Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 6 (7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 48 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 43 ZI ON Nr. 6 Würde und allgemeiner Menschheitsldeale in den Vordergrund zu stellen. In manchen Teilen hätte sie glücklicher gefaßt werden können, jedenfalls sind wir davon überzeugt, daß,keinerlei Absicht vorgelegen hat, Dinge zum Ausdruck zu bringen, die nicht ganz klar und d e u 11 i c h. in ihr gesagt wurden. Die Judenheit kann ihre innere Ruhe nicht wiederfinden, wenn die Welt nicht anerkennt, daß unserem Volk die gleichen Rechte zustellen, wie allen anderen Nationen, auch in einem nichtjüdischen Lande, an dessen Wohl und Wehe wir teilnehmen, weil wir in es hineingeboren sind, daß wir nicht - minderen Rechts sind, * weil wir menschlich minderer Qualität sind, als andere. Und man soll es uns nicht verübeln, wenn wir diesen Zustand der Unruhe der Welt bekanntgeben. Mit Recht würde man uns verachten, wenn wir stillschweigend hinnehmen wollten, was bisher noch niemals einem Volke auf dem Gebiete moralischer Disqualifizierung von einem anderen Volke gesagt und von Konsequenzen begleitet wurde. Der Kongreß wird Beschlüsse fassen, die neue Möglichkeiten für Siedlung aus Deutschland kommender Juden bieten werden. Wir erwarten von diesen Beschlüssen eine Erleichterung unserer Situation. Hoffen wir, daß die neue größere Wanderung aus Deutschland nach Erez Israel nicht nur uns Vorteile bringt, sondern auch dem Lande; nicht nur eine Notstandssiedlung, sondern auch eine Qualitätssiedlung muß es werden, damit das ganze jüdische Volk seinen Nutzen aus dem neu ins Land kommenden Element ziehen kann. Für unser Volk und unser Land ziehen wir hm hkS nSssD A.A. An Oskar Wolfsberg. Im vorigen Heft des „Zion" hat unser Freund und Führer, Oskar Wolfsberg, vom deutschen Misrachi Abschied genommen. Er ist auf der Wanderung in unser Land, dem seit Jahren seine Gedanken, seine Arbeit, seine Kräfte gewidmet waren. Wir, seine engsten Mitarbeiter und Mitkämpfer, wissen am besten, wie schwer die Arbeit war und welchen Aufwand von Kraft sie erforderte. Wir wissen, mit welcher Hingabe Wolfsberg für unsere Sache eintrat, wie er oft nur unter schwerstem Opfer seiner knappen Zeit und "ohne Rücksicht auf seine Gesundheit seiner Pflicht genügen konnte, von der auch diese Blätter, die wohl nie ohne seinem Beitrag erschienen, Zeuge sind. Der deutsche Misrachi weiß, wie sehr unter Wolfsbergs Führung Ansehen und Einfluß der Bewegung, nicht nur innerhalb der Gesamtorganisation, sondern auch in der ganzen jüdischen Welt gewachsen sind. Für all dies danken wir unserem Führer und Weggenossen, dem viele von uns in herzlicher Freundschaft verbunden sind. In einer Stunde, in der uns tiefste Sorge um alles jüdische Leben paS erfüllt, die uns schwerste Pflichten für das neue Leben in p« h n i v t auferlegt, scheidet Wolfsberg aus unserem Arbeitskreise, der schon so klein geworden. Er trifft dort viele unserer Freunde, die bereits angekommen' sind. Und mit allen, die jetzt drüben sind, mit denen, die in Kürze .heraufziehen werden, aber auch mit denen, die noch zurückbleiben, wird — auch das wissen wir — Wolfsberg in alter Freundschaft und Verbundenheit zusammenarbeiten '« nj? ij?:n uoy MaxKober. * ■3 Dank der Jugend. Es sei auch uns, der Jugend, gestattet, ein Wort des Dankes an Oskar Wolfsberg zu richten. Dr. Wolfsberg hat sich in den letzten Jahren immer mehr und mehr der Jugend zugewandt, nachdem er 1928 seinen Eintritt in den Zeire- Misrachi erklärt hatte. Nicht nur haben wir Wolfsberg eine Fülle von Anregungen zu verdanken, nicht nur war er uns ein Vorbild in seiner unermüdlichen Arbeitskraft und schöpferischen Tätigkeit, nicht nur erregte die Intensität der Ausführung seiner Pläne und Absichten Achtung in den Reihen, die mit ihm verbunden waren, Wolfsberg war* uns weit mehr. Wir schätzten und bewunderten in ihm die harmonische Verknüpfung zwischen der Idee, die er sich zur Lebensaufgabe stellte, und der stets sichtbar gewordenen Durchführung der ihn leitenden Gedanken. Wolfsberg, dem nie der Blick für die dringendsten Gegenwartsnöte fehlte, hat die Besinnung der Jugend auf sich selbst verlangt, die nicht nur das nationale Bedürfnis des Juden nach der eigenen Scholle stärken konnte und mußte, sondern das nationale Bewußtsein überhaupt zu nähren imstande war. Je ärmer ein Volk an materiellen Gütern wird, desto mehr regt sich in ihm die Sehnsucht nach, einer inne-