Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 67 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Z I 0 N Seite 67 abstimmung erzwang die Priorität des zweiten Antrags, in dem nicht nur die Angaben des Interviews bedauert wurden, sondern auch Weizmanns Interpretation als unbefriedigend bezeichnet wurde. Durch die Annahme "dieses Antrages wurde Weizmanns Kandidatur ausgeschaltet, bevor die 2. deklarative Entschließung angenommen wurde, die Weizmanns Politik gegenüber den revisionistischen Portierungen bestätigten. Es ist nicht zweifelhaft, was gekommen wäre, wenn nicht das Interview dem Kongreß die Möglichkeit zur Beseitigung des Präsidenten der Organisation gegeben hätte. Man hätte der deklarativen politischen Entschließung eine Formu'iiTung gegeben, die Weizmann das Verbleiben unmöglich gemacht hätte. Das Ziel, ihn zu beseitigen, mußte erreicht werden, so oder so. Das dies von den Arbeitern und der A-Gruppe nicht rechtzeitig erkannt worden war, ist erstaunlich. Es hätte zur Vereinfachung der Verhandlungen viel beigetragen, wenn es geschehen wäre. Weizmann hatte, nachdem er seine Demission gegeben hatte, mehrfach erklärt, daß sie ernst gemeint war. Er hatte auch die Eröffnungsrede des Kongreßes angelegt als die Abschiedsansprache eines Führers. Dennoch war, nachdem die englische Landesorganisation bei ihrer Wahlarbeit die Notwendigkeit betont hatte, daß Weizmann die Führung behalten müsse, auch bei der ersten Fühlungnahme zwischen den Parteien im Permanenzausschuß keine Klarheit darüber zu erlangen, ob diese englische Gruppo in Gemeinschaft mit der Linken nicht die Kandidatur Weizmanns aufstellen würde. Daß dies ein großer taktischer Fehler gewesen wäre, ist klar, zumal auch in dem für diese Gruppen günstigsten Falle nur eine ganz geringe Majorität für Weizmann hätte geschaffen werden können und ein solcher Ueberrumpelungssieg hätte die Autorität des Präsidenten nicht stützen können. Weizmanns Rücktritt war ein Akt der Außenpolitik, war ausgesprochen ein Protest nicht nur1 gegen den Inhalt, sondern mehr noch gegen die Form und die Art der Veröffentlichung des Weißbuches von 1930. Es ist richtig, daß der MacDonald- Brief, der sowohl von der Executive wie auch vom Kongreß (nachher auch von der Agency) als eine Basis für weitere Verhandlungen bezeichnet wurde, in entscheidenden Punkten das ursprüngliche Dokument wieder aufgehoben hat. Aber schon die Praxis des Colonialamts in den letzten Monaten zeigte eine Fortsetzung der gefährlichen Schaukelpolitik, gegen die die Executive im (.Laufe der letzten Jahre vergeblich anzukämpfen versucht hat. In» diesem Stadium konnte der bisherige Präsident der Organisation eine Wiederwahl nur annehmen, wenn er von einer großen Majorität mit dem Auftrage hätte gewählt werden können, den Kampf gegen das Weißbuch, dessen erste Etappe der MacDonald-Brief gewesen sei, bis zum Ende weiterzuführen und Bedingungen für eine stabile Politik im Sinne der in der politischen Kommiision entwickelten Richtlinien zu schaffen. Dies war natürlich auf dem Kongreß nicht "möglich und deswegen hätte auch die Linke und mit ihr die gemeinschaftlich operierende A-Gruppe dafür sorgen müssen, daß im Permanenzausschuß deutlich erklärt worden wäre, daß eine Kandidatur Weizmanns auf diesem Kongreß nicht beabsichtigt sei. Weizmanns Ausscheiden aus der Führerschaft wird ein zeitweiliges sein. Er ist nicht nur den Mann, der durch die Erreichung der Balfour-Deklaralion den Zionismus zu einer realen Angelegenheit der internationalen Politik gemacht hat. Wer die' Möglichkeit gehabt hat, seine politische Arbeit aus der Nähe kennen zu lernen, mußte sich überzeugen, daß er auch der Staatsmann war, der unter den ungünstigsten Umständen und in einer feindseligen Atmosphäre den nicht jüdischen Partnern gegenüber die Würde der nationalen Organisation des jüdischen Volkes vertreten hat. Wenn auch jetzt Männer der Opposition die Möglichkeit haben, an leitender Stelle ihre Kräfte aktiv einzusetzen, so werden auch sie die Probleme anders sehen, als sio ihnen jetzt auf den Bänken der Opposition erschienen. Daß in einer Zeil; so tiefer Enttäuschungen wiu es die letzten zwei Jahre waren, nach so brutalen Desavouierungen unseres Vertrauens die Opposition sich verstärkte und der Wunsch nach' Eintritt oppositioneller Elemente in die Führung reale Formen annahm, konnte niemand wundernehmen, der das Echo der Ereignisse der letzten zwei Jahre in den Kreisen mitansehen konnte, für die die zionist ische Lösung des Judenproblems von vitaler Bedeutung ist. Daß aber andererseits gerade in den Kreisen, die persönlich so stark mit einer organischen Weiterentwicklung der nationalen Heimstätte verbunden sind, wie es die Arbeiterschaft ist, diese Opposition gegen die bisherige Leitung nicht gestützt wurde, sollte andererseits den Gegnern des besherigen Systems zu denken geben. IV. So war eine Situation geschaffen worden, die den Weg für jede Lösung der organisatorischen Schwierigkeiten verbaute. Durch die Ablehnung aller revisionistischen Anträge waren die Revisionisten aus der Executiv-Bildung au-geschaltet, andererseits auch Weizmann durch die gegen ihn gerichtete Entschließung. Da am Schluß der Generaldebatte kein Mißtrauensantrag eingebrächt worden war, so hatte der Vorsitzende feststellen können, daß die De-