, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in Erez Israel — erhalten haben. Bucherbesprechung. Jakob Bernays Ein Lebensbild in Briefen, herausgegeben von Michael Fr ä n k e 1, M. u. H. Marcus, Breslau 1932. Nur mit tiefer Ergriffenheit gehen wir an die Besprechung dieses Briefwechsels heran, der uns einen Einblick in eine versunkene, uns ferngerückte Welt eröffnet. Vor unserem Auge ersteht das Bild von Jakob Bernays, eines deutschen Juden, des mit allen Wassern deutscher und klassischer Humanität getränkten jüdischen Wissenschaftlers, eines Mannes, der vor den Thronen weltlicher Großen gestanden und nicht gezittert hat und niemals auch nur um Haaresbreite sein angestammtes Judentum verleugnet oder gar um eine Lebensstellung feilgeboten hat. Immer wieder tritt an diesen Charaktergroßen die Versuchung heran, durch einen Glaubenswechsel die ihm angebotene, ihm als dem Berufensten zustehende Professur an einer deutschen Universität zu verlangen — Bernays weist mit vornehmer Selbstverständlichkeit jede derartige Zumutung zurück. Einflußreiche Freunde legen ihm diesen Schritt mit suggestiv-gewählten Argumenten nahe (man lese den klassischen Briefwechsel zwischen Chr. K. Jos. v. Bunsen und Bernays, abgedruckt in der Frankf. Zeitung vom 25. 3. 1933). Jahrzehntelange Enttäuschung und Verkennung machen den glaubensstarken Mann nicht wankend, in seinem vertrautesten Umgang mit den bedeutendsten Geistern seiner Zeit (v. Bunsen, Ritsehl, Curtius, Max Müller-Oxford, Mommsen, Willamowitz-Möllendorf u. a.) bleibt er in unbestochener Glaubestreue ungebeugt, eine aufrechte Säule, ein unvergleichliches Beispiel edelster Gesinnungslauterkeit, allen materialistischen Denkzielen abholder Idealität und alle-