Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 2-3 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 14 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Z 10 N N Nr. 2-5 Über das Mlsrachi-Schulwerk voa Dr. J. Engel Im kommenden Frühling werden es fünfundzwanzig Jahre, seit der Misrachi mit seiner Erziehungsarbeit in Erez-lsrael begonnen hat. Die Idee wurde auf dem Zionistenkongreß im Haag im Jahre 1Q07 geboren. Nach längeren Beratungen kam man zu dem Beschluß, die bislang unbedeutende, "wenige Schüler zählende ,,Tachkemoni"-Schule in Jaffa, die durch einige dort ansässige Kaufleute ins Leben gerufen worden war, aus Mangel an materiellen und ideellen Mitteln aber aus den Anfangsstadien nicht herauskam, zu übernehmen. Es wurde ein besonderes Komitee gebildet, in dem sich angesehene Männer alier Richtungen des traditionellen Judentums zusammenfanden; das Komitee übernahm die Verwaltung und betraute Dr. N.Schlesinger aus Hamburg mit der Leitung der Schule. Mit dem Frühjahr 1903 begann dieser seine Tätigkeit. Es war dieses wohl nur als Versuch gedacht, und niemand konnte ahnen, daß hiermit die Grundlage für das künftige Misrachischulwerk geschaffen wurde. Das Beginnen war nicht ohne Erfolg: Die Schule fand Anklang und Zuspruch. Die engen Schulräume füllten sich innerhalb eines Jahres wuchs die Schülerzahl auf 200 heran. Diese Gründung diente als Ansporn und fand bald Nachahmung. Etwa ein halbes Jahr später setzte die Erziehungstätigkeit der Freien Vereinigung der gesetxestreuen Juden Deutschlands ein. Dr. M. Auerbach wurde zum Direktor der von Rabbi S. Bravermann in Petach-Tikva, Rischen-le-Zion, Rechoboth und Ekron gegründet ten Talmud-Tora-Schulen ernannt und nach Palästina entsandt. Die genannten Schuldirektoren führten sofort Hebräisch als Unterrichtssprache" ein, ein kühnes Wagnis, für die damalige Zeit ein fast revolutionäres Unternehmen. Wohl gab es um jene Zeit hebräische Schulen. Das Schulwerk des Hilfsvereins stand in Blüte. Das Hebräische Gymnasium in Jaffa machte viel von sich reden. Die dem Odessaer Komitee unterstehende Töchterschule mit Dr. N. Turoff als Direktor, genoß großes Ansehen. Allein alle diese Schulen standen im bewußten Gegensatz zum orthodoxen Judentum und huldigten den Kulturidealen Achad-Haams. Ihr Streben war darauf gerichtet, den Traum Achad-Haams, Palästina zu einem nationalen Kulturzentrum auszubauen, zu verwirklichen. Ganz anders die Hebräische „Tachkemonischule in Jaffa und die Talmud-Tora-Schulen der Freien Vereinigung. Auf ihre Fahne hatten sie die Devise pN *pn dj? nun geschrieben. Die beiden aus Deutschland stammenden Direktoren waren selbst in der Hirsch'schen Ideenwelt erzogen worden. Ihr Ziel war, diesen Geist den Schülern zu übermitteln und sein Gepräge der Schule aufzudrücken. Sie wollten einerseits Charakterbildung und einen auf gründl icher Kenntnis der jüdischen Gesetzesliteratur beruhenden geistigen Habitus erzielen; andererseits aber erstrebten sie tiefe Kenntnis der profanen Fächer bei. den Zöglingen, wie sie das weitverzweigte Leben fordert, um auf diese Weise keinen Gegensatz zwischen Religion und.allgemeiner Bildung aufkommen zu lassen. Die Besetzung Palästinas durch die Engländer bedeutete einen Wendepunkt in der Entwicklung dieser Anstalten, der bei den Talmud-Tora- Schulen der freien Vereinigung zur politischen Umstellung führte. Als Schulen der Freien Vereinigung waren sie eher agudistisch als misrachistisch gewesen. Als sich nun die Freie Vereinigung zurückgezogen hatte und ihre Schulen sich im Zustande der Obdachlosigkeit befanden, mußte sich der Misrachi ihrer annehmen, und die politische Färbung wurde sofort gewechselt. Sie ''bildeten hinfort zusammen mit der Tachkemonischule, die bereits früher Besitztum des Misrachi war, den Grundstock des Misrachischulwerkes. Für die Tachkemonischule selbst oder, richtiger, für ihre Eigentümer tauchten nun Probleme auf, die sie früher nicht gekannt hatten. Denn ähnlich wie die Talmud-Tora-Schulen der Freien Vereinigung stand die Tachkemonischule bis zu dieser Zeit als unabhängiges Erziehungsinstitut da. Durch die neuen Aspekte, die die Balfour-Deklaration eröffnete, an der Schwelle einer Zeit die eine Zusammenfassung aller im Volke ruhenden Kräfte erheischte, sah man sich vor die Frage gestellt, ob der Misrachi auch ferner seine Erziehungsängelegenheiten selbständig versehen müsse oder aber sein Schulwerk im Verein mit der zionistischen Organisation verwalten und leiten solle. Es war dies eine Gewissensfrage, die, genau formuliert, so lautete: Dürfen diejenigen, denen die Gesetze den Tora bindend sind, gemeinsam mit denen, welche die Schriften unserer Lehrer nicht beobachten, am Aufbau des Landes, an seiner geistigen Wiederbelebung arbeiten? Die Ansichten innerhalb des Misrachi gingen weit auseinander. Doch die zionistische Konferenz in London vom Jahre 1920 fand einen Ausweg. In dieser ^Konferenz schuf man für das gesamte Schulwerk einen äußeren einheitlichen Rahmen unter Beibehaltung der inneren Auto-