Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 2-3 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 24 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 ZION Nr. 2-5 „Iwdi, diene!" war das Motto seiner Gründerinnen. Nun ist es so weit, daß es seiner Bestimmung1, übergeben werden und unserer Sache dienen kann. Zur religiösen Wesensfrage des neuhebräischen Schrifttums. Von Dr. Abraham Schlesinger, Buchau a. F. (Schluss). Wir gelangen so zu einer zweiten genaueren Bestimmung dessen, was unter den Begriff religiöser hebräischer Literatur fällt. Er umschließt auch jeden beliebigen in hebräischer Sprache behandelten Stoff, der mittelbar, transparent, die letzte Beziehung auf Gott, die determinierende Tendenz der Thora, erkennen läßt. Noch einen dritten Fall gibt *es, wo von einem religiösen hebräischen Literat urerzeugnfe die Rede sein darf oder muß. Als Beispiel sei die Klage Davids um Saul und Jonathan gewählt. Hier findet sich scheinbar keine Spur von irgendeiner Gottbezogenheit, Heiligkeit. Auch allegorisch ist das Gedicht schwerlich je gedeutet worden. Dennoch gilt es zweifellos, als Bestandteil der Bibel, für ein religiöses Lied. Aus welchem Grunde hat man es der Heiligen Schrift eingegliedert? Vielleicht einfach deshalb, weil es von David stammt, dem idealischen König und heiligen Psalmensänger Israels. Wahrscheinlicher jedoch, deshalb, weil aus dem Gedicht eine hohe ethische Gesinnung gelesen wurde. Statt sich über den Tod seines Feindes Saul zu freuen, betrauert ihn David als den ursprünglich gotterwählten König und Vorkämpfer Israels. Und die tiefe Liebe zu Jonathan, die Treue bis über den Tod, die vorbildliche Freundschaft, bildet das zweite, durch und durch ethisch-religiöse, heilige Moment, das in dem Lied gefunden werden kann. Kann, nicht muß. Es kommt schließlich auf die Auffassun.g an.- Weniger als im Hohelied drängt sich hier das Ethisch-Religiöse auf, schimmert das Heilige, Gottgebotene durch. Will man, so ist das Gedicht rein nationaler und persönlicher Art, der trotz allem wohl verständliche Schmerzausbruch eines stark empfindenden Patrioten, zugleich die Totenklage um den liebsten Freund. Vielleicht wird die Sache noch deutlicher, wenn wir das Buch Esther ansehen. Eine mit feinem Humor geschriebene Geschichte höchst seltsamer Verkettungen, die schließlich die Vereitlung eines Anschlags auf die Juden des Perserreiches bewirken. Alles geht aber ganz natürlich zu, Gott bleibt im ganzen Buche, wie man schon früh bemerkte, sogar dem Namen nach ohne jede Erwähnung. Was macht den religiösen Charakter der Schrift? Ihre religiöse Deutung: die, keineswegs einzig mögliche, Auffassung, daß hier das verborgene Walten Gottes in der Geschichte des jüdischen Volkes veranschaulicht werden soll. Will man, so kann man die Estherrolle auch ganz anders lesen. So ergibt sich eine dritte Bestimmung des zum religiösen Schrifttum des jüd.schen Volkes Gehörigen. Alles hebräisch Geschriebene muß dazu gerechnet w'erden nicht nur dann, wenn es seinen religiösen Charakter an sich, objektiv, besitzt, d. h. ihn vom Inhalt oder der uns bekannten besonderen Gestaltung des Stoffes her empfängt, sondern auch dann, wenn es vom Leser her, subjektiv, als auf Gott bezogen, thoragemäß, erlebt, aufgefaßt, gedeutet wird. Wir sind mit dieser dritten Bestimmung bei einem für die neue hebräische Literatur vorzugsweise wichtigen Punkt angelangt, der noch eigens eine kurze Behandlung erfahren soll. II. Man weiß aus talmudischer Quelle, was sich freilich schon aus der Bibel selbst erschließen ließe, daß im alten Israel viel mehr geschrieben wurde, als das in den „24 Büchern der heiligen Schrift" der Nachwelt aufbewahrt i.-t. Der erste Hauptteil unserer religiösen Nationalliteratur, die Bibel, ist eine Auslese, eine Auswahlsammlung. Genau so steht es mit dem zweiten Hauptteil, der Mischna. Was zu unserer religiösen Nationalliteratur gehört, gehören sollte, bestimmte sich also endgültig immer erst nach Jahrhunderten vielseitiger und verschiedenartiger literarischer Tätigkeit durch die Auffassung, Beurteilung, besonderer Behörden oder überragender Persönlichkeiten. Aus dieser wiederholten Tatsache abschließenden Sammeins hat Bialik wichtige Folgerungen für eine neue „Chatimah" unter allgemein nstionalüterarischem Gesichtspunkt gezogen (Essays, Das hebr. Buch). Auch für unser Problem eines religiösen hebräischen Schrifttums ergeben sich nicht unwesentliche Folgerungen oder Lehren. Zunächst ergibt sich, daß das hebräische literarische Schaffen selbst in voller Freiheit geschehen muß, volle Entfaltungsfreiheit braucht. So war es wirklich in alter Zeit, so in Spanien. Wird die Zugehörigkeit zum religiösen Schrift'.um letztgilt ig durch entsprechende Auslese bestimmt, dann hat diese das vorgängige Vorhandensein von vielerlei und verschiedenerlei