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Zion · 1931-05-01 · 5-6 (5.1931) · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
5-6 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 63 (sequence 21)
Language
German
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Seite 63 Z ION Nr. 5/6 sehen Partei und meint, daß gerade durch die Frauen eine Heilung bewirkt werden könne, Wenn sie die einheitlichen Ziele betonen und die Gegensätze nach Möglichkeit zurückstellen. Frau Dr. Hedwig Möller, Hamburg, sprach nicht als Vertreterin der Misrachi-Frauengruppe, sondern als Mitglied der Hamburger Wizo- Gruppe, der zweitgrößten Gruppe Deutschlands, welche sie gemeinsam mit Frau Dr. Flörsheim vertrat. Sie verwies auf ihre langjährige und intensive Mitarbeit innerhalb der Wizo, ferner darauf, daß gerade die Hamburger Gruppe in überwiegender Mehrheit aus Misrachistinnen besteht und immer gute Arbeit für die Wizo geleistet hätte. Gestützt auf diese Arbeit, müsse sie sich dagegen verwahren, daß es in dem Rundschreiben des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästinaarbeit heißt, man müsse verhindern, daß durch Schaffung separater Misrachi- Frauengruppen der Wizo Mitarbeiter und Mitglieder entzogen werden. Frau Möller weist darauf hin, daß in keiner einzigen Gruppe in Deutschland auch nur dieser Versuch gemacht wurde, daß im Gegenteil vorläufig von den misrachistischen Frauen die Parole herausgegeben wurde, daß sich die religiösen Frauen nach wie vor aktiv an der Arbeit der Wizo zu beteiligen hätten. Sollten sich die Misrachifrauen aber neben der Arbeit, welche sie für die Wizo leisten, auch noch dazu entschließen, separate ideelle und materielle Leistungen für Misrachiarbeit zu leisten, so wäre das ein Recht, das ihnen niemand nehmen könne. Gestützt auf ihre bisherigen Leistungen für die Wizo, die sie wie bereits erwähnt, gewillt sind auch in Zukunft fortzusetzen, wollen sich Misrachifrauen auch das Recht vorbehalten, bestimmte Forderungen an die Wizo zu stellen. Frau Möller weist darauf hin, daß es auch in Deutschland noch große Kreise gibt, welche von der .Wizo nicht erfaßt wurden und daß vielleicht die Misrachi-Frauengruppen ein Mittel darstellen, diese Frauenkreise für die Palästinaarbeit zu gewinnen. Die Zusammenfassung und Aktivierung der religiösen Kräfte auch in Frauenkreisen würde auch wesentlich zur Bereicherung und Vertiefung der Wizo-Arbeit beitragen. Frau Anitta Müller-Cohen führte als Vertreterin der Misrachi-Frauengruppe Berlin aus, daß ihr gerade die Teilnahme an dieser Tagung gezeigt hätte, wie nötig es wäre, eine Frauengruppe zu schaffen, die die Möglichkeit hätte, ehrliche und; unverwässerte zionistische Erziehungsarbeit zu leisten ohne ständige Konzession an die Neutralität. Auch ihr liege am Herzen*,, daß die Wizo durch die Misrachi-Frauengruppen nicht geschädigt werde, daß die Misrachifrauen aber wohl das Recht hätten, zu verlangen, daß die Wizo ihrerseits den entschlossenen Willen aufbringt, sich ehrlich mit den weltanschaulichen Problemen und Forderungen der misrachistischen Frauen auseinanderzusetzen. Den Protest der Wizo gegen die Misrachi-Frauengruppen verstehe sie nicht recht, da gerade in Deutschland seit vielen Jahren in verschiedenen Städten solche Gruppen existieren, welche Gelder sammeln und an ver- schiedene Institutionen nach Palästina schicken. Wenn nun die Misrachifrauen darangingen, in ihrem eigenen Hause Ordnung zu schaffen, und den Versuch zu machen, die einzelnen Gruppen zu einer