Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 2-3 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 Z I 0 N Nr 2-5 windet die Peinlichkeit, aber die Mitschüler bringen ihren Spott darüber deutlich zum Ausdruck. Das stolze Kind empfindet, daß es sich lächerlich gemacht hat und unterläßt, innerlich gekränkt, das Grüßen. War der Handkuß eine gedankenlos geübte Handlung, so wird das Nicht¬ Küssen zur bewußten Opposition von unheilvollem Einfluß auf die Seele des Kindes, umsomehr, als auch die Erzieher diese „unwichtigen" Aeußerlichkeiten wenig beachten und so die Ursache der Verzerrungen der jugendlichen Seele nicht erkennen. Diese unbedachten Aeußerlichkeiten steigern auch besonders die Spannung zwischen den Generationen, vertiefen und erweitern die Kluft zwischen Vätern und Söhnen. Die Zügellosigkeit gerade sefardischer Jungens ist eine beachtenswerte Reaktionserscheinung. Das starke Festhalten an Althergebrachtem ist durchaus keine Eigenart der sefardischen Juden, es ist ein typischer Zug des jüdischen Menschen schlechthin. Hält nicht auch der aschkenasische Jude — wir sehen es besonders kraß an Juden des sogenannten „alten" Jischuw — an seiner unmöglichen russischen Tracht, der Pelzkappe („Strejmel"), dem langwallenden Seidenmantel („Schobbets") fest, die in der kalten russischen Ebene wohl berechtigt ist, im subtropischen Palästina jedoch völlig sinnwidrig wirkt? Ist nicht auch der aschkenasische Dialekt, ein konservatives Jüdisch-Deutsch, das unsere Vorfahren aus Deutschland mitnahmen, als man sie im Mittelalter aus den Gefilden Deutschlands wegfegte? Das sind nur zwei Beispiele von sehr vielen. Das Komische aber ist, daß unsere Schule und unsere Jugendbewegung, so sehr sie bemüht sind, ausgleichend und vereinigend zu wirken, doch auch individuell erziehen müssen, d. h. also, daß sie mit den Menschen und Kindern je nach Provenienz und Lebensweise reden muß. Es leuchtet ein, daß das im Gesamtleben der Jugend zum Ausdruck kommt. Irgun Rodges Bericht von M. Unna / Seit unserem letzten Bericht vom Frühjahr 1932 hat der Irgun einen entscheidenden Schritt vorwärts getan. Die damals noch im Stadium der Verhandlungen befindliche Erweiterung des Irgun ist inzwischen durchgeführt und die Arbeiten auf dem Boden sind begonnen worden. Es ist sicherlich nicht ganz leicht, einem Fernstehenden klarzumachen, welche außerordentlichen Schwierigkeiten es zu überwinden galt, um unter den gegebenen Umständen aus der großen Zahl von Anwärtern auf die Mitgliedschaft im Irgun eine Auswahl zu treffen, die die Wünsche der beiden Seiten zum Ausgleich brachte und ein Minimum an Aerger und Enttäuschung bei den Nichtaufgenommenen zurückließ. Und auch nachher, als die endgültige Zusammensetzung feststand und der neue Irgun lehitjaschwuth al Adnath Salvendi seine Arbeit begann, war es nicht leicht, aus dieser Atmosphäre des Gegeneinander in eine Bahn des vertrauensvollen Zusammenarbeitens zu gelangen. Wir dürfen aber sagen, daß wir heute dieses erste Stadium überwunden haben: Der Irgun beginnt sich innerlich zu konsolidieren. Der Igrun besteht heute aus 21 Chawerim. 10 Chawerim sind neu in den Irgun aufgenommen worden, alles ältere, erprobte Chawerim, z. T. Chawerim, die schon an leitender Stelle im Hapoel Hamisrachi gestanden haben und besonders für den Irgun als Zelle zur Verwirklichung unserer Ideen einen wertvollen Zuwachs bedeuten. Der Irgun hat dadurch, daß knapp die Hälfte der Chawerim neu hinzugekommen ist, ein anderes Bild bekommen und ist in gewissem Sinne auch innerlich etwas Anderes geworden, als er bisher war oder zumindest zu sein schien. Die Verbindung mit der. deutschen Hachscharah, mit Rodges, die bisher materiell bestand bis zu der Vorstellung, daß sozusagen jeder Rodgeser Kandidat des Irgun sei, ist zurückgedrängt worden zu Gunsten einer Verbindung im — wenn man so sagen kann — Richtungshaften, indem dem Irgun dieselben Ideen zugrunde gelegt wurden, die w,ir in unserer bisherigen Arbeit als wichtig erkannt hatten: gesunde, materielle Basis, organisches Wachstum und Verbreitung, aber nicht Verquickung der wirtschaftlichen Dinge mit den politischen. So wurde auch von Seiten des Irgun der Prozeß zu Ende geführt, der den Irgun und den Kibbuz Rodges aus ihrem bisherigen Ineinanderverstricktsein .zu zwei selbständigen Körpern machte, die auf getrennten Wegen aber doch gemeinsam dem gemeinsamen Ziele zustreben. Das oben gekennzeichnete erste Stadium des neuen Irgun brachte noch eine andere Schwierigkeit mit sich. Wollten wir nicht ein ganzes Jahr in unserer Ansiedlung verlieren, mußten wir in diesem Herbst mit den Vorbereitungsarbeiten für die Pflanzungbeginnen. Und andererseits schien es uns unerläßlich, daß der Irgun innerlich eine Einheit geworden sein müsse, ehe er zur Ansiedlung kommen könne. Wir mußten des-