Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 2-3 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 20 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 20 ZION Nr. 2-5 Neugestaltung der Schulen die Tachkemoni sich behaupten und weiter entwickeln und der deutschen Judenheit, die den Grundstock zu diesem Werke gelegt hat, als Zeugnis für ihre Mitbeteiligung bei dem Aufbau des Landes dienen wird. Vor etwa 7 Jahren wurde im Anschluß und als Fortsetzung der Volksschule Tachkemoni die Realschule Tachkemoni durch den Misrachi eröffnet. Von jeher war es Wunsch und Bedürfnis, der Volksschule eine Mittelschule anzugliedern, um den Schülern eine umfassende und abschließende Ausbildung zu geben. Verschiedene Umstände hatten zunächst die Ausführung dieses Planes verhindert. Erst nachdem die Volksschule Tachkemoni ausgebaut wurde, gelang es dem Leiter Dr. Marschak mit Hilfe des Misrachi, an die Eröffnung der Realschule heranzutreten. Die Realschule besteht aus 4 Klassen, entsprechend den oberen 4 Klassen eines Realgymnasiums. Aufgenommen werden Schüler, die die achtklassige Volksschule Tachkemoni absolviert haben. Hauptunterrichtsfächer sind u. a.: Talmvd, Mathematik, Physik, Chemie und Fremdsprachen (englisch, arabisch, italienisch, deutsch, letztere fakultativ). Vier Jahrgänge haben die Realschule bereits absolviert. Der erste Jahrgang hat seine Reifeprüfung mit Erfolg vor einer Regierungskommission in Jerusalem abgelegt. Unsere Absolventen — zwei von ihnen haben bereits ihr Ingenieurdiplom in Frankreich erworben — studieren auf den Hochschulen in England, Frankreich und Amerika. Ueberall machen unsere Schüler durch ihre Kenntnisse und menschliche Reife einen guten Eindruck. Die meisten unserer Schüler blieben hier im Lande und studieren z. T. in Haifa am Technikum und auf .der Universität in Jerusalem. Einige unserer Absolventen haben als Zeichen der Anerkennung ihrer Leistungen Auszeichnungen in Form von Stipendien bekommen. Die Jerusalemer Universität hat uns die Erlaubnis gegeben, einen Passus in den Reifezeugnissen der Realschule aufzunehmen, daß dieses Reifezeugnis das Recht der Aufnahme in die Universität ohne vorherige Prüfung gibt. Dieses Recht haben nur noch einige Mittelschulen hier im Lande bekommen. Trotz ihres kurzen Bestehens hat sich die Realschule Freunde und Anerkennung erworben sowohl von Seiten der Regierung als auch in Kreisen, die der Schule geistig näherstehen, wie z. B. Hermann Struck, Professor Fraenkel u. v. a. Das Budget der Realschule bestand aus Schulgeldern und Beiträgen des Misrachi. In den letzten zwei Jahren blieben die. Beiträge des Misrachi zum größten Teile aus, dadurch entstanden der Schule furchtbare Schwierigkeiten. Die Schule mußte große Erschütterungen durchmachen, wie z. B. Lehrerstreiks etc. Wenn trotz aller Kalamitäten der letzten zwei Jahre sich die Schule behauptet hat, so ist dies zum Teil den Unterstützungen des Misrachi aus Deutschland und der Schweiz zu verdanken. Zu Beginn des neuen Schuljahres erklärte der Misrachi, daß er seine Subvention ganz einstellt und die Schule ihrem Schicksal überläßt. Das wirkte auf Eltern und Lehrer entmutigend. Sie verzweifelten an der Existenz der Schule und zogen sich zurück. Mit großer Mühe gelang es, .dem Leiter, ein Lehrerkolle-gium aus guten Kräften neu zusammenzustellen, und mit Verspätung von einem Monat eröffnete er mit ca. 50 Schülern die Realschule. Hoffentlich wird die Schule Freunde finden, die behillich sein werden, ein so wichtiges Werk vor dem Untergang zu bewahren. M. Einige Probleme der palästinensischen Jugend. Von Abraham Bergmann, Tel-Aviv. Die Jugend ist ein Teil des Volksganzen, teilt mit ihm Leiden und Sorgen und die Probleme des Volkes werden sehr wohl auch an der Jugend sichtbar. Die Unterschiede sind graduell und strukturell. Jeder Beobachter des Palästina-Werks weiß, daß es sich hier nicht um etwas Abgeschlossenes, Vollkommenes handelt, sondern um ein Stück Geschichte mit einem Versuch, jüdische Zukunft nach bestimmten Plänen zu gestalten. Dieses wunderbare Werden erlebt die- Jugend mit, setzt sich mit ihm dauernd auseinander, begreift es aber nie ganz. Oder ist es nicht ein unerhörtes Wunder, dieses ne~e Leben in Erez-lsrael, dieses Gemisch aus krassestem Wirklichkeitssinn und höchstem Idealismus? Alle geistigen und sittlichen Qualitäten werden eingesetzt, ein Durcheinander von menschlichem Ringen und gigantischem Schaffen, ein Chaos, aus dem neue Schöpfung entstehen soll: Erez-lsrael ist noch nicht, Ercz- Israel soll werden! Auch die Jugend in Erez-lsrael ist noch chaotisch, es brodelt und gärt in ihr. Anhand einiger Tatsachen aus unseren Erfahrungen, werden wir diese kämpfende, ringende Jugend ein wenig beobachten, sie in ihren Lebensfragen, in ihrer Problematik untersuchen, es lohnt sich. Von allen Ländern sind Juden in der letzten Zeit nach Erez-lsrael gekommen. Sie haben die Anschauungen und Lebensgebräuche ihrer frühereu Länder mitgebracht. Tracht und Sprache,