geordneten Organisation zusammen zu fassen, so müßte dieser Versuch gerade von der Wizo begrüßt werden, denn es wäre nicht recht einzusehen, warum die Wizo gegen eine geordnete Arbeit mehr einwenden könnte,, als gegen eine ungeordnete. Frau Müller-Cohen richtete an die Frauen den Appell, die Perspektive der Wirklichkeit zu sehen, sie führte weiter aus, daß sie weder eine Gruppe bekämpfen noch angreifen wolle, man müsse aber erkennen, daß die Trennungslinie zwischen den religiös eingestellten und nichtr eligiösep . Frauen in dem weltanschaulichen Gegensatz zwischen Glauben und Unglauben liege. Hieraus ergibt sich, daß die Misrachifrauen sowohl in ihrer konkreten als in ihrer programmatischen Arbeit einen Teil ihres Weges gemeinsam mit der Wizo gehen können und wollen, daß sie aber ein Stück des Weges allein gehen müssen, um in Palästina Institutionen zu schaffen, die zugleich die religiöse und fachliche Ausbildung von Mädchen und Frauen ermöglichen. In den Institutionen der Wizo könne dies nicht gegeben werden, weil die überwiegend große Zahl ihrer Schülerinnen eine religiös eingestellte Ausbildung ablehnt. Main kann von Lehrkräften, die selbst nicht religiös eingestellt sind, nicht verlangen, daß sie eine Ausbildung leiten sollen, die von religiösem Geist durchdrungen ist Dazu tritt noch die Tatsache, daß gerade in Palästina Institutionen, welche nicht positiv religiös eingestellt sind, leicht antireligiös in ihren Auswirkungen werden. Aus den angeführten und vielen anderen Gründen, die zu erörtern es an Zeit und Gelegenheit fehlt, mußten die Misrachifrauen, gemeinsam mit der seit mehr als fünf Jahren bestehenden „Mizrachi Women's Organization of America", den Versuch machen, eigene Institutionen in Palästina zu schaffen,. Die erste dieser Institutionen wird derzeit in Jerusalem errichtet und soll der Beginn eines „Gesellschaftszentrums" für religiöse Mädchen sowohl des alten wie des neuen Jischuw werden. Die amerikanischen Damen haben sich mit den Vertreterinnen der Wizo und anderer Organisationen in Palästina vor Gründung dieser Institutionen ins Einvernehmen gesetzt und hat sich bei dieser Gelegenheit wieder sehr deutlich gezeigt, wie notwendig es wäre, den so oft beschlossenen und beratenen Council in Tätigkeit zu setzen. Viele Irrtümer und Reibungen zwischen Wizo einerseits und Misrachi-Frauengruppen andererseits hätten von Anbeginn vermieden werden können, wenn man in Palästina die Möglichkeit der Verhandlungen mit einer autoritativen und neutralen Stelle gehabt hätte. Was die programmatische Arbeit anbelangt, so liegt die Frage vor den Misrachifrauen: Wie bauen wir unsere religiöse Welt in Erez-Israel und in der Galuth. Wir wissen, daß Erez-Israel nach dem Willer. der Menschen gebaut wird, die nach Erez- Israel gehen. Um religiösen Menschen die Möglichkeil: zu geben, nach Palästina zu gehen, müssen wir für sie Möglichkeiten schaffen. Für das Galuth liegt ein Teil der Problematik darin, daß häufig Miitter mit leeren Händen vor ihren Kindern stehen, weil sie nicht die Möglichkeit haben, ideelle und materielle Werte ah sie weiterzugeben. Wir glauben, daß die Idee von Thora und Awodah, wie sie die misrachistische Jugend vertritt, einen großen Wertfaktor darstellt, und wir sehen es leider nur zu oft, daß Mütter diesen Bestrebungen ihrer'Kinder verständnislos gegenüberstehen. Wir glauben, daß Frauen, aus religiösen Kreisen, welche bisher jeglicher Palästinaarbeit fern gestanden haben, durch

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