Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133276-3139326-3139331--0520-3140186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seit« 68 Z I 0 N Nr. 7 Charge erteilt war und die übrigen Mitglieder der Executive konnten neu kandidiert weiden. Der Pe.rrnanenz:Augschuß begann, sich mit der Bildung der Leitung zu beschäftigen. Es war eine Tage und Nächte dauernde nervenaufreibende Arbeit. Die letzte Nacht hindurch wartete der Kongreß geduldig,und war fast vollzählig .versammelt. Um 6 Uhr morgens hatte der Permanenz-Ausschuß ein Resultat erzielt — unmittelbar vor der Verkündig'ungi im Plenum gab es eine neue Störung und um 7 Uhr früh mußte die Sitzung auf nachmittags vertagt werden. Erst dann hatte Brodetzky angenommen, der bis dahin wegen des gegen Weizmann gerichteten Beschlußes abelehnt hatte, und nun wurde die neue Executive vorgestellt. An der Spitze steht Sokolow. Weizmann selbst hatte im Sommer, als er wegen des Weißbuches demissioniert hatte, in Privatgesprächen Sokolow' als seinen Nachfolger bezeichnet, wenn man die Kontinuität der bisherigen Politik für die Zukunft demonstrieren wolle. Er wurde ohne Widerspruch gewählt, auch die Revisionisten stimmten für ihn, — ja gerade durch ihr Votum war erreicht worden, daßl — im Gegensatz zu allen Gepflogenheiten — der Präsident allein einen Tag vor der übrigen Executive gewählt wurde! Niemand konnte darin, daß der bisherige Vorsitzende der Executive nun Präsident der Oranisation wurde, eine Kursänderung sehen. Von den übrigen Mitgliedern der Executive ist ferner Brodetzky geblieben, der Verbindungsmann zum Colonial Office. Er ist in hohem Maß mitverantwortlich gewesen für die in London geführten Verhandlungen und es ist charakteristisch, daß auch er ohne Widerspruch gewählt wurde. Zu diesen beiden Mitgliedern der alten Leitung kommen Arlosoroff und Locker von der Linken, die sich in stärkster Weise für Weizmann eingesetzt hatten — nicht nur sachlich, sondern auch persönlich — und von der Opposition Farbstein und der Amerikaner Newman . Alle 4 Männer, bewährt in der Arbeit, bewährt im Kampf. Darf man die Hoffnung aussprechen, daß sich der Kampf nicht gegeneinander richten wird? V. Nachdem die Zionistische Executive gewählt worden -war, begann die Agency-Tagung mit ihrer politischen und organisatorischen Arbeit. Die politischen Resolutionen deckten sich mit denen des Kongreßes, wie auch bisher seit Bestehen der erweiterten Agency auf ihren Tagungen in politischen Fragen keine Diskrepanz zwischen Zionisten und Nicht-Zionisten sich gezeigt hatte. Von einer Budget-Beratung war kaum die Rede, konnte auch kaum die Rede sein, da jeder Kenner des Palästinawerkes weiß, daß mit dem vorgelegten Eüit die Arbeit auf fast allen Gebieten ins Stocken kommen mußt. Unser Werk verträgt keinen Stillstand, der bei der allgemeinen Entwicklung des Landes ein Rückschritt ist. Hier aber ist weit mehr versucht: eine Einschränkung der wichtigsten Gebiete der Arbeit. Die Nachbearb itcr des Finanzplans haben übereinstimmend erklärt, diß über den vorgelegten BudgetanscMag nicht hin umgegangen wvrdcn könne, der nur mit etwa einem Drittel des Betrages balanciert, der in Zürich vorgelegt worden war. Es ist< klar, - daß dabei verschiedene Interessenten zur Selbsthilfe greifen müssen und weiter klar, da(< dies die zentralen Sammlungen schädigen kann. Aber wie aus diesem furchtbaren circulus hinauskommen? Sicherlich nicht in der Weise, wie es der Council versucht hat. Wenn er einen Chinuch- Etat annimmt, der die Schließung von 100 Klassen (d. h. ferner Entlassung der gleichen Anzahl von Lehrern) vorsieht, so war es gewiß gebaten, nicht in die Agency-Execulive einen Mann neu hincinzuwählen, der von der gesainten Lehrerschaft, mit Recht oder Unrecht, abgelehnt wird. Hier hätte darauf gesehen werden müssen, die Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, nur so lassen sich schmerzlich einschneidende Maßnahmen durchführen. Das Problem einer Acnderung der Verfassung der Agency ist auf dem Council natürlich nicht angeschnitten worden. Es wäre auch keine Aufgabe für eine solche Tagung gewesen. Umso notwendiger isf es. daß die Vertreter der beiden Hälften der Agency die Fühlung miteinander aufnehmen, um den allzu schwerfälligen Apparat zu erleichtern und unter Würdigung der tatsächlichen Verhältnisse, der Intensität und Leistungen für das Aufbauwerk, die sklavische Anwendung des Fifty-fii'ty-Prinzips abzubauen, wobei Vorsorge gegen Ueberstimiiiunig des Partners in allen bedeutungsvollen Fragen dennoch getroffen werden kann. Der bisherige l'sus. alle Debatten doppelt führen zu müssen, alle Kommissionen zu wiederholen, für jeden Mann, den die Zionisten aus den Gegebenheiten ihrer großen und gegliederten Organisation oder wegen besonderer fachmännischer Eigenschaften in eines der leitenden Gremien entsenden müssen, gleichzeitig der Kompensation halber auch einen Non-Zionist auszuwählen, führt zu Erschwerungen und Verlangsamung der gemeinsamen Arbeil, die heate, nachdem man einander kennengelernt hat. zu vermeiden sein sollten. VI. Denn — um damit zu schließen — den Eindruck werden die Nicht-Zionisten vom Kongreß mitgenommen haben: Es gibt eine nationale zionistische Bewegung, die ihre Menschen durchdringt,