Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 4-5 (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 35 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4-5 ZION Seife 35 stehende Einrichtungen und Anstalten. Es darf auch gesagt werden, daß der gesetzestreue Teil der dort lebenden Bevölkerung zahlenmässig sehr stark ist. Es gibt dort, wie mir eine führende Persönlichkeit erzählte rund 50 Bethäuser und Bote Midrasch. Es fält auf, daß die Zahl der jungen Menschen, die an diesen heiligen Stätten gesehen werden, verhältnismässig klein ist. Der Strom des religiösen Lebens flutet vielfach an den jungen Menschen vorbei. Gewiß, die rta» Veranstaltungen, denen die Persönlichkeit Bialiks die Prägung gibt, ziehen viele junge Menschen aller Richtungen und Kreise an. Ich bin weit davon entfernt, den Wert dieser Veranstaltungen zu unterschätzen und zweifle gar nicht daran, daß auch diese Veranstaltungen religiöse Anregung und Bereicherung zu geben vermögen. Allein das traditionelle jüdische Leben, das von mwn T\ab und rnsnn m»p getragene und gestaltete Leben wird viel zu wenig in die Kreise der Jugend hineingetragen. Ein anderes Beispiel. Der Misrachi unterhält in Erez Israel — dies kann nicht dankbar genug anerkannt und hervorgehoben werden — ausgezeichnete Schulen mit einem zum Teil hochwertigen Lehrer-Material. Ich mußte wiederholt staunen über die Breite und Tiefe des jüdischen Wissens, das in Volks- und Mittelschulen und insbesondere an den beiden Lehrerseminaren des Misrachi den Schülern und Schülerinnen vermittelt wurde. Allein dieses sehr bedeutende Erziehungswerk leidet unstreitig darunter, daß manchen Lehrern offenbar das ausreichende Verständnis dafür fehlt, daß Erez Israel nicht nur tüchtige Lehrer, sondern auch tüchtige Jugendführer braucht. Und es leidet ferner darunter, daß für die religiöse Führung und Betreuung der schulentlassenen Jugend nichts Nennenswertes geschieht. Ist doch noch kaum der Versuch unternommen worden, die aus den Misrachi-Schulen hervorgegangenen jungen Menschen oder einzelne Teile und Gruppen derselben irgendwie organisatorisch zusammenzufassen und für religiös-kulturelle oder sonstige der misrachistischen Weltanschauung entsprechenden Aufgaben und Arbeiten zu interessieren. Wohl hat der Hapoel Hamisrachi viele religiös bewegte junge Menschen in seinen Reihen, die in ihrem Gemeinschaftsleben sich _mit voller Hingabe um die Verwirklichung des Prinzips miayi nun bemühen. Von dem gleichen Geiste sind die prächtigen jungen Menschen erfüllt, die in den misrachistischen Kibbuzim, insbesondere in Kibbuz Rodges und Kibbuz Jabne in Kefar Saba zusammengeschlossen sind. Es besteht ferner noch eine unpolitische gesetzestreue Jugendorganisation nn.-vn nioSS d't?» yin« der etwa 200 Chawerim, darunter auch Studenten der Hebräischen Universität, angehören. Uber die Zahl der agudistisch organisierten Jugend fehlen mir zuverlässige Unterlagen. Wer den Opfermut und die religiöse Begeisterung auch der agudistisch gesinnten jungen Menschen kennt, wird es tief bedauern, daß ein Teil, von berufsmässigen Hetzern verführt und mißbraucht, in der jüngst vergangenen Zeit sich zu Handlungen gegen das verehrungswürdige religiöse Oberhaupt des heiligen Landes verleiten ließ, die durch den ganzen Jischuw und insbesonders durch fast sämtliche Rabbinen und Thoragelehrten in ungewöhnlich scharfer Form verurteilt werden mußten. — Aber alle diese an sich kleinen Verbände umfassen nur einen geringen Bruchteil der in gesetzestreuen Häusern lebenden Jugend. Man mag freilich verschiedener Meinung darüber sein, ob es erwünscht ist, die noch im jugendlichen Alter Stehenden in politisch gefärbten religiösen Organisationen zusammenzuschließen. Man sollte aber nur einer Meinung darüber sein, daß da, wo die anderen Richtungen und Gesinnungsgruppen ihre gut ausgebauten Organisationen haben, auch die gesetzestreuen Kr'eise ähnliche Organisationen schaffen müssen, wenn sie ihre Jugend nicht verlieren wollen. Und. es müßten nicht unbedingt politisch gefärbte Organisationen sein. Es wäre auch freudig zu begrüssen, wenn alle g e - setzestreuen Kreise, die den Klall- Gedanken bejahen und die Zerreissung der jüdischen Gemeinden ablehnen, sich zusammenfänden zur Schaffung einer auf unpolitischer Grundlage aufgebauten großen Jugendorganisation, in der der Geist des geschichtlich überlieferten J udentums lebendig und wirksam ist. Nach dem Eindruck, den ich im Lande gewann, scheint mir die Zeit nicht ungünstig für den Aufbau und Ausbau traditionstreuer Einrichtungen. Aufgeschlossenheit für die ideellen Werte des geschichtlichen Judentums ist zweifellos in den weitesten Kreisen vorhanden. Selbst in vielen areligiös geführten Kewuzoth hörte ich verschiedentlich freilich recht fadenscheinige Entschuldigungsgründe für die Nichtbeachtung der Kaschruthvorschriften. Einer grundsätzlichen Ablehnung der jüdi-