Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 6 (7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 46 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 46 Z I 0 N Nr. 6 gelöstheit dieses Problems entstanden ist. Wir erwarten, dal? der 18. Kongreß zielbewußt auf dem von Herzl gewiesenen Weg der Sammlung des jüdischen Volkes in seinem nationalen Heim einen entscheidenden Schritt vorwärts geht. -]2fipx cSna □"cmsi Rund um den Zionistenkongress. Während diese Zeilen in Druck gehen, sind die Verhandlungen in Prag noch in vollem Gange, haben wohl noch nicht einmal ihren Höhepunkt erreicht. Aus den Debatten, die in diesen Tagen geführt wurden, soll sich erst die Richtlinie herauskristallisieren, die die Zionistische Volksbewegung in den nächsten Jahren bei der aufbauenden Arbeit in Erez Israel verfolgen soll. Denn alles andere, sogar auch die Linie der zionistischen Außenpolitik, ist doch nur, wenn auch notwendiges Beiwerk, tritt zurück in seiner Bedeutung hinter die Aufgaben der praktischen Arbeit im Lande. Zu Anfang unserer Kongresse sieht es allerdings meist so aus, als ob die Delegierten ganz andere Dinge in den Mittelpunkt ihrer Erwägungen gestellt haben, und besonders das Plenum bietet tagelang und oft noch länger ein Bild aufgeregten Hin und Hers, politischer Reden, heftigen Rivalitätsstreites, Parteienhaders und Führeraspirationen. Aber hinter den Kulissen tagen derweil die Kommissionen und erledigen in einer mehr nüchternen Atmosphäre die dringlichen Fragen der Zukunft, wägen die Möglichkeiten des Aufbaus und die Zahlen des Budgets gegeneinander ab und suchen den Weg, der die Bewegung und die Arbeit vorwärtsbringen kann. Man hat schon seit Jahren immer wieder davon gesprochen, und die Besten in unseren Reihen haben sich mit dieser Idee befaßt, den Kongreß an Haupt und Gliedern zu reformieren, ein Ende zu mächen mit dem unfruchtbaren, veralteten System des Kongresses, innerzionistisch-politische Machtkämpfe durchzuführen von dieser Plattform aus. Die vielen Reden, die im Plenum zu allen Fenstern hinaus gehalten werden, bringen die Arbeit nicht weiter, überbrücken keine Gegensätze, sondern vertiefen nur die Kluft, die zwischen den einzelnen Richtungen sich dehnt. Wozu? Sind nicht die wenigen Tage, die uns im Zwischenraum von zwei Jahren zusammenführen, zu kostbar, um in ihnen mit mehr oder weniger Geschick, aber immer mit äußerster Heftigkeit und manchmal mit ekstatisch gesteigerter Wut, die Streitaxt zu schwingen und mit allen Mitteln und Mittelchen des Parlamentarismus nachAugenblickserfolgen auf der Rednertribüne zu haschen, um eine Abstimmung nach dieser oder jener Seite hin zu beinflussen? Man kann einwenden, daß auch in anderen Parlamenten die Parteien ihre Gegensätze zueinander in der Oeffentlichkeit von der Rednertribüne herunter austragen, daß auch dort manches Wort nicht gesprochen würde, wenn es nicht sicher wäre, die große Resonnanz der Zuhörer und Zeitungsleser zu haben, der Parteimitläufer, die entzückt aufhorchen, wenn ihr Tribun es dem anderen „ordentlich gegeben" hat. Aber es ist doch ein großer Unterschied zwischen allen Parlamenten und unserem. Jene tagen monatelang in jedem Jahre und haben daher mehr Zeit, ihre Kommissionen tagen in Permanenz und können jedes Arbeitsquantum in aller Ruhe, ungestört durch äußere Einflüsse bewältigen, bei uns ist alles in dem kurzen Zeitraum weniger Tage gedrängt und wenn wir uns in ihnen tüchtig auseinandergeredet haben, dann die klaffenden Gegensätze notdürftig wieder übertuschen, um irgendwie eine Koalition herbeizuführen, die eine von einer Mehrheit getragene Exekutive bildet, leidet selbstverständlich die ganze Arbeit der kommenden zweijährigen Periode unter dieser uneinheitlichen Leitung, in der all die Gegensätzlichkeiten und Rivalitäten des Kongresses verewigt wurden. Das muß dann unweigerlich dazu führen, daß die Exekutive gehemmt und in ihrer Aktion gehindert wird, da sie stets uneinheitlich zusammengesetzt ist und die einzelnen Mitglieder, anstatt daß sie eine Aufgabe, die der Kongreß ihnen gestellt hat, zielsicher zu erledigen suchen, ihre Aufgabe darin sehen, der Welt zu demonstrieren, welchen großen Einfluß gerade der Delegierte dieser Partei in der Exekutive besitzt und wie er die Interessen seiner Partei vertritt und durchführt. Schon vor dem Kongreß konnte man bei der Weltkonferenz des Misrachi einen Vorgeschmack dieser Exekutivbildungsmanipulationen bekommen. Wir können leider keinen Bericht über diese Konferenz geben, da wir von ihr nur durch die spärlichen Berichte orientiert sind, die die „Ita" über sie gegeben hat, und die nur ein sehr undeutliches Bild von dem gibt, was sich dort abgespielt hat. Ein wesentlicher Teil der Beratungen scheint mit dem Problem ausgefüllt gewesen zu sein, ob nicht die Zeit gekommen ist, an Stelle