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Zion · 1933-07-01 · 6 (7.1933) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
6 (7.1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 52 (sequence 10)
Language
German
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Seite 52 ZION Nr. 6 Strien entwickeln sich und neue Projekte schweben, Banken und Handelshäuser eröffnen -Filialen. Haifa, lange ein Stiefkind des Aufbaus, tritt mit ein in den Wettbewerb. Das Schülerinternat (Schülerheim) beim Misrachi-Lehrerseminar in Jerusalem. Von Dr. J. G r ü n f e 1 d, Jerusalem. Es war schon immer ein Lieblingsgedanke des derzeitigen Leiters des Misrachi-Lehrerseminars in Jerusalem, Direktor E. M. Lipschütz, mit dem Lehrerseminar ein Internat zu verbinden. Die Gründe hierfür waren praktischer und pädagogischer Art. Durchschnittlich zwei Drittel der Schüler des Seminars sind nicht aus Jerusalem. Diese Schüler leben in sehr schlechten Verhältnissen, in unmöglichen Wohnungen, ohne ausreichende Ernährung, bei schwerer Lernarbeit. Für diese Schüler eine gesunde, jüdisch einwandfreie Atmosphäre zu schaffen, war und ist eine Lebensnotwendigkeit. Dazu kommt noch ein sehr bedeutsamer pädagogischer Grund. Gerade für den gesetzestreuen jüdischen Lehrer ist es sehr wichtig, daß er in einem guten und in sich geschlossenen jüdischen Milieu aufwachse. Die Wissensübermittlung der Schule allein genügt nicht, um die Schüler zu religiösen Charakteren zu formen. Dazu ist vielmehr eine ständige erzieherische Beeinflussung notwendig. Der Lehrer des Seminars kann dies nicht in ausreichendem Maße, da er zu wenig mit dem Schüler zusammen ist. Im Schülerheim aber spielt sich das ganze Leben des Schülers außerhalb der Schule ab. Dort ist die Möglichkeit gegeben, durch Schaffung einer wahrhaft jüdischen Atmosphäre weitgehend auf die jüdisch-religiöse Entwicklung der Schüler Einfluß zu nehmen. Die Schule (auch die beste) entbehrt naturgemäß des sorgenden und hegenden Milieus der Familie als des geliebten Lebensraumes. Das Schülerinternat kann jedoch in innere Beziehung zum Schüler treten, das Feld seiner gesamten Betätigung werden, ihm die Familie ersetzen, das heißt: sein Heim werden. Die Situation der Juden in Deutschland hat den letzten Anstoß dazu gegeben, den Gedanken eines mit dem Seminar verbundenen Schülerheimes zu verwirklichen. Schon von jeher wandten sich an die Leitung des Misrachi-Seminars bemittelte Eltern aus dem Ausland, welche ihren Kindern eine jüdisch-hebräische Erziehung in Erez- Israel. geben wollten. Man konnte ihnen aber nicht helfen, weil es nicht möglich war, eine geeignete Unterbringung für die Kinder zu finden. Da nun aber eine Reihe von Anmeldungen zum Misrachi-Lehrerseminar aus Deutschland vorliegt, hat man sich entschlossen, den längst gehegten Plan des Schülerheims in die Wirklichkeit umzusetzen. Ein Haus für das Internat ist bereits gemietet; es liegt in einer schönen Gegend Jerusalems. Wohnräume und Einrichtungen sollen allen Anforderungen moderner Hygiene entsprechen. Der im Schülerheim herrschende Geist soll in Lehre und Leben dem gesetzestreuen Judentum entsprechen. Der Aufenthalt der Schüler in Erez-Israel wird die Gewähr für ein lebendiges Judentum geben. Wenn sich naturgemäß auch Palästinenser, deren Eltern nicht in Jerusalem wohnen, im Heim aufhalten werden, so soll doch im Anfang hauptsächlich auf die aus Deutschland kommenden Schüler Rücksicht genommen werden. Den Schülern soll ein ausgiebiger Nachhilfeunterricht im Hebräischen gegeben werden, damit sie dem Unterricht im Lehrerseminar folgen können. Ebenso sollen die Schüler im Talmud-Unterricht stark gefördert werden. Man rechnet dabei aut die Mithilfe der palästinensischen Heiminsassen. Andererseits ist auch anzunehmen, daß die aus den Kreisen der deutschen Orthodoxie stammenden Schüler einen guten Einfluß in mancherlei Hinsicht auf die palästinensischen Schüler haben werden. Das Schülerheim soll die Vorteile eines Internats ohne seine Nachteile besitzen. Vor allem sollen die Schüler nicht das Gefühl der Unfreiheit und den berüchtigten „Internatszwang" haben, sondern vielmehr die Empfindung, in einer großen Schülerfamilie, in einer Schülergemeinschaft zu leben. Der Leiter des Internats muß der wahre Freund der Schüler werden, dem sie sich in jeder Problematik des jugendlichen Seins anvertrauen können. Ohne gewisse Uebertreibungen nachzuahmen, soll doch die Selbstverwaltung der Schüler eine große Rolle spielen. Ausspracheabende sollen dazu dienen, den Schülern Gelegenheit zu geben, sich frei über das zu äußern, was sie beschwert, und sich dabei gleichzeitig in freier hebräischer Rede zu üben. Der Kontakt zwischen dem Lehrerseminar und dem Schülerheim soll ein inniger sein, aber ebenso eng soll die Verbindung zwischen Schülern und dem Leben in Erez-Israel sein. Für die im Schülerheim besonders einzurichtenden Vortragsabende sollen sowohl Lehrer des Seminars als auch sonst geeignete Persönlichkeiten von Namen und Ruf gewonnen werden« Wenn dies jetzt

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