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Zion · 1933-01-01 · 1 (1.1933) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
1 (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 ZION Nr. 1 der,' die entgegengesetzt waren in ihren geistigen Grundlagen sowie in ihrem aus jenen resultierenden Lebensstil. Wir wollen im folgenden die Eigenart des jüdischen Lebensstiles zu erfassen suchen. ■ Wie--schon der Schriitstii eines Menschen uns .oft bestimmte charakteristische Eigenschaften'der Persönlichkeit enthüllt, so erwächst auch jeder Stil im Sinne einer praktischen Lebenshaltung aus dem Charakter und der geistigen Einstellung eines Einzelnen oder der Gesamtheit. So zeugt auch jeder Baustil oder jede Kunstrichtung von der geistigen Verfassung der betreffenden Zeit. Jüdischer Lebensstil wäre also die jüdische Lebenshaltung, die aus den Quellen •jüdischer Lebens- und Weltanschauung fließt. Gibt es eine einheitlich jüdische .Geisteshaltung, so folgt daraus Existenz und Notwendigkeit eines einheitlich jüdischen Lebensstils, zumindest in seiner Grundrichtung. Ein einheitlich jüdischer Lebensstil läßt sich bis zur Emanzipation nachweisen. .Das jüdische Denken bei allen Differenzierungen einheitlich in der Grundhaltung, war durch Thora und Tradition bestimmt, die als die einzige Richtschnur im gesamtjüd:schen Leben bestimmend war. Wohl erwuchsen aus der Berührung mit der nichtjüdischen Welt Konflikte,- die sich bisweilen zu Tragödien steigerten, wie im Falle Spinoza. Jedoch der allgemeine Strom jüdischen Lebens wurde dadurch nicht berührt. Er strömte dahin in seinem allen Bette, unbekümmert um diejenigen, die „seine Wasser verschmähten, um sich fremde Brunnen zu graben". Das jüd. Leben konnte trotz allem seinen Weg gehen, weil immer nur Einzelne den Weg ins Freie antraten, die als outsider empfunden wurden und sich als solche betrachteten. Darum war Spinozas Bruch mit dem J'tdenti in nicht nur ein Bruch mit dem jüd. Denken, sondern, was für ihn viel folgenschwerer war, ein Bruch mit der jüd. Lebenshaltung, mit dem jüd. Lebensstil. Die Weisen von Amsterdam hätten dem Denken Spinozas Konzessionen machen können, wenn nicht die Einheit jüd. Lebenshaltung angetastet worden wäre. Das Judentum konnte Differenzen im Denken vertragen, jedoch mußte die Zerstörung des jüd. Lebensstiles das jüd. Gemeinschaftsleben in seinen Grundfesten erschüttern. Die Unterscheidung, die unsere Weisen bei der Uebertrclung eines Gebotes zwischen N^xn und n>Dm:: machen, empfängt hier ihren besonderen Sinn. Durch die Emanzipation wurde diese einheitliche jüd. Geistes- und Lebenshaltung gesprengt und mehr oder weniger zerrieben. Starke jüd. Persönlichkeiten sicherten sich trotz der aus der Außenwelt andringenden mannigfachen Einflüsse oft unter großen Opfern die autonome jüd. Sphäre. Der weitaus größere Teil jedoch erlag dem Ansturm des Fremden und zeigte keinen Lebenswillen mehr. Aus diesem Schattendasein wollte der Zionismus die Judenheit befreien und sie zu neuer selbstbewußter Schaffenskraft beflügeln. Man hörte Schlagworte wie „Erneuerung des jüd. Geistes", „Schaffung eines jüd. Lebensstiles", usw. Und allen schwebte eine Erneuerung vor, die aus dem heiligen Boden Erez Israels strömen sollte. Aber als man nach den begeisterten Worten der Programme zur Verwirklichung schreiten. wollte, da wollten die Einen geistige und seelische Erneuerung des A 1 - t e n, des geschichtlich Traditionellen, und die Anderen erstrebten Neuschöpfung. Hier mußten die Gegensätze aufeinanderprallen, die bisweilen, in besonders kritischen Augenblicken, um das Ganze nicht zu gefährden, übertüncht wurden, jedoch später mit um so größerer Heftigkeit hervorbrachen. Und wenn wir hören, daß hier oder dort absichtlich das Thoragesetz übertreten wurde, daß die „Neuen" keinen Verständigungswillen zeigen, und daß man auch auf der anderen Seite in der begreiflichen Erregung zu allen nur möglichen Mitteln greift, um eine Uebertretung des Gesetzes evtl. durch Gewalt zu verhindern, so zeigt sich darin ein Kampf, den man als Analogie zu dem Entscheidungskampfe zwischen Makkabäern und Hellenisten betrachten kann, da er, der weiteren Entwicklung des jüd. Lebens in Palästina auf lange Zeit den Stempel aufprägen wird. Vor mir liegen zwei Antworten über die Frage: „Absterbende Tradition in Palästina?" in Nr. 4S der Breslauer Jüd. Zeitung. Mit „Ja" antwortet Gerda Arlosoroff-Göldberg, mit „Nein" Rabb. Dr. Simonsohn. Wir wollen einige Proben der Ausführungen von Frau Arlosoroff geben, um den „neuen jüd. Lebensstil" näher zu betrachten. Die Verfasserin charakterisiert den Kampf zwischen Orthodoxen und Freidenkern in Palästina als die große Auseinandersetzung zweier grundverschiedener Lebensformen. Die eine ist die traditionelle, die andere diejenige, „die die europäische, rationalistische, an westlichen Vorbildern orientierte Arbeits- und Denkungsart mit sich bringt". „Der Stil großer Teile des Jischuw", meint die Verfasserin, ,,folgt ganz anderen inneren. Gesetzen, als sie der Tradition entsprechen. In der Sabbat h frage z. B. handele es sich „um eine grundverschiedene Auffassung von Ruhetag und heiligem Tag."?,Die Jugend

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