Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 4-5 (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 32 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133276-3139359-3139362--0754-3140262- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 32 ZION Nr. 4-5 Judentums sich au das jüdische Volk richtet, daß ein aus dem nationalen Zusammenhang mit der-Gesamtheit des jüdischens Volkes losgerissenes Religionsjudentum eine Undenkbarkeit ist, eine lebensunfähige Halbheit, ebenso wie ein aus seiner Religionsverbundenheit losgelöstes Nationaljudentum moderner •Nationalitätenprägung vor dem Geist des Judentums keinen Bestand haben kann. Es setzte ein "Kampf ein, in dem zwei sich bisher selbst auf das Heftigste befehdende Richtungen, Liberalismus und Orthodoxie, sich gegen nationales Judentum, das zur Selbstbesinnung, zur Rückkehr zu eigenem Kulturstreben, zum Zusammenschluß um das nationale Heim Erez Israels «für diejenigen, die sich nicht assimilieren wollen oder können», aufrief. Selbst als es offenbar wurde, daß dieses Nationalheim keine Utopie, kein Wölkenkuckucksheim blieb, sondern eine reale Wirklichkeit für Zehntausende geworden, und daß seelische und sittliche Kräfte zu wirken begannen von Erez Israel hinaus in die Welt, die stärker waren als alles andere, das jüdische Menschen seit Jahrhunderten geschaffen haben, hörte der Kampf nicht auf, sondern nahm in beiden sonst doch so verschiedenen Lagern seinen Fortgang. Das ist die große Schuld der deutschen Judenheil, daß sie angesichts des erwachenden, des neu erstandenen, seine das Judentum neu belebenden Kräfte ausstrahlenden Erez Israel nicht glauben konnte oder nicht glauben wollte, daß zu allen Zeiten Am Israel, Thora't Israel, "1 k Erez Israel eine Einheit darstellt, die einzig Judentum in der AVeit erhalten und in Zeiten äußerster Gefahr aufrecht erhalten, kann. K 1 ei n se i n im Glauben aber ist Schuld in Israel. Für diese Schuld büssen heute die Juden in Deutschland. «En kol chadasch tachat Hascheinesch.» Schon einmal in der jüdischen Geschichte glaubten Juden nicht an Erez Israel und ihre Strafe bestand darin, daß die Generation der Kleingläubigen nicht hinein durfte in das Land. Und selbst als sie sich einem eintretenden Unglück gegenüber zu einem besseren Glauben bekehrten und mit Gewalt versuchten, einzudringen in das Land, das sie kurz vorher als ein seine Bewohner aufzehrendes Land verunglimpft hatten, mußten sie bald die Unmöglichkeit einsehen, hineinzugelangen. Nur wer den rechten Glauben zu den Möglichkeiten unseres Landes hat, nur wer im Vollbewußtsein der großen Schwierigkeiten seines Aufbaues glaubt, daß Land und Volk so unzertrennbar voneinander sind, daß das Schicksal des Einen dasjenige des Anderen sein muß, der wird gewürdigt — früher und auch jetzt — hineinzugelangen und sich ein besseres Los zu zimmern. Das ist der tiefere Sinn der «chaluzischen Alijah», — die Jungen, die Begeisterten, die Opferbereiten können hinein und auch Jehoschua bin Nun, Kalew ben Jefune, die zwar einer älteren Generation aufhörten, aber die niemals gezweifelt hatten die wußten, daß physische. Schwierigkeitea dazu da find, um mit den Waffen des Geistes überwunden /u werden, sie konnten hinein und die Nachkommen im Geiste von Jehoschua und Kalew, auch sie können hineingelangen. Dabei ist kein Unterschied, aus welchem Grunde man nicht an. Erez Israel glaubte. Wer das Galuthleben für einen gottgewollten Dauerzustand der Judenheit hält, ist nicht befähigt, am Aufbau unseres Landes mitzuarbeiten, er würde nur das Galuth, das seinem Geiste entspricht, mithineinschleppen in unser Land. Der Geist des Menschen, der Erez Israel mit aufbaut, muß erfüllt sein von der Aufgabe, das Galuth zu überwinden und das Land hinauszuheben über eine Zufluchtsstätte für Juden; die anderwärts nicht leben konnten. Er muß wissen, daß ein Volk als Ganzes nirgends leben kann, als in seinem eigenen Lande, mit dem es schicksalhaft verbunden ist, nicht weil es anderwärts nicht leben kann, sondern weil es nur hier leben will. Erez Israel ist heute der einzige Lichtblick in der Nacht des jüdischen Geschehens. Es ist das Land, das auf Jahre hinaus am meisten Jiulcn aufnehmen wird, nicht weil es das besser kau n, als andere Länder, sondern weil es sie aufnehmen will. Aber es will nur solche aufnehmen, die eine innere Verknüpfung zu ihm hallen und die nicht nur sich selber dienen wollen, wenn sie übersiedeln, sondern auch der jüdischen Gesamtheit, nicht nur der eigenen Gegenwart, sondern der jüdischen Zukunft etwas geben wollen. Solche Menschen in größtem Ausmaß heranzubilden, ist die Aufgabe der Menschen, die hier bleiben. In der Übernahme dieser Aufgabe wird die Sühne liegen für die Schuld, die auf den deutschen Juden liegt. Aber die Aufgabe ist schwer. Sie kann nur gelöst werden, indem alle, deren Augen heute auf Erez Israel gerichtet sind, mittun, ideell mithelfen, durch aktiven' Eintritt in die Reihen der Zionisten, materiell mitarbeiten durch Bereitstellung größter Mittel für Hachscharah. Hemmungen, die bei einem Teil der orthodoxen Juden heute noch bestehen, sich rückhaltlos dem Misrachi anzuschliessen, müs-