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Zion · 1933-05-01 · 4-5 (5.1933) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
4-5 (5.1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 30 (sequence 4)
Language
German
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Seite 30 ZI ON Nr. 4-5 In letzter Stunde. Erez Israel ist eine Wirklichkeit geworden: Für uns Juden in Deutschland die einzige jüdische Wirklichkeit. Für viele von uns war das schon so seit Jahren. Wir nahmen/' teil an der Entwicklung des Landes, sahen, wie es von Jahr zu Jahr mehr hineinwuchs in seine Aufgabe, nicht etwa eine Zufluchtsstätte, ein Erez Miklot, für anderswo entwurzelte Juden zu werden, sondern die Heimat derjenigen, die bewußt eine jüdische Heimat suchten, unabhängig davon, ob sie auch in einem anderen Lande heimatsberechtigt waren. Jugend, die kaufmännische oder akademische Berufe hätte ergreifen können, verschmähte es, in diese Berufe hineinzugehen, setzte sich auseinander mit dem Gedanken der Gleichstellung, der Gleichbewertung geistiger Betätigung und körperlicher, manueller Tätigkeit und kam zu der Erkenntnis, daß nicht die Tätigkeitsart den Menschen adelt, sondern daß der Mensch seine Arbeit in eine höhere Sphäre heben kann, daß nicht ein Opfer des Intellekts gebracht wird, wenn die geistige Arbeit durch körperliche ersetzt wird, sondern daß einzig und allein der hinter der Arbeit stehende moralische Wille von ausschlaggebender Bedeutung für die Bewertung des arbeitenden Menschen ist. Und dieser Wille unserer Jugend konzentrierte sich auf den Aufbau und Ausbau des jüdischen Landes. Oft stiessen unsere Jungens und Madeis dabei auf den erklärten Widerstand der älteren Generation. Jüdische Väter und Mütter glaubten bis in die letzten Jahre hinein, daß ihre Kinder zu etwas besserem geboren seien, als dazu, Arbeiter mit schwieligen Händen, Handwerker und Bauern zu sein. Sie sahen nur vor sich den Arbeiter europäischer Prägung, proletarisiert und gesellschaftlich herabge- . drückt in einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung, nur der Beruf erschien ihnen als würdig eines kulturell und geistig über (ins Heute hinausstrebenden Menschen, der ihm ermöglichte, einen höheren Grad von Wohlsland zu erreichen, als die Eltern ihn erlangt hatten. Die Jugend aber, die zionistisch erzogen wurde, und die sich selbst auf Grund der zionistischen Anschauungen der Älteren weiter entwickelte, hatte nicht mehr die Stellung des Einzelmenschen in seiner bisherigen Gesellschaftssphäre als Ziel vor Augen, sondern die Entwicklung des jüdischen Volksganzen. Nicht die eigene gesicherte- Zukunft wurde ihr zum Ideal, sondern die Sichsiung der Volksexistenz in eigenem Lande, wo eine neue Gesellschaft im Entstehen begriffen war, die den Menschen wertet nach seiner Leistung für die Gesamtheit. In diesem Geist sind zehntausende von jungen Juden nach Erez Israel gezogen und haben in harter Arbeit den Grund gelegt für eine neue Zukunft der Judenheit. Mehr als das: eine jüdische Wirklichkeit haben sie geschaffen mitten in dem brandenden Meer jüdischer Unsicherheit und Unwirklichkeit in der ganzen Welt. Aber ganz allein auf si^-h gestellt hätte auch der Opfermut und die Hingabe unserer Jungen das Werk nicht schaffen können. Hätte nicht die vorangehende Generation in der zionistischen Bewegung mit unermüdlichem Elan, mit letzter Hartnäckigkeit die Idee der Regeneration des jüdischen Volkes im alten jüdischen Lande der Jugend vorangetragen, das Ideal in faßlich greifbare Form gebracht, materielle Unterlagen in oft mühsehligen Kleinarbeit aufgerichtet, auch der opferbereitesten Jugend wäre das Werk nicht geglückt. Und mit der Jugend ging so mancher ältere Mann als Pionier mit in die Ungewißheit eines neuen und fremden Lebens, stellte sich und seine Familie in den Dienst seines Volkes, vertrauend auf die lebendige Kraft seines jüdischen Ideals. So ward aus Palästina: Erez Israel. Und heute stehen wir Juden in Deutschland vor einer Katastrophe, deren Ausmaß und Auswirkungen vielleicht noch gar nicht richtig eingeschätzt werden können, wie haben wir gekämpft und gerungen um Anerkennung unseres Werkes, wie haben wir gebeten um Unterstützung, manchmal nicht einmal um materielle, sondern um moralische Unterstützung unserer Idee. Bei der breiten Masse stiessen wir auf Gleichgültigkeit, bei den Führern auf Ablehnung und Feindseligkeit. Die Liberalen bekämpften uns: wir seien nicht deutsch genug, die Orthodoxen erklärten: wir seien nicht jüdisch genug. Die Kaufleute sprachen uns den Sinn für wirtschaftliche Realität ab, die Politiker das Verständnis großer politischer Zusammenhänge. Abneigung und Haß schlug uns entgegen von allen Seiten und an der Mauer der Gleichgültigkeit vieler Zehntausender erschöpfte sich unsere beste Kraft. Heute in der Stunde der bitteren Not erst erkennen die Tausende, daß es nur einen Ausweg gibt für jüdische Mensehen: Erez Israel! Wieder einmal, wie schon oft in der jüdischen Geschichte, ist eine Judenschaft zu wan-

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