Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 2-3 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 16 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133276-3139359-3139361--0733-3140240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite. 16 ZION Nr. 2serer Schulen pochen, werden abgewiesen. Auch der M'srachi blieb leider nicht auf der Höhe. Sein Schulbudget wurde von Jahr zu Jahr kürzer, bis es auf den Nullpunkt sank. Um . seine Mittelschulen vor ihrem völligen Zusammenbruch zu retten, gestattete die Misrachizentrale ihren vier Mittelschulen eigene- Kuratorien zu bilden, die für die Aufbringung der für ihre Erhaltung notwendigen Geldmittel sorgen sollten. Diese Kuratorien sind vollständig unabhängig von der Misrachizentrale und sind auch tmtisr sich getrennt. Bis jetzt hat kein einziges von ihnen irgendwelche nennenswerte Erfolge aufzuweisen. In den letzten Wochen wird seitens der Behörden an einer Aenderung der Erziehungsstatuten, gearbeitet. Die Misrachizentrale sowie der Waad Hamefakeah wehivn sich mit allen Ihnen zu Gebote stehenden Kräften . dagegen. Sic erblicken eine Gefahr in. einer solchen Aenderung. Wir wollen, es wünschen und hoffen, daß diese ihre Befürchtungen sich als grundlos erweisen werden und daß die dem Geiste unserer Tradition innewohnende Macht unserem Schulwerke auch künftighin Kraft verleihen möge und unser Erziehungssystem sich einen würdigen Platz erringt. Misrachi Lehrerseminar, Jerusalem von Dir.. E. M. Lipschitz Das Misrachi-Lehrerseminar wurde 1920 gegründet. Es entsprang dem Bedürfnis, für die religiösen Volksschulen qualifizierte Lehrer auszubilden. Es gab bis dahin im Lande keine religiösen Lehrer, die befähigt gewesen wären, in den jüdischen und profanen Fächern hebräisch zu unterrichten. Der Unterricht in den jüdischen Fächern sollte nach neuen Methoden gestaltet werden, in den allgemeinen Fächern war ei'ic Anpassung an die hebräische Unterrichtssprache erforderlich. Auch mußte eine Synthese zwischen jüdischen und profanen Fächern, zwischen dem eigentlichen Zweck, den Kindern das uralte jüdische Wissen zu vermitteln und modernen pädagogischen Methoden gefunden werden. Zur Ausbildung dieses neuen Lehrer-Typus wurde das Lehrer-Seminar ins Leben gerufen. DasMisrachi-Lehrerseminar gleicht . typölogisch teilweise den deutschen Lehrerseminarien, wie sie noch bis vor Kurzem bestanden. Seine Zöglinge haben eine achtklassige Schulbildung und werden im Seminar in sämtlichen Fächern der Mittelschule sowie der Pädagogik unterrichtet. Das Programm besteht aus zwei Hauptteilen: 1. Den pädagogischen Fächern; 2. Talmud und den anderen jüdischen Fächern. Dazu kommen die allgemeinen Gegenstände-, die den Lehrern die erforderliche allgemeine Bildung vermitteln. Dem Talmud-Unterricht sind ungefähr 10 Stunden wöchentlich in jeder Stufe gewidmet. Im Laufe des Jahres wurden in jeder Stufe ungefähr 80 Blatt Gemara mit Tossafoth gelernt. Der Absolvent ist befähigt, jede Talmud-Stelle mit sämtlichen Kommentatoren selbständig zu verstehen, sein Wissen durch weiteres selbständiges Lernen zu vertiefen und in einer Volksschule den Talmud-Unterricht erfolgreich zu gestalten. Bei der besonderen Bedeutung des Talmud-Unterrichts, das dem gesamten jüdischen Wissen als Grundlage dient, ist die Zusammensetzung des Lehrer-Kollegiums überaus wichtig. Es gehören ihm zur Zeit an Raw Assaf, Doz. an der Universität Jerusalem, Raw Ostrowski, Raw Liebermann, Doz. für Talmud an der Universität, Rabb. Dr. Mirkin. An der Abschluß-Prüfung für Talmud beteiligten sich wiederholt Oberrabbiner Kook, Jakob Meir und Rabb. Jakob Borochow, (Wolkowisk) auch Prof. Klein, Bialik, Agnon. Der Unterricht im Talmud kann als besonders glücklich bezeichnet werden. Wegen seiner zentralen Bedeutung im Unterricht wurde ihm erhöhte Aufmerksamkeit zuteil auch hinsichtlich der Traktatswahl und Uurerrichts-Meihode. Es wird von den Schülern eine selbständige gründliche Vorbereitung zum Unterricht verlangt, um sie an selbständiges Lernen zu gewöhnen. Trotz der historischen und philologischen Schulung der Lehrer wurde der Talmud-Unterricht nach den besten Methoden der Jeschiboth alten Stils gestaltet, denn nur so kann dem Schüler einer Mittelschule ein entsprechendes Talmud-Wissen vermittelt werden. Die historisch-philologische Methode lenkt die Schüler von dem eigentlichen Talmud-Studium ab. Sie eignen sich dabei weder den „Derech Halimud" noch das notwendige Verständnis an. Tatsächlich ist es dem Lehrer-Seminar gelungen, pädagogisch geschulte Lehrer heranzubilden, diein den Misrachi-Schulen tätig und für die religiöse Jugend-Erziehung von größter Bedeutung sind. Das misrachistische Schulwesen in Palästina verdankt dem Lehrer-Seminar seine Entwicklung und Verbreitung. Die Absolventen des Seminars sind befähigt, in allen jüdischen und profanen Fächern zu unterrichten. Schon jetzt sind fast die Hälfte der Lehrer in Misrachi-Schulen Absolventen des Seminars. Es wird allseitig anerkannt, daß die Misrachi-Erziehung ohne das Misrachi-Lehrer-Seminar undenkbar wäre. Der Leiter des Erziehungsdepartements der