Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 6 (7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 50 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 50 ZION Nr. 6 Land, Sitten und Sprache kennen, reichlich gedeckt. In die gleiche Kategorie gehören Sozial- Fürsorgerinnen. — Wer aber gewillt und imstande ist, die sich bietende Arbeit zu übernehmen, findet hier leichter als anderwärts Beschäftigung. Er darf sich natürlich nicht auf eine bestimmte Stadt oder überhaupt auf die Städt konzentrieren wollen, sondern muß dorthin gehen, wo sich etwas bietet: auf Bauten, im Pardess, beim Chausseebau oder wo sonst. Das Land ist im Aufbau, überall regt es sich, und die Chaluzim, die mit den letzten Zertifikaten hergekommen sind, konnten fast alle schnell an ihre Arbeitsplätze gelangen. II. Bisher war nur von denen die Rede, die als Arbeitnehmer herkommen. Nun zu denen, die selbständig arbeiten wollen. Ein Gewerbebetrieb hier erfordert im allgemeinen mehr Kapital als in Europa, es sei denn, daß man den gesamten Ein- und Verkauf im Lande selbst abwickeln kann. Sonst ist zu bedenken, daß der Warentransport nach und von Europa Wochen in Anspruch nimmt und daß ja selbst Briefe fast eine Woche brauchen, ehe sie am europäischen Bestimmungsort ankommen. Dagegen ist ein wesentlicher Vorteil, daß die Betriebe mit kleinstem Spesenapparat auskommen. Abgesehen von Mieten, über die noch gesprochen werden wird, gibt es wenig Generalunkosten. Es gibt weder Einkommennoch Umsatzsteuer. Die Abrechnungen mit der Krankenkasse, auch da, wo der Betrieb sich hieran beteiligt, vollziehen sich in einfachster Weise beim Inkasso, und auch die übrigen in Europa für unvermeidlich gehaltenen Spesen werden auf ein Minimum reduziert. Großindustrielle Betriebe gibt es wenig, sie sind fast alle in Haifa (Zementfabrik Nesher, Oelmühle Schemen, die große Rothschild-Mühle, nahe dabei in Akko die Zündholzfabrik Nur). Außerhalb sind an Großbetrieben nur Ruthenberg und die Potash-Comp. am Toten Meer zu nennen. In zweiter Linie rangieren einige Eisengießereien mit Maschinenfabrikation und Textilfabrik. Aber außerordentlich zahlreich sind Mittel- und Kleinbetriebe aller Art, insbesondere Möbel- und Bettenfabriken, Webereien und Wirkwarenfabriken und solche für Bau-Utensilien. Das Stadtviertel in Tel-Aviv, in das man seit einigen Jahren diese Industrien verwiesen hat, entwickelt sich stürmisch; und in kleinen Werkstätten arbeitet der Inhaber mit ein paar Gesellen (fast nie mit Lehrlingen) und hat in den meisten Fällen, gut zu tun bei allerdings gedrückten Preisen. In diesen Kleinbetrieben ist das Einkommen des Inhabers oft selbst in der gegenwärtigen Konjunktur kaum höher als das eines seiner Arbeiter. Richtige Kalkulation fehlt oft, und die Preise richten sich danach, was die Konkurrenz fordert. Unter den bisher importierten Artikeln gibt es noch viele, die im Lande hergestellt werden könnten, doch ist es nicht immer leicht, die richtigen Statistiken zu erlangen. In den offiziellen Einfuhrstatistiken sind begreiflicherweise die Gruppierungen zu sehr zusammengefaßt, als daß über einen besonderen Artikel genaue Zahlen festzustellen sind. Und bei den übrigen Statistiken scheinen die Untersuchungs- und Schätzungsmethoden zu vage, als daß man sich ohne weiteres auf sie verlassen könnte. Von den Fabriken, die unmittelbar vor oder nach der Eröffnung stehen, sind zu erwähnen zwei Schokoladenfabriken (neben der schon bestehenden von Lieber) und eine große .Seidenfabrik (außer der Delfinerschen). III. Auch der Handel, insbesondere auch der Detailhandel, hat sich in den letzten Monaten stark entwickelt. Man sieht in Jerusalem, Tel-Aviv und im jüdischen Viertel von Haifa immer mehr Läden mit geschmackvollen Einrichtungen und Auswahl und mit netten Dekorationen, vor allein in Bekleidungsbranchen. Im Großhandel hat sich als erheblicher Nachteil erwiesen, daß Einwanderer ins Land kommen, die an Stelle von Bargeld große Posten von Waren mitbringen (meist wohl wegen der Kapitalausfuhr-Beschränkungen in den Herkunftsländern) und diese auf den Markt werfen. Das führt nicht nur zu einer Preisunterbietung, sondern die Aufnahmefähigkeit des beschränkten einheimischen Marktes reicht nicht aus, um die Waren zu absorbieren. So sind in den letzten Monaten in Tel-Aviv zwei Firmen mit großem Lager medizinischer und zahnärztlicher Apparate und Utensilien eingewandert, die stark auf den Markt des Landes drücken sollen, und ähnliches wird aus anderen Zweigen berichtet. Dazu kon mt ein starkes Angebot japanischer Waren, die sich qualitativ verbessert haben und zu sehr billigen Preisen angeboten werden. Einen besonderen Aufschwung hat das Hötel- und Pensionswesen angenommen. In der Rechow- Hajarkon, am Meer in Tel-Aviv, sind im letzten halben Jahr allein sieben neue Hotels und Pensionen eröffnet worden, ebenso gibt es mehrere neue in Hadar Hakarmel in Haifa. Sie haben