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Zion · 1933-02-01 · 2-3 (2.1933) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
2-3 (2.1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 27 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 2-3 Z ION Seite 27 deten die geschichtsphilosophischen Partien des Hilchoth Melachim (Staatstheorie, Bne Noach, Ger Toschab, Ger Zedek, Messianismus). — Außer diesen Vorlesungen, die eine wahre geistige Freude und Vertiefung für alle Hörer bedeuteten, ganz gleich ob sie bisher den Mischne- Thorah nur aus der deutschen Uebersetzung kannetn oder im Urtext zuhause waren — gab Dr. Wolfsberg einen Oneg Schabbath mit einer Bialik-Festrede, die von dem Zeire-Misrachi sehr stimmungsvoll vorbereitet wurde, ferner ein Referat in der Frauengruppe über die augenblickliche misrachistische Situation und einen Vortrag über „das Judentum als soziologisches und rhilosophisches Problem", der in einem Privatzirkei bei einem Werbetee gehalten wurde. Außer ihrer Mitarbeit an den obigen gemeinsamen Veianstaltungen hatdie Misrachi-Frauengruppe eine Reihe von eigenen Kursen durchgeführt, wie sie das Winterprogramm vorgesehen hatte. Hannover Auf Einladung des Keren Thora wa' Awoda Komites Hannover, sprach Herr Dr. Schereschewski-Hamburg am Sonntag, den 26. Februar, in einer Werbeveranstaltung über das Thema: Schicksalsfragen der jüdischen Jugend. Die sehr eindringlichen Worte des Redners riefen in der gut besuchten Versammlung großes Interesse hervor,^ und wird die weitere Arbeit davon günstig beeinflußt werden. — In Anwesenheit des Redners wurde am Nachmittag eine Misrachi- Frauengruppe gegründet. Bücherbesprechung. Armand Lunel: Nicolo Peccavi oder: Weltgeschichte in Carpentras. Ein tragikomischer Roman, Weltverlag Berlin 1929. Besprochen von Dr. Armin Blau, Hamburg. Carpentras ist eine Kleinstadt der Provence mit 10.000 Einwohnern, in der Nähe von Avignon. Im Mittelalter berühmt als eine der V i e r g e - mein den, hatte der Ort eine führende Rolle im jüdischen Gemeindeleben von Südfrankreich. (Es gab Gebetbücher mit Minhag Carpentras). Heute wohnen eine Handvoll Juden da. Was kann also schon für Weltgeschichte, und gar jüdische Geschichte, in der Kleinstadt Carpentras passieren? Und wer weiß noch viel von den heutigen südfranzösischen Juden, ihrer Lebensweise, ihren Freuden und Plänkeleien unter sich, von ihrer großen mittelalterfliehen Vergangenheit und ihrem legendären Glänze? Und doch bringt Armand Lunel, Gymnasialprofessor und Folklorist im spielfreudigen Duodezstaat Monaco, in diesem Roman es fertig, ein wundervoll wirklichkeitsnahes Bild vom vergangenen und gegenwärtigen Leben der Juden von Carpentras aufzurollen. An der Hand der Biographie des Titelhelden Nicolo Peccavi, des abtrünnigen, vormals jüdischen Hofschneiders der bischöflichen Eminenz von C, wird eine Szenenfolge von jüdischen Genrebildern mit solch humorigen Reizen vorgeführt, daß wir dabei den halbtragischen Gegenstand und Helden vergessen und uns das im Grunde Lehrhafte und kulturgeschichtlich Betonte der Skizzenreihe keinen Augenblick als langweilig zu Bewußtsein kommen lassen. Das Buch liest sich fast wie ein Seitenstück zu „Tartarin de Tarascon" von Daudet, mit dem es Atmosphäre, Milieu, Landschaft und einzelne Charaktertypen gemeinsam hat. Nur daß hier der travestierte „Held" ein trauriger Judentäufling ist und die um ihn gruppierten Judentypen sich ernster und gehaltvoller abheben. Die Verlogenheit des Helden ist mehr tragische Ironie als donquichottehaftes Maulheldentum. Auch der Hintergrund ist bedeutsam: Die Dreyfus-Affäre in ihrer letzten Phase, nach der Verurteilung in Rennes und der bald danach folgenden Begnadigung. Das Ganze gibt sich also als humorvolle Spiegelung der gewaltigen Welt-Affäre im Krähwinkel von Carpentras, ihre Auswirkung auf Christen und Juden daselbst, insbesondere auf den Getauften, Nicolo Peccavi. Wie fernes Donnergrollen zuckt es am Horizont de3 ganzen Buchs. Die Pariser Unruhen während der Dreyfus-Zeit sind auch für die Juden der Provence eine Zeit des Schreckens und der Haßausbrüche, die großen Ereignisse wirken sich in kleinlichen Reibereien und Anzügeleien zwischen Jude und Christ aus, aber man fühlt dennoch, daß ein Funke den Frieden de3 Städtchens leicht in lodernden Haß wandeln könnte. Doch e3 bleibt bei der vorwiegend gutartigen Stimmung. Tragisch ist nur der Held Nicolo. Dieser fühlt sich in einer Art Ambivalenz der Gefühle nach seinem Uebertritt bald zu seinen verfolgten Glaubensbrüdern (die er heimlich aufsucht) hingezogen, bald ist er ihr wütendster Hasser und tut sich in den nationalistischen Kreisen der Bürgerschaft durch seine Haßausbrüche hervor. Bei der Schilderung dieses Renegaten, seinem Schwanken zwischen geschäftlicher Gerissenheit (Bischof und Geistliche sind seine besten Kunden) und seiner Hinneigung zu seinen jüdischen Brüdern, bei der Beschreibung der dummschlauen Schildbürgerstreiche Nikolos in seinem Doppelleben, der explosiven Komik der Situationen entfaltet der Autor echt gallischen Witz und drastische Bildkraft, die weit aus dem Genrehaften hinausweist. Der Humor ist nicht bloßes Schmuckmittel, zutiefst birgt sich menschliches Leid und Leiden und Tragik eines zwiespältigen Volkes und einzelner seiner Vertreter. Meisterhaft ist die Seelenanalyse und schlangenhafte Entwicklungsllinie des Renegaten Nicolo, die Verschlungenheit seiner Stimmungen, Qualen, Selbstpersiflagen und theatralischen Selbsttäuschungen (echt gascognisch) seine Selbstanklagen, unter deren Wucht er schließlich zusammenbricht und sein lächerliches Ende findet, dies alles beglaubigt durch Briefe, Dokumente, Selbstbekenntnisse, Beobachtungen des Verfassers (der in Ich-Form Erinnerungen aufzählt) — dies alles ist so anschaulich

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