Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 4-5 (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 42 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4*5 ZI ON Seite^.42 Jerusalem von Elli Rotschild, Kaikur. Man muß Jerusalem einmal bei Mondschein sehen. Das Erste, was bei Betreten des Landes auffällt, ist die Gesteinsfarbe. Palästina ist ein großer Kalkfelsen mit Unterbrechungen von Grün, die in den beiden großen Tälern sehr groß, um Jerusalem ganz gering sind. Dieser Felsen ist prädestiniert für eine Jahrtausend- Vergangenheit: furchtbar hart, spröde und bleich. Bei Mondschein schneeweiß. In diesem Land lächelt man nicht mehr mitleidig, wenn man eine Rundfahrt durch mittelalterliche Festungen macht. Als ich zum ersten Male vor der alten Stadtmauer stand, habe ich Respekt bekommen vor den Römern, die uns da herausgeworfen haben. Sie sind zwar an der «schwächsten» Stelle — am Damaskustor — eingedrungen. Aber selbst dort sitzt die Mauer (selber nur Felsbrocken) direkt auf dem Fels auf. Übrigens ist das Gestein hier seit geschichtlichen Zeiten immer von der gleichen Braun-Weisse, man baut heute noch auf die gleiche Art Türme und Mauern und Häuser (mitAusnahme der neuesten zionistischen Bauten, der Villenvorstädte und Missionshäuser), sodaß es fast unmöglich ist, zu erkennen, welche Mauerteile 200 oder 500 oder 10 Jahre alt sind. Die. große Mauer, die man auf den Jerusalembildern sieht (um das Tempelgebiet), ist noch so gradlinig, extakt und fest, wie jemals. Ein unverwüstlicher Stein. Wenn man etwa vom sogen. Grab Absalqms aufsteigend zur Mauer der Stadt geht, hat man das Gefühl, daß vor dieser Härte jedes Instrument machtlos ist. Als Europäer denkt man sich die Klagemauer z. B. als ein altes Gerümpel, das mehr durch ein Wunder und durch Spenden als durch eigene Festigkeit den Jahrhunderten standgehalten hat. Wer aber diese fugenlosen Felsblöcke gesehen hat, weiß, daß jeder Gedanke an eine Zerstörbarkeit hier lächerlich ist. Ich glaube, hier wären selbst Fliegerbomben machtlos. Wer hier Häuser baut, hat die meisten Kosten durch die Vorbereitungen dazu: nämlich die Sprengungen des Grundes, um einen einigermassen ebenen Boden zu erhalten. Uberall stolpert man über Gestein. Nur die fabelhaften neuen Autostraßen sind frei davon. Aber direkt neben ihrem Asphalt beginnt schon wieder Felsgeröll, geradezu eine ständige Herausforderung zum Häuserbau: wenn mann Platz haben will, muß man Steine schichten,' also baut man und legt möglichst um jeden Sportplatz, Weideplatz, Hausplatz eine großzügige Mauer. So leben hier alle Klöster, Kirchen, Missionen, Konsulate und reiche Privatiers in Festungen. Die ganz neuen Bauten, wie der Prachtbau des englisch-christlichen Clubs junger Männer oder der K.K.L Bau sind noch um einen Grad vornehmer, weil sie diesen weissen Fels ganz glatt geschliffen um ihren Leib tragen und so immer aussehen wie indische Paläste in Märchenbüchern. Weisse Burgen bei weissem Nachtlicht! Von oben herunter gesehen, etwa von der Universität — unbeschreiblich überwältigend. Dazu das Bewußtsein von der Geschichte und dem rein Körperlichen dieser unheimlich verwinkelten alten Stadt und dann möchte ich einen sehn, der sich nicht notfalls hierfür in Stücke schlagen läßt, so wie Joseplius es von unseren Urahnen .erzählt. Was macht es einem auch hier, ausgelöscht zu werden? Ich kann mir jedenfalls nicht denken, daß noch sonst irgendwo auf der Welt ein Stück Erde so physisch unvernichtbar er* scheint, wie Jerusalem. Wenn heute einer käme und sagte, wir Juden seien ein verlorenes Volk, ihn sollte man zum Beweis für diese Behauptung auffordern. Jerusalem zü zerstören! Wir haben uns schon die richtige Heimatstadt ausgesucht. Hier stört auch nicht das Durcheinander der Kulturstätten, der Dutzenden von religiöse Sekten und Gemeinschaften. Was an ih- -nen Fels ist, ist vom Boden entliehene Kraft. Der Rest ist nicht mehr als eine Sekunde im Leben dieser Stadt. Man weiß von vorne herein, wer es hier länger aushält: die Stadt, und nicht ihr sehr gemischter Inhalt. Einmal bin ich durch die Altstadt mit Führung gegangen und nahm mir da schon vor, es noch einmal allein zu versuchen, um diese Luft zu probieren. Es ist ein gefährliches Unternehmen, aber wenn es glückt, lehrreich wie keine Führung. Man erhält da einen Anschauungsunterricht über diese Festung, die die Römer ein Jahr vergeblich belagerten und psychisch nie überwinden konnten. Drei—bis fünffach übereinandergebaute,—geschobene,—geschachtelte Häuser (Felsblöcke). Ebensoweit unter die Erde wie hinauf, was überhaupt kein großer Unterschied ist, denn Fels ist beides. Nur gelegentlich von den hier wie Maulwürfe hausenden Eingeborenen hochgeworfen. Alles kilometerweit unterhöhlt. So gibt es direkt unter einer Seite der Stadtmauer von außen herein eine Höhle, deren Ende und Zweige die kühnsten Eindringlinge bisher noch nicht haben erforschen können. Sie heißt «die Höhle Zidkijahus» und man sagt daß sich in so einer Höhle David mit 400 Mann vor Saul versteckt gehalten hätte. Wer das in Europa hört, lächelt und denkt «das kann ich