Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 70 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 70 Z I 0 N Nr. 7; Dabei soll nicht bestritten werden, daß der eine oder andere Gesichtspunkt in den Reden Raw Berlins und Schapiros mit würdigem Ernst vorgebracht wurden. Diese mehr formalen Ausstellungen, die ich bisher geübt habe, erhalten verstärktes Gewicht, wenn wir an die Fundamente der Politik rühren, die die Mehrheit des Misrachi auf dem Kongreß vertrat, bezw. seinen Wortführern mit mehr oder minder bereiter Zustimmung darzustellen gestattete. Unsere Kritik richtet sich gegen ein Dreifaches: i. gegen die Unreife der Vertretung politischer Anschauungen. In ernstester Zeit, wo vieles auf dem Spiel steht, beherrscht die Führer de* Misrachi vor allem die Sorge um die Endziele. Hierbei sprechen sicherlich sehr ehrenweite Motive mit. Viel echtes Gefühl schwingt hier mit. Aber Politiker müssen solche Faktoren sehr nüchtern prüfen und erkennen, daß hier Gefahrenquellen sich auftun. Bei wirklicher Selbstkritik hätte Farbstein unmöglich Weizmann entgegenhalten können, seine neue Theorie laute: Zionismus oder Zion. Eine der Gründe, die die Gegner der Erörterung der Endziele anführen, ist die Ueberzeugung, daß der Fortschritt des Aufbaus von Erez-Israel durch solche Diskussionen nur belastet werde. Und jeder, der sich zu der Ueberzeugung duichgeiungen hat, daß die Vollendung der zionistischen Aspirationen in stiller, entsagungsvoller Arbeit sich verwirklichen wird, lehnt eben um dessentwillen Rhetorik und Proklamationen als untaugliche Mittel ab. Je größer die Widerstände gegen unser Werk sind, umso notwendiger wird die Abkehr von diesen ungeeigneten Methoden und die Konzentration auf die penetration pacilique durch Aufbau, 2. wir wenden uns gegen die Vernachlässigung derjenigen Faktoren, ohne die unsere Politik nicht gedeihen kann. Wir brauchen die Sympathie der Welt, und wir sind •mehr als alle Nationen aus unserer Lehre und aus unserer Situation dazu gehalten, die Sittlichkeit zu einem bestimmenden Element in der Politik werden zu lassen. 3. Wir warnen mit allem Nachdruck erneut, die herrschende. Richtung im Misrachi. die in der Forderung nach einem Judenstaate kulminiert, religiös zu verklären, und sie als notwendige Konsequenz unserer messianischen Erwartung zu deklarieren. (Gerade die extremste Richtung, die durch Fischmann — aber auch andere — vertreten wird, argumentiert mit dogmatischen Ansprüchen, mit dem Hinweis auf raiow 'ipy) Der. Kampf um die Endziele, im besonderen Postulate wie Judenstaat, Mehrheit auf beiden Seiten des Jordans, der den Kongreß ausfüllte, beschäftigte auch den Misrachi in manchen Sitzungen und führte uns auf den Plan gegen die Mehrheit der Fraktion. Die Gegensätze lassen sich wohl so umreißen^ wie ich es eben versucht habe.. Es war uns eine große Genugtuung, daß diesmal ein Mann in die Debatte eingriff, dessen Rede Anspruch auf Beachtung haben müßte: Raw Amiel. Er ergriff nur zu einem Punkte das Wort, zu der unberechtigten Vermengung von messianischen Hoffnungen und politischen Zielsetzlingen und Aufgaben des Zionismus. Er nahm nicht für oder gegen eine bestimmte These die Endzieldebatte betr. Stellung, sondern erklärte nur mit aller wünschenswerten autoritativen Klaihcit, daß diese zwei Dinge miteinander nichts zu tun hätten. Man sei nicht pdkd oder iso weil man für did eine und gegen die andere Meinung sich entscheidet. Ja, die Zusammenarbeit im Zionismus mit Menschen, die der Ueberlieferung so fern ständen und für die man r/nns keine Bedeutung habe, sei nur möglich, weil das ganze Problem von rptrnn gar nicht in die Gesamtüberzeugung des Zionismus eingeht. Es war für uns deutsche Misrachisten, die während der A.-C.-Sitzung im August vorigen Jahres in der Misrachi-Fraklion genau dasselbe gesagt hatten, eine unerwartete Rechtfertigung (Ich füge noch hinzu, daß die — objektiv gesehene — Beziehung zwischen Zionismus und messianischem Zeitalter damit nicht etwa negativ angesehen wird). Um so schlimmer, da das Verhalten unserer Gegner in der Fraktion, die es Raw Amiel gegenüber (dessen ausführliche Rede ich liier nicht wiedergeben will; hoffentlich entschließt er sich einmal zur Veröffentlichung) an sachlicher Würdigung und zum Teil persönlicher Ehrerbietung fehlen ließen. Es kam nur zu heftigen Zwischenrufen und erregten kurzen Entgegnungen, nicht zu geordneter sachlicher Aussprache. Wir aber lassen uns keinesfalls die Freude über Raw Amieis Stellungnahme durch die Reaktion der Fraktion rauben. Unverkennbarem Veiständnis begegnete wir in den Fragen der großen Politik auch bei den eng-* lischen, einigen amerikanischen Miirachisten und bei unseren, Poalim. So kam es bei einigen politischen Abstimmungen doch zu einer Reihe Stimmenthaltungen im Misrachi, gelegentlich rebellieite sogar gegen den ausdrücklichen Fraktionsbeschluß der eine oder andere und stimmte gegen die Fraktion imi Plenum. * Denn das Recht, in politischen Fragen sich vom Fraktionszwang zu lösen, war nach langen Kämpfen nur den deutschen und den schweizer Delegierten zugestanden worden. Die Begründung, die man dafür fand, war teils anerkennenswei t und anerkennend (...man könne Menschen, deren Anschauungen so durchdacht und deren Konflikte im Falle des Zwanges so groß seien, nicht zumuten« nter das Joch zu gehen...), teils sehr dubiös