Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 2-3 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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Seite 28 ZION Nr. 2-3 wiedergegeben, daß man nicht eine Folge von chronikhaften Szenen, sondern das feste Gefüge eines Romans, das künstlerische Abbild eines tragischen Menschengeschicks in Händen hat. (Zangswills Novelle: ,,Der Meschummed ' bringt nur Aufzeichnungen in Tagebuchform.) Man kann sich eines Gefühls des Mitleides mit diesem armen Teufel nicht erwehren. Hier wird der Humor zum großen Lebensgefühl, der Leser fühlt sich gepackt von den Verzerrungen des Lebens und bekennt mit Wehmut seine Ohnmacht vor den Verkehrtheiten und Versuchungen des Menschenschicksals, am meisten aber; erkennt der jüdische Leser seine Ohnmacht vor nichtjüdischer Schicksalstücke. Doch auch die Situationskomik erreicht Höhenpunkte. Unvergeßlich bleibt die Omnibusszene, wo die ältesten jüdischen Tanten von C. zum rehabilitierten Hauptmann Dreyfus pilgern (er hat sich nach seiner Begnadigung in der Nähe niedergelassen) — sie wollen ihm ihre Huldigung darbringen — und sich ihnen plötzlich als einziger männlicher Insasse Nicolo Pecca\i im Mönchsgewand hinzugesellt, denn auch er will Dreyfus seine Ergebenheit ausdrücken. Unermeßlich komisch der Briefwechsel (oder vielmehr die Briefverwechselung) Nicolos, einmal mit dem Erzbischof und einmal mit dem jüdischen Tuchhändler (dem Großvater des Verfassers); der eine enthält Nicolos Beteuerung seiner Ergebenheit für den christlichen Glauben und die Bitte um erneute Lieferungsaufträge vom Bischof, der andere die inständige Bitte an den Juden um ein Giro für säumige Zahlung —. Das Buch ist eine Fundgrube für volkskundliche Beobachtungen und Erforschung jüdischen Lebens im Südfrankreich der letzten Jahrhunderte. Unschätzbar für den jüdischen Folkloristen sind die im Buche verstreuten authentischen Bemerkungen über die Stände, Klassen der jüdischen Gemeinde der Provence im späten Mittelalter, über ihre Feste, ihr ghettohaftes Zusammenleben (Wahl der Purimkönigin usw.). Hier schöpft der Schriftsteller aus originalen Quellen und bisher vmzu gänglichen Handschriften. Rosumme: "Es ist künstlerisch, soziologisch und ethnologisch bemerkenswert und besitzt nicht nur zeitbildliche und kulturgeschichtliche Höl'e, sondern erweist auch eines Dichters dramatischen Gestaltungswillen und seherische Kraft. Armand Lunel darf in bescheidenem Abstand neben den großen Satirikern seines Landes, neben Rabelais, Moliere, Daudeu. a. genannt werdia. Die Schule für religiöse Mädchenerziehung in Jerusalem wird Pessach eröffnet. Die Kosten für Lehrgeld, Verpflegung, Wohnung, Licht und Wäsche belaufen sich auf Pfd. 5.— monatlich. Meldungen von Interessenten nimmt die Misrachi~Frauen~ Zentrale: Adresse Hamburg, Hansastrasse 65, entgegen, die weitere Auskünfte erteilt. HHHHnHHBnHHBBnHHBnH Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N54, Rosenthalerstr. 55 — Verlag des „ZION": Berlin N 54, Rosenthalerstr. 55.— Druck: hörst, W30