Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 1 (1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ZION Nr.-l kulturelle Schaffen Stückwerk ist. Nur Weniges kann aus sich heraus bestehen. Kultur, wörtlich Pflege, nämlich des geschichtlich Gewordenen, wird nicht im Augenblick geschaffen, sondern gestaltet sich in Ehrfurcht vor der Vergangenheit aus der geistigen Grundhaltung eines Volkes. Und wenn auch Frau Arlosoroff glaubt, daß der „moderne westliche Lebensstil nach und nach den ganzen Jischuw zu sich herüberziehen wird", daß es „innerhalb des neuen Jischuw Kreise gibt, die gegen den Strom schwimmen, den Misrachi und den Poel Misrach'i, und manche Gruppen ihrer Peripherie, die aber den allgemeinen Stil nicht bestimmen", so sind wir, „die Wenigen", trotz des Ansturms „der Vielen" doch der festen Ueberzeugung, daß auch der Neuhellenismus überwunden werden und die Tradition sich wieder den ihr gebührenden Platz in den Herzen der Juden erobern wird. Schon sehen weitblickende Führer bis in die Arbeiterschaft der Europäisierung des jüd. Lebens in Palästina mit wachsender Besorgnis entgegen. Und es scheint, als ob sich bereits eine, wenn auch noch schwache, so doch allmähliche Wendung zur Tradition bemerkbar macht. Wir schätzen auch westliche Kultur in Palästina. Aber nach jenem alten Worte muß „griechische Schönheit in den Zelten Sems wohnen". Wo aber die „Zelte Sems" fehlen, führt die ,.griech'sche- Schönheit" zur Vernichtung des Judentums und des jüd. Volkes. Auf dieser Erkenntnis beruht die Zukunft eines jüdischen Palästina. Chaim Nachman Bialik zum 60. Geburtstag. Bialiks 60. Geburtstag ist ein Fest des gesamten jüdischen Volkes. Seiner künstlerischen Grösse, seiner menschlichen Bedeutung gegenüber verstummen alle Parteimeinungen. Was wir alle dem Erwecker der jüdischen Dichtung, dem Hüter und schöpferischen Mehrer unserer Kultur verdanken, wie sehr wir seine Bundtsgenossenschaft im Kampfe für so hohe Güter, wie den Sabbath und Ewigkeitswert unserer Lehre schätzen, ist in Reden und Abhandlungen auch von uns, und nicht zuletzt in der jüngsten Zeit, wiederholt ausgesprochen worden. Es würde uns nicht passend erscheine^ bei diesem Anlass Trennendes zu akzentuieren. Wir beschränken uns heute auf einen kurzen aber sehr warmen Gückwunsch und Gruß und beabsichtigen, bald einen sachlichen Beitrag zur Würdigung von Bialiks Werk zu bringen. Möge unser großer Dichter und Erzieher in ungebrochener Kraft auch ferner die Ehre und den Ruhm unserer Dichtung und Kultur erhöhen. Bialik und der Sabbath. Von Rabb. Dr. Samuel G r ü n b e r g •\ssn ni»j? i b z n rora dk tj v\~tpb «ij? nzvb nxnpi »v n p nvz /ai naiDa (.na rvyc») „ .. Gerade jetzt, wo die Bewegung der Renaissance an Ausdehnung gewinnt und Wirklichkeitsformen anzunehmen beginnt, wird unser Sabbath, die Quelle unseres geisägen und ethischen Lebens, immer mehr profaniert. Dies gilt für den Bestand des Sabbath im allgemeinen, für den erhabenen Gedanken, den er verkörpert, für di mutwillig öffentliche Sabbatiientweihun.'j vor aller Welt.." „ .. Wir sind so stumpiV.Linig geworden, daß wir kein Verständnis für elementaren Anstan l mehr besitzen, keine Kiai'i mehr aufbringen, unseren Tri' /» auch nur für eine kleine Weile zu bändigen, um den wahrhaft Frommen, die bei der öffentlichen Sabbathentweihung Schmerz empfinden, keinen Aerger zu bereiten. Der Freidenker, der seine Zigarre gerade auf der Straße ra::cht — welch unverzeihlichen Schmerz bereitet er damit den Frommen. Das ist so schlimm, als oh einer ein Museum besucht, in dem Bilder von Raphael hängen, und mit brennender Zigarre an ein herrliches Bild herantritt und ein Auge ausbrennt. So wird die Heiligkeit des Sabbath, „i h r Augapfel", geschädigt, eine Schädigung, die nie wieder £ut gemacht werden kann.." Also sprach Bialik, der Sciiöpfer der ,/Jneg- Schabbath"-Bewegung, auf einer „Oneg-Sdiubbath"-Veranstaltung in Tel-Aviv! Dierer Auszug aus einer Rede, die :'er größte zeitgenössische hebräische Dichter, de: L'ebling und der Stolz sjii es Volkes, der jet-.t überall gefeiert:- jub.hr. . u.n Schutze der Sabbathheiligjng in Ere : Israel gehalten hat, zeigt u.is Biali.; in seiner wahrhaft jüdischen Größe. Mögen die einen Bialik als Dichter und Denker, die anderen als Sprachforscher und Gelehrte i feiern, alle seinen Chaiakter, seine Güte — vor allem seine Beschc-idenheit — verheri liehen, so künden seiue oben zitierten Worte zu Eh nein des bedeutendsten jüüiseken Gutes, des Sabbath, seinen unvergängliche.! Ruhm. Durch diese Gesinn.mg unterscheidet sich Bialh-: rühmlichst von vielen anderen „Größen". Das jüdische Volk ist keineswegs arm an Dichtern, Gelehrten und Denkern, an Führern und %