Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 4-5 (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 31 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3-5 ZION Seite ai dem gezwungen, sich eine neue Heimat zu suchen, aber vielleicht noch niemals in der lan gen Zeit jüdischer Wanderung türmten sich solche Schwierigkeiten vor uns auf wie heute. Auf dem ganzen Erdenrund scheint nicht ein Land gewillt, vor den heimatlos gewordenen die Tore zu öffnen. Als das mittelalterliche Deutschland Juden zur Wanderung zwang, fanden Zehntausende Aufnahme im benachbarten Polen. Noch heute zeugt die Sprache des Ostjuden davon, wie groß die Wanderung damals gewesen sein muß, Millionen Juden des Ostens sprechen noch heute ein im Wesentlichen deutsches Idiom. Als Spanien in mittelalterlicher Unduldsamkeit seine Juden zwingen wollte, dem Glauben der Väter die Treue zu brechen, konnten Tausende von ihnen in England, in Holland, in Deutschland und Krankreich ein Unterkommen, eine neue Heimat finden; spanische Juden sind noch heute, nach mehr als 400 Jahren, als besondere Gemeinschaften in diesen Ländern zu erkennen. Als das Rußland der letzten Zaren den Juden den Lebensraum so stark beengte, daß sie wandern mußten, fanden Hunderttausende gastliche Aufnahme in England und Amerika. In jeder Zeit, in der dje Judennot Juden zwang, den Wanderstab zu ergreifen, öffnete sich ihnen eine wie durch besondere Fügung bereitgehaltene Stätte, die die Vertriebenen aufnahm und ihnen ermöglichte, ihr Leben als Juden fortzusetzen . lo alman Israel. Eine solche Stätte der Zuflucht in einem nicht jüdischen Land für Juden, die aus Deutschland auswandern müssen, gibt es heute nicht. Ssagar alehem hamidbar . selbst in die Wüste ist der deutschen Judenheit der Weg verschlossen. Warum ist das so, warum mußte es so kommen! Was jetzt eingetreten ist, es ist nicht als Blitz aus heiterem Himmel über uns gekommen. Wer Ohren hatte, zu hören, und -.vor Augen hatte, zu sehen, mußte schon lange erkennen, daß die Lage der Judenheit in Deutschland sich von Jahr zu Jahr verschärfte, daß sie mehr und mehr unhaltbar wurde, daß Gleichheit der Juden mit den Nichtjuden vor dem Gesetz zwar bestand, aber immer mehr und mehr Nichtjuden die Berechtigung der Juden, diese Gleichheit auf allen Gebieten des Lebens zu benutzen, in Abrede stellten. Diese ablehnende Haltung uns gegenüber wurde nicht aus formalen äußeren Gründen eingenommen, sonder in der Überzeugung der Nichtjuden, daß deutsches Kulturgut, beeinflußt von jüdischem Geist kein unverfälschtes deutsches Gut darstellte, und da durch die Uberbewertung geistjU, ger Tätigkeit unter den Juden der liberalen^ Aera diese sich in unverhältnismässig großer., Zahl an der Entwicklung deutscher Kultur he^, teiligten und Lesitungen vollbrachten, die den. Stempel eines besonderen Geistes trugen, lehn-,- ten immer weitere Kreise in Deutschland diese, Mitarbeit ab. Die deutschen Juden in ihrer,, überwiegenden Mehrheit erkannten nicht, daß; in einer Zeit, in der Nationalismus und Nationalstolz die gewaltigste Triebfeder völkischen Geschehens darstellen, die Verwirklichung allgemeiner Menschheitsideale — und völlige Gleichberechtigung Aller an KulturSind Geistesleben des Volkes, dem Menschen verschiedener Herkunft und Abstammung angehören, ist ein solches Menscheitsideal — nicht durchführbar ist. Dies stellt eine Tatsache fest, es soll in keiner Weise eine Entschuldigung sein, für die Aus-, Schaltung der Juden aus dem deutschen Geistesleben und noch weniger soll es entschuldigen,, daß der Kampf auf geistigem Gebiet fortgesetzt wird in der Sphäre der Wirtschaft, auch ist hier nicht nur die Rede von den Ereignissen der letzten Monate oder der letzten zehn Jahre. Nur die Tatsache des Kampfes, in dem Juden falsch reagierten, soll hier festgehalten werden. Allein die zionistische Welt hat diese Tatsache erkannt und ihr Rechnung getragen, indem sie eine Lösung der Judenfrage verlangte — und diese Lösung nicht nur von der außerjüdischen Welt, sondern auch von der Judenheit selber forderte. Die deutsche Judenheit in ihrer Mehrheit aber, war nicht gewillt, ihren Teil an der Lösung der Judenfrage mit beizutragen. Sie glaubte durch letzte Hingabe an das Deutschtum, bis zur völligen Aufgabe und Verleugnung ihres Eigenlebens, ihre jüdische Eigenart auslöschen zu können, glaubte das zu dürfen oder gar zu müssen. Liberale wie Orthpdoxe hielten es für eine gottgewollte Tatsache, daß Juden, hineingestellt in deutsches Volkstum, auch deutsches Wesen und deutsche Eigenart anzunehmen hätten, und glaubten, daß sie das auch durchführen könnten, ohne den innersten Kern allen Kulturgutes die religiöse Besonderheit, ihre eigene Beziehung zum Übersinnlichen, zum Göttlichen schlechthin, zu verfälschen oder aufzugeben. Sie lehnten es ab, in eine neue Beziehung zum Judentum zu treten, es gäbe nur ein religiöses Judentum, das nationale sei längst überholt. Auch die Orthodoxie vertrat diesen Standpunkt, obwohl sie nicht leugnen kann, und letzten Endes auch nicht zu leugnen versucht, daß die Lehre de*