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Zion · 1932-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1932) · p. Seite 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 56 (sequence 10)
Language
German
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Seite 56 Z I ON Nr 6/7 zu sorgen. Auch die intellektuellen Kräfte sollten sich in die Chaluzbewegung stellen, gemeinsam mit einen Kibbuz nach Palästina gehen, um dort die schöpferische Kraft der Bewegung zu bilden. Unsere jungen Führer sollten sich nicht mit einem schönen Referat oder Delegiertentagen begnügen. Ihr Ort ist in der Hachscharah. Sic sollten sich auf ein Arbeitsleben in Palästina vorbereiten. Wichtig wäre, wenn unsere Chawerim in Deutschland uns bei der Zusammenstellung einer Bibliothek behilflich sein könnten. Es fehlen uns besonders hebräische Bücher und auch fremdsprachige, die sich mit Fragen des Judentums beschäftigen. Wir haben z. B. keine vollständige Talmudausgabe, und wie schwer es ist, Gemara zu lernen, ohne daß man eine vollständige Talmudausgabe hat, wird ja jeder verstehen. Es fehr le-n uns T' nachausgäben mit Kommentaren, mittelalterliche und neue Literatur und dergl. Diese Büchersammlung wird man wohl auch in Holland und in der Schweiz mit Leichtigkeit durchführen können. Ludwig Lewinsohn als jüdischer Romandichter von Dr. Armin Blau, Hamburg. Fortsetzung. 2. Einen eigenartigen und kühnen Versuch, eine altbekannte jüdisch-dramatische Figur neu zu belichten, stellt Lewisohns neuester Roman dar: Scheilocks letzte Tage, (übers, v. Magda Kahn, Paul List Verlag, Leipzig 1931). Es ist immer etwas Mißliches um die Konstruktion traditionell feststehender Gestalten, ob sie nun historisch oder dramatisch feste Formen in unserer Vorstellungswelt angenommen haben, denn man trennt sich ungern von liebgewordenen Vorstellungen. Umso weniger bei Scheilok, dessen wenig erfreuliches Bild durch Shakspeares ehernen Aleissel schon für die Ewigkeit geprägte Züge angenommen zu haben schien, an dessen Grundzügen die Ströme von Tinte aller Literarhistoriker und Essayisten nichts Grundwesentliches zu ändern vermochten. (Einzelne Retouchierungsversuche, Aufdeckung einzelner sympathischer Züge zählen nicht, s. meine Aufsätze im Jeschurun, XII. Jahrg. Heft 1/2 und folg.) Da wagt sich Lewisohn an die unerhört kühne Aufgabe, einen neuen Scheilock in Romanform zu schaffen! Es soll eine Ehrenrettung Scheilocks sein, nicht bloß eine Ergänzung des Shakspeareschen Dramas, sondern eine völlige Umbildung, ein Neubruch. L. s Scheilock ist ein gr und guter, vornehm denkender, hochstehender Mensch, der sich im Dienste und in der Rettung seines Volkes verblutet —' dies ist ungefähr die These, die dieses Buch glaubhaft zu machen und zu veranschaulichen sich vornimmt. Den Dichter und Juden Lewisohn reizte die Frage: Was geschieht mit Scheilock, nachdem er mit Schmach und Hohn bedeckt den Gerichtshof in Venedig verläßt? Nichts steht darüber im Drama. Scheilock muß sich die honigsüßen Reden von Gnade und Milde jener üppigen und nichtstuerischen christlichen Gesellschaft anhören, von der Gnade, die weder er noch seine Glaubensgenossen jemals in einem christlichen Herzen zu entdecken vermochten, muß schreiende Ungerechtigkeit und sophistische Rechtskniffe über sich ergehen lassen, soll noch Bußen und gar die Zwangstaufe auf sich nehmen, dies alles im Namen der allerchristlichen Barmherzigkeit! Dies alles stellt sein Denken vor einen Knäuel sittlicher Begriffsverwirrung — fassungslos verläßt er, in tiefsten Staub gedemütigt, den Gerichtssaal — aber nicht, um Rache zu brüten über seine Demütiger, sondern um neue Aufgaben zu suchen, wie er seinen unterdrückten Glaubensbrüdern Befreiung von christlicher Willkür bringen könne. Denn Scheilock, von jeher ein edler Denflcer und Gelehrter, will Volksbefreier werden. Neben seinem Wechselgeschäft hatte er, der Rabbinersohn, geistigen und talmudischen Studien obgelegen! Er grollt (so stellt es Lewisohn dar) dem müßiggängerischen Kaufmann Antonio hauptsächlich deshalb, weil dieser einem christlichen Buchdrukker viel Geld geliehen hatte und um es zurückzuerhalten, der Signora von dem Vorhandensein talmudischer Bücher im Ghetto berichtet hatte, die er nun öffentlich verbrennen ließ, damit neue, von katholischen Priestern gereinigte Talmudauflagen bei seinem christlichen Schuldner gedruckt würden. Und nun beginnt Scheilocks neue Laufbahn: Er flüchtet aus Venedig (nachdem er die Taufe als Maranne über sich hat ergehen lassen müssen) nach Stambul auf einen türkischen Kauffahrtenschiff, zu dem berühmten Josef Nassi, Herzog von Naxos, dem Günstling des Sultans, tritt in Josefs Dienste als dessen Bankier und Almosenverteiler, leitet eine Expedition, die Tiberias im Heiligen Lande aufbauen, dessen Umgebung urbar machen und zu einer Heimstätte für jüdische Flüchtlinge umgestalten soll. Doch trotz übermenschlicher Anstrengungen mißlingt das große Werk, arabische Horden zerstören immer wieder, was jüdische Hände aufbauen, Josef Nassi fäii. als Opfer jüdischer Verleumder beim Sultan in L >nade; enttäuscht und gebrochen kehrt Scheilock zum Nassi zurück mit der bit-

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