Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 2-3 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2-3 ZION Seite Damals gab es nur Erziehungsanstalten assimilatorischer Richtung wie die der Allianz, oder Talmud-Thora-Schulen, wo der Unterricht, auf Talmud und Bibel beschränkt, in jidischer Sprache erteilt wurde; die profanen Fächer fielen ganz aus. Der neue Jischuw konnte und wollte seine Kinder nicht in Anstalten dieser Art schicken und bemühte sich, Schulen in seinem Geiste zu schaffen. Aus Reaktion gegen das Bestehende und um die neue Richtung besonders zu betonen, gründete er Schulea auf rein nationaler Basis, ohne jede religiöse Färbung. In diesen neuen Schulen wurde zwar nicht gegen die Religion gekämpft, die Tradition nicht absichtlich verletzt. Aber man verbannte die Religion aus der Schule. Diese neue Strömung konnte natürlich bei einem großen Teil der hiesigen Bevölkerung keinen Anklang finden. Instinktiv fühlte er, welchen Schaden diese Erziehung bringen wird. Einige religiös eingestellte einflußreiche Eltern in Jaffa "eröffneten den Kampf durch positive Arbeit und gründeten eine Schule in ihrem Sinne: „Tachkemoni". Dieses Unternehmen war von großer Bedeutung fürdie spätere Entwicklung der modernen religiösen Schulen in Erez Israel, denn die Tachkemoni-Schule diente dann allen Lehranstalten dieser Geistesrichtung als Muster und fand Verständnis und tatkräftige Sympathie in den Kreisen der Frankfurter Gemeinde. Viele unserer Freunde werden sich noch des Frankfurter Comites erinnern, das die Unterstützung der neugegründeten Anstalt übernahm, ebenso der Comites in Hamburg und Berlin, die eifrig für die Tachkemoni-Schule tätig waren. Auf Veranlassung dieser Corn'tes übernahmen die bekannten Schulmänner, Dr. Schlesinger (jetzt Leiter der Adaß-Jisroel-Schule, Berlin) und Dr. Engel (z. Zt. Inspektor der Misrachi-Schulen in Erez Israel) die Leitung der Schule. Sie gaben der neugegründeten Anstalt ihr Gepräge: min p« yn - ny . In Deutschland fanden sich auch die Gönner, die für die Zukunft der Schule sorgten und ein geeignetes Gelände für ein zu errichtendes Gebäude zur Verfügung stellten. Ueberhaupt wurde die Tachkemoni-Schule geistig und materiell von der deutschen Judenheit aufs eifrigste gefördert. Zuletzt übernahm dann der Misrachi, dessen Sitz damals in Deutschland war, die Sorge für die Anstalt. Das Prinzip einer religiös-nationalen Erziehung fand seinen Ausdruck, indem man ganz besonderes Augenmerk dem Unterricht religiöser Fächer, wie Talmud, Bibel etc. zuwandte, dabei wurde das Programm der hiesigen allgemeinen Schulen in Bezug auf das Erwerben profaner Kenntnisse voll durchgeführt. Die Tachkemoni-Schule fand unter der hiesigen Bevölkerung viel Anklang und entwickelte sich harmonisch. Durch den Krieg, vor allem durch die Evakuation von Jaffa-Tel- Aviv wurde die Schule fast aufgelöst. Im Oktober 1919 übernahm der jetzige Leiter, Dr. J. Marschak, mit einer geringen Schülerzahl den Wiederaufbau der Tachkemoni-Schule. Nun begann für die Tachkemoni eine neue Periode. Besonders durch den Zusammenschluß aller zionistischen Schulen verschiedener Richtungen unter den "pann iyi der zionistischen Organisation konnte sich die Schule günstig entwickeln. Trotz der Angriffe in den letzten Jahren auf den Waad ha' Chinuch muß doch festgestellt werden, daß der Zusammenschluß aller Sfhulen auch das Schulwerk des Misrachi gerettet und gefördert hat. Die Schulen erhielten vom Waad ha-Chinuch ihr festgesetztes Budget, was auch der Tachkemoni zu Gute kam. So konnte man alljährlich neue Klassen eröffnen. Die Schülerzahl stieg ständig. Vor sechs Jahren konnte ein Teil der Schule in ihr eigenes Gebäude, das der Misrachi aufgebaut hatte, einziehen. Heute zählt die Volksschule Tachkemoni — die größte Schule im Lande — 985 S c h ü- 1 e r verteilt auf 24 Klassen mit ca. 30 L e h rk r ä f t e n, und das trotz der katastrophalen finanziellen Lage des Waad ha-Chinuch in der letzten Zeit. Das Lehrer-Kollegium, aus anerkannt bewährten Kräften zusammengesetzt, steht auf der Höhe und arbeitet mit Hingebung, obwohl der Lehrerstand in den letzten Jahren durch finanzielle Schwierigkeiten furchtbar leidet. Zur Beratung steht der Leitung ein Elternrat zur Seite, der alljährlich in öffentlicher Versammlung aus den Eltern gewählt wird. Da die Tachkemoni-Schule von jeher mit dem Misrachi in enger Fühlung war, so wurde die Schule furchtbar in Mitleidenschaft gezogen durch die innere Krise und finanzielle Kalamität, die der Misrachi in den letzten Jahren durchmacht. Das Gebäude der Schule, von Schulden belastet, ging in andere Hände über. Sogar der Rest des Baugeländes, der der Schule nach Verkauf des Hauses blieb, wurde durch den M,srachi an Private verkauft, und so steht hellte die Schule ohne Gebäude und, was bei den heutigen Verhältnissen in Tel-Aviv noch schlimmer ist, ohne Grundstück da. Trotz all dieser Erschütterungen steht noch heute die Tachkemoni mit an erster Stelle sowohl hinsichtlich der Schülerzahl als auch der pädagogischen Leistung. In den letzten Monaten wird der Versuch gemacht, das ganze zionistische Schulwerk dem Waad Leuni zu überlassen und auf neuer Basis zu reorganisieren. Wir hoffen, daß auch bei der