Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 6 (7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 47 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 ZION Seite 47 der Bindung der national-religiösen Judenheit an die nationale zionistische Bewegung, einen Zusammenschluß der gesamten religiösen Judenheit außerhalb des Zionismus treten zu lassen. Es ist sehr bezeichnend, daß dieser Plan mit an dem entschiedenen Widerstand des Hapoel Hamisrachi gescheitert ist, denn der Hapoel Hamisrachi hat .wertvollste Leistungen im Lande aufzuweisen und weiß, daß in dem Maße, in dem diese Leistungen weiter gesteigert werden, auch sein Einfluß in allen Zweigen des Aufbaus größer und entscheidender wird. Die Leistungen des Allgemeinen-Misrachi, die einzig auf dem Gebiet des Schujwesens liegen, das naturgemäß nicht allein getragen wird von seinem Initiator, dem Misrachi, sondern ebensosehr von der Elternschaft, die nicht mit den Anhängern des Misrachi identisch ist, machen sich im Lande nicht so fühlbar, daß er sicher sein kann, maßgeblichen Einfluß auf Gebarung und Führung des nationalen Jischuw zu erlangen. Aus diesem Gefühl der Unsicherheit heraus konnte die Idee entstehen, einen außerhalb des Zionismus stehenden Zusammenschluß der religiösen Judenheit für den Aufbau Erez Israels zu schaffen, und als dies von der Mehrheit der Konferenz abgelehnt wurde, „eine Resolution zu fassen, daß der Misv rachi sich nur an einer Exekutivbildung beteiligen würde, wenn Garantien für die Einhaltung des Religionsgesetzes gegeben würden. Man sollte sich doch klar darüber sein, daß solche Garantien absolut nutzlos sein müssen, wenn sie nicht in der tatsächlichen Stärke der im Lande wirkenden gesetzestreuen Kräfte ihren festen Rückhalt haben. Die Leistung des religiösen Jischuw und seiner Organisation im Lande gibt Garantien für die Einhaltung des jüdischen Gesetzes, nicht der gute Wille des nichtreligiösen, aber den Aufbau des Landes tragenden Teils des Zionistenkongresses. Nur der Poel Hamisrachi kann im Laufe der Zeit Verhältnisse herbeiführen, die solche Garantien schaffen, weil sie sie unnötig machen. Dem geschätzten und unentbehrlichen Mitarbeiter wird man freiwillig gewähren, was man dem viei (wenn auch mit noch so großem Recht) fordernden aber weniger leistenden Misrachi zwar bei der Exekutivbildung versprechen, aber im Drange der Geschäfte des Alltags niemals halten kann. Weiß man das nicht beim Misrachi? Man weiß es, aber Politik muß doch bei uns mit großer Geste, abgestimmt auf ihre Wirksamkeit bei der Volksmasse gemacht werden — und deshalb der Plan, von dem seine Initiatoren nur fürchten konnten, daß er angenommen werde, und deshalb die Resolution, von der niemand glaubt, daß sie eine Wirkung beim Kongreß haben könne. — Und was bedeutet die andere Reso* lution, es solle eine Exekutive gebildet werden, die alle Parteien umfaßt, die das Primat der Zionistischen Organisation anerkennen, also alle Parteien einschließlich des Misrachi, aber unter Ausschluß der Revisionisten? Auch diese Re» Solution kann man nicht als ernsthaft gemeint ansehen, wenn man in den ersten Kongreßtagen sieht, daß der Misrachi bei einer (letzten Endes so wenig für die praktische Arbeit ins Gewicht .fallenden) Angelegenheit, wie die Besetzung des Kongreßpräsidiums es ist, einen casus belli daraus macht, daß auch die Revisionisten ihren Präsidialplatz erhalten. Es ist absurd zu verlangen, daß man im Präsidium eines Kongresses sitzen muß, dessen Beschlüssen man sich später in der Arbeit des Alltages nicht fügen wird, es ist der Gipfel der Absurdität, wenn eine andere Partei, die größten Wert darauf legt, Einfluß auf die Leitung der Bewegung zu erhalten und diesen Einfluß nach außen hin in die Erscheinung treten zu lassen, ihre Beteiligung am Präsidium davon abhängig macht, daß andere, denen sie die Berechtigung zur Beeinflussung der Bewegung abspricht, ebenfalls im Kongreßpräsidium sitzen. Es lohnt nicht, mit so großer Emphase nach so kleinem Ziel zu streben. Der Misrachi sollte von der Notwendigkeit seiner Mitarbeit in allen Gremien der zionistischen Bewegung eine höhere Meinung haben, als daß er sich ausschließt, wenn nicht auch die Revisionisten mit von der Partie sind. Er sollte seine Richtung nicht so völlig auf eine Linie stellen mit der der Revisionisten, er sollte Existenz und Mitarbeit der religiös-nationalen Judenheit für vordringlicher halten, als diejenige der Partei Jabotinskis, das Durchsetzen der Gebote des Judentums für notwendiger als dasjenige der parlamentarischen Gesetze. Nachdem der Kongreß seine erste Periode der Krise, die Wahl des Präsidiums, überwunden hat, ist er in das Stadium praktischer Arbeit eingetreten. Die Debatte über das Schicksal der Juden in Deutschland ist nicht mit der Fassung der Resolution zu diesem Thema abgeschlossen, sondern sie findet ihren Fortgang in den praktischen Vorschlägen zur Erleichterung der Ansiedlung der aus Deutschland Auswandernden in Erez Israel. Die Resolution wollen wir nicht kritisieren, sie ist im Ton und Gehalt würdig und zeigt das Bestreben, auch in dieser für die Judenheit Deutschlands so schicksalsschweren Situation sich nicht vom Sentiment beherrschen zu lassen, sondern die großen Gesichtspunkte nationaler