Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 69 (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 69 so stark, wie nur eine große Idee es vermag, Läßt sie sich auch aus falschem Augenmaß für reale Machtverhältnisse zu einer Ueberschätzung eigener Kräfte, zu einer Unterbewertung der Schwierigkeiten hinreißen — der feste Willen dieser Volksbewegung arleirt, der stärker ist als jedes OrganisatioiLsverniügen, kalih unser schweres Ziel erreichen. Und der Beweis hierfür ist dieser Jischuw, dessen Repräsentanten nicht nur im Korfgreß, sondern deutlicher noch auf einem Gang durchs Land sprechen: Hier stehen wir, die erfüllt von dem Zionsgedanken unser Werk tun, fester verwurzelt als irgend eine jüdische Bevölkerung eines anderen Landes uu'd schiffen Raum für uns und die, die nach uns kommen werden. Ihr draußen, die Ihr nicht Euer ganzes Leben einsetztet für das Ziel, denkt der Verpflichtungen, die Ihr auf Euch genommen habt, uns Rückendeckung zu sein, moralische und materielle Hilfe zu leisten, daß der Organismus des Werkes nicht belastet wird, sondern frei weiter sich ausdehnen kann. Kritische Anmerkungen zum Kongress. Von Dr. Oskar Wolfs.bc rg. Eine eingehende Würdigung des XVIL-Zionisten-Kongreßes und der ihm vorangehenden und ihn begleitenden Weltkonferenz des Misrachi wird der Leser aus der Feder von L. Barth finden. Da ich weder an den Beratungen der W'idah in den Tagen \or dem Kongreß teilnehmen, noch den Verhandlungen des Kongreßes bis zum Schluß beiwohnen konnte, steht mir ein auf unmittelbarer .Mitwirkung und ursprünglichstem Er eben fußender Bericht nicht zu, andererseits habe ich in fast 14lügigei Anwesenheit und Arbeit so viele Eindrücke gewonnen, daß kurze kritische Beiträge von mir vielleicht, eine erwünschte Ergänzung zu der ausführlicheren Beii'hteistatting und Stellungnahme sein werden. ( \ ] I. D e r M i s 1 a c h i a u t dem K o n g r e ß. Es handelt sich hier vor allein um eine Darstellung iies Verhaltens der Misrachi- F r a k t i o n auf dem Kongreß. Da aber die Fraktions-Sitzungen oft genug in W'idah-Sitzungen übergingen, weil äußere und innere Aulaße d tzti nötigten, so soll auch hier nicht streng zwischen den Themen beider Gremien unterschieden werden. Uebrigens wird hL-r weder eine systematische noch eine ab ch'ießende Kritik gegeben, denn alles was dort vor sich ging, gehört, mein oder weniger in <T*ts große Kapitel der Auseinandersetzung zwischen uns und dem Weltmisrachi, und wenn auch gerade vieles den Kongreß und die Fraktion Betreffende nach unserem Willen nicht dazu bestimmt ist, uns von" einander endgültig zu trennen^ wenn es keine Verständigung gibt, sd hat es doch großen Anteil an dem geistigen Ringen in unserer/* Lager. Wie unseren Gesinnungsgenossen bekannt ist, ist im' übrigen eine Entscheidung) in aller Form auf der W'idah noch nicht gefallen. Auch ein falscher Standpunkt kann eindrucksvoll und groß vorgebracht werden. Keiner wird behaupten, daß die für eine Partei wie den Misrachi höchst sonderbare politische Haltung in der Generaldebatte rednerisch erfolgreich verteidigt worden sei. In dieser Generaldebatte, die nur reich an Sensation und derben Effekten, nicht aber an wirklichen Höhepunkten und ernsten, verantwortungsbewußten Kerlen war, hatte — um mich maßvoll auszudrücken — der Misrachi gewiß nicht die Führung. Manches was Berlin, manches was Schapiro sagte, war beachtlich. .Lazarus Barth) schalte ich bei dieser Betrachtung ausdrücklich aus, weil er in den to Minuten, die ihm unter den unerfreulichsten Auspizien zur Verfügung standen, keine grundlegende Rede halten konnte. Er hat in diesen wenigen xVugenblicken wichtiges gut gesagt. — Den eigentlichen Rednern, die zeitlich die Möglichkeit hatten, Gedankengänge zu entwickeln, gelang es nicht, aktuelle Kritik aus tiefer Gerechtigkeit zu schöpfen oder wirklich legitim misrachistisch zu, fundieren. Besonders vermißte man — was doch von mal zu mal notwendig ist und immer wieder, an der Empirie orientiert, erneut versucht werden muß — ein adäquates misrachistisches Gesamtpostulat an den Kongreß, fließend aus den Idealen der Tradition, kulturell, sozial und — in vorsichtigen Umrissen — politisch spezifiziert und immer wieder an der Erfahrung und an gut gesicherten Ergebnißen theoretischer Bemühungen gemessen, das mit der Zeit nicht ohne Eindruck bleiben könnte. Statt dessen überbot man sich und andere in hämischen Bemerkungen über Weizmanns Resignation, die man mit Genugtuung zur Kenntnis nahm und unterstrich, damit sie um Gottes willen nicht in Vergessenheit gerate und durch stets wiederholte Zur-Kenntniiuahme an Gewicht zunehme. Ohne konstruktive Fähigkeit wurde an den Geschehnissen herumgeredet, alle längst und sattsam bekannten oft wiederholten kritischen Bemerk mgen olinc Origin il.'tät wjede holt. Die Uebersteigerung, die besonders Farbs'.ein, gegen den sich auch die vorhin geübte Kritik vorzugsweise gerichtet, leistete, als er die Fehler d~'r unter Weizmanns Führung eingeschlagenen Politik der Executive summierte, setzten d;n Wert der Abrechnung von vornherein herab, weil jeder die Stärke de* Affekts herausfühlte.