Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 1 (1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr 1 versales und Kosmisches, Besonderes und Allgemeines. Die bunte Mannigfaltigkeit des in der schriftlichen und mündliche 1 Thora Vorliegenden beweist, daß das Fehlende nicht grundsätz;- lich ausgeschlossen ssin .sollte, sondern nur fehlt, weil eben keinerlei Bedürfnis oder keine Neigung vorhanden war. Alles aber, was sich in Bibel und talmudischer Literatur findet und nach dem zuletzt Angedeuteten noch ergänzt werden darf, hat religiösen Charakter, weil und insofern es unter die Herrschaft der B'rith- bzw. der Gottesidee steht, auf den B'rith und den Gott dieses B'rith letztlich zurückwe'st. Die Thora erscheint als Gottes-, als B'rith.'ehre und -Gesetz, Israel als Gottes- oder Bundesvolk, der Mensch als Gottes Ebenbild, die Völkergesamtheit als berufen zur Verwirklichung des messianischen Gottesreichs, Palästina als das gotterwählte Land, die Welt als Gottes Schöpfung. Es ergibt sich aber auch die Möglichkeit, im einzelnen r.u> der Thora genauer abzuleiten und zu bestimmen, was religiöses Schrifttum bedeuten soll und zu ihm gerechnet werden darf. Betrachten wir zunächst zwei Dichtungen der Bibel, das Deboralied und das Buch der Psalmen. Das Deboralied beginnt: , Als Zi gell sigkeit war in Israel, da sich willig hingab ein Volk, preiset den Ewigen! Höret, Könige, horchet auf, Fürsten, dem Ewigen will ich singen, seitenspielen dem Ewigen, dem Gott Israels." (Zunz). Mit diesen Einleitungsworten ist soforl der religiöse Charakter des Gedichts gesichert. Ein rein nationales Kriegs- und Siegeslied, aber Gott geweiht, dem eigentlichen Lenker d:r Schlachten, dem wahren Sieger des hier besungenen Kampfes. Das Lied ist religiös, weil e^ im Grunde Gott besingt, der Debora und Barak nur zu Werkzeugen seines Willens aasersehen hat. Die Beziehung auf Gott findet sich unmittelbar, ausdrücklich. Dieselbe unmittelbare, ausgesprochene, Göttbezogenheit biggnet ms im Buch der Psalmen. Es enthält alles, was das Herz des Einzelnen bewegt und im Leben eines Volkes sich begibt Kriege, Siege und Niederlagen, denkwürdige Ereignisse in der Volksgeschichti Israels, Königshuldigung, Lob der Thora, Naturpoesie, Mensc::enleid und -Freude, Klagen des Armen und Bedrückten, Dank des Geretteten, Zweifel an Got.es Gerechtigkeit, Vertrauen auf Gott, kurz, was sich n ir von Dichtern singen und sagen lißt. Doch alles wird gesungen und gesagt in irgend einer unmittelbaren, ausdrücklichen Beziehung auf Gott. Wir sind semit berechtigt, als erste genauere Bestimmung des Begriffs der religiösen hebräischen Literatur . den Satz aufzustellen: Alles in hebräischer Sprache Geschriebene, ist religiös, wenn der behandelte Stoff, er sei, was er sei, positiv oder auch fragend, -zweifelnd, ringend, unmittelbar, ausdrücklich letztens bezogen ist auf Gott als den in Natur und Leben Waltenden, die Geschichte Israels und der Menschheit Beherrschenden, als den Urgrund alles Seins und Wertseihs, wie B'rithlehre und -Gesetz ihn verkünden. / Die den religiösen Charakter eines hebräischen Literaturerzeugnisses bestimmende letzte Göttbezogenheit im Sinne der B'rithidee, konkreter der Thora, muß aber nicht notwendig eine ausdrückliche, unmittelbare, sein. Betrachten wir z. B. das Hohelied! Seine Aufnahme in den biblischen Kanon kennzeichnet es schon äußerlich als religiöses Werk. Aus welchem inneren Grunde wurde es jedoch in das heilige Schrifttum aufgenommen, für ein religiöses Werk angesehen? Man hat die Dichtung allegorisch gedeutet: auf das Verhältnis Gottes zu Israel. Dann ist ihre Göttbezogenheit bildlich, in Gleichnisform verstanden, aus ihr heraus- oder in sie hineingelesen. Nimmt man die Dichtung dagegen, wie sie selbst sich gibt, als reine Liebeslyrik, dann ist sie religiös, insofern in ihr die Liebe als ein so Reines, Hohes, besungen wird, daß die Absicht hervortritt: dieses Natürliche ist ein Gottgewolltes, Gottgesetztes, ein Heiliges. Die Gottgewolltheit, die Heiligkeit der Liebe, solcher echten Liebe, wird hier transparent, dargestellt und besungen. Beidemal, so oder so aufgefaßt, zeigt das Hohelied eine mittelbare, nicht ausdrückliche, aber immerhin merkbare, durchscheinende, Göttbezogenheit, B'rithidee- oder Thoragemäßheit. (Fortsetzung folgt.) Zur Bedeutung der Frauenarbeit. (Auszug aus der Begrüßungsrede von Dr. Wolfsberg beim Delegiertentag der Misrachi-Frauen.) Es ist etwas Merkwürdiges um die Geschichte politischer Organisationen. Die zionist'sche Organisation und mit ihr der Misrachi haben in langer theoretischer Arbeit die Epoche der Aufbauarbeit in Erez Israel vorbereitet, haben ideologisch und politisch vorgearbeitet, erst die Menschen umgestaltet, dann ge"bauL Unsere Frauen haben empirisch mit der praktischen Arbeit begonnen und fühlen jetzt nach einigen Jahren ihrer Wirksamkeit die Notwendigkeit, ihrer Arbeit einen festen Rahmen, ein ümrissenes Programm,