Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 5-6 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 64 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 64 Z I O N Nr. 5/6 Misrachi-Frauenorganisationen erfaßt werden können. Wir werden den Frauen einen Weg der Verständigung mit der jungen Generation zeigen, wodurch es möglich sein wird, wertvolle Kräfte sowohl aus dem Kreise der Frauen als auch aus dem Kreise der jungen Menschen für den Palästinaaufbau zu gewinnen. Welche Organisationsform die misrachistischen Frauengruppen innerhalb des Rahmens der Wizo einnehmen sollen, ist noch nicht endgültig festgelegt und soll Gegenstand von Verhandlungen sein. Werden wir einander verstehen wollen, wird alles leicht sein. Werden wir gewollte oder nichtgewollte Mißverständnisse schaffen, wird alles schwer werden, sowohl für die Wizo als für die Misrachi-Frauengruppen. An diese Ausführungen knüpfte sich eine sehr lange und von beiden Seiten mit äußerster Heftigkeit geführte Diskussion, an welcher sich Frau Dr. Freier, Frau Winter, Dresden, Frau Lepinski, Frankfurt am Main, Frau Jenny Blumenfeld, Frau Dr. Wolfsberg, Frl. Frankenstein und andere Damen beteiligten. Aus Raummangel kann über den Verlauf dieser Diskussion hier nicht berichtet werden. * Rabbi Jakob Josef Twerski Am Freitag, 14. Ijar, trugen wir ihn zu Grabe. Ein jäher Tod riß ihn in der Vollkraft seines Schaffens, im 58. Lebensjahre, aus unserer Mitte. Tausende sind trauernd seiner. Bahre gefolgt. Als Sprosse der berühmten Zaddikimfamüie, der „Czernobler", in Rachmistriwk (Ukraine) geboren mit der Zaddikimfamilie der „Sadagorer" eng verschwägert, ließ sich Jakob Josef Twerski in seiner Jugend in Strusow (Galizien) nieder, verlegte später seinen Wohnsitz nach Stanislau und wurde deshalb mit dem Beinamen „Der Stanislauer" bezeichnet. Dank seinem einnehmenden Wesen gewann er bald Tausende von Anhängern. Im Gegensatz zu vielen anderen Chassidimführern nahm er großes Interesse an unserer wachsenden nationalen Bewegung und bemühte sich überall, namentlich aber in den Herzen der chassidischen Jugend, Verständnis für unser Aufbauwerk im Lande der Väter zu wecken, um sich dann offen, trotz Widerspruches aus seinen Kreisen, in unsere Reihen zu stellen. Die Wirren des Weltkrieges brachten ihn nach Wien. Hier fand er die Zeit und den Boden günstig für die nationale Arbeit. Freudig folgte er dem Rufe seines leiblichen und geistigen Verwandten, des unvergeßlichen Rabbi Chaim Schapin», genannt der „Drohobyczer". Es galt, in dem zu gründenden Verein „Jischuw Erez-Israel" die vielen aus dem Osten geflüchteten Traditionstreuen zu organisieren und dem zionistischen Gedanken zuzuführen. Mehr als 600 waren es, die auf den ersten Ruf. zum „Jischuw Erez-Israel" kamen. Der „Jischuw Erez-Israel" wuchs dann, unter Anschluß der thoratreuen Zionisten aus Wien und anderen Ländern, zur „Misrachistischen Landeszentrale für Oesterreich'"'. Es war dies ein Werk, um dessen Zustandekommen sich namentlich Rabbi Jakob Josef Twerski verdient gemacht hatte. Sein Arbeitseifer und die Hingabe, mit der er sich dem Misrachi widmete, waren bewundernswert. Die Arbeit um die Versorgung der durchreisenden misrachislischen Chaluzim lag ihm ganz besonders am Herzen. . Die durch ihren Seelenadel und Arbeitsfreude ausgezeichneten Lichtgesiallen des Rabbi Chaim Schapira und Rabbi Jakob Josef Twerski waren es, die die Genossen zur Arbeit und Opfer hinrissen. Rabbi Chaim Schapira war die ruhige, verklärte und Rabbi Jakob Josef Twerski die temperamentvolle, dynamische Triebkraft des Misrachi. Rabbi Chaim Schapira vermochte nicht länger sein ganzes Leben in der Galuth zu verbringen. Er ging in das Land der Väter, wo er von allen Schichten des jüdischen Palästina, die linksradikate Arbeiterschaft nicht ausgenommen, verehrt und vergöttert wurde. Nun ruht er am Oelberge in heiliger Erde. — Rabbi Jakob Josef Twerski konnte zwingender persönlicher Umslände halber dem Rufe Schapiras nicht folgen. Doch ging er vor etwa eineinhalb Jahren für einige Monate nach Erez- Israel, um unser nationales Aufbauwerk mit eigenen Augen zu sehen. Glücks)rahlend und hoffnungsfreudig kehrte er zurück. Den durch traurige innere Verhältnisse in Wien in seiner Arbeitsfähigkeit geschmälerten Misrachi suchte er nun zu erneuern und die verstreuten abseitsstehenden Kräfte zu zfonistisch-misrachistischer Arbeit zu sammeln und zu einen. Noch in den letzten Tagen fanden über seine Initiative dahinzielende Besprecht-ngen und Beratungen statt. Nun hat ihn ein unerbittliches Schicksal uns plötzlich entrissen. Ueber diesen schweren Verlust trauern sein in Jerusalem lebender Vater Rabbi Chaim Nachman, seine Witwe und seine Söhne und viele Tausende seiner Anhänger, Verehrer und Freunde. Secher Zaddik Liwrachah. Dr. Samuel Rappaport, Wien. Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Verlag des „ZION": Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Druck: Itzkowski & Co., Berlin NT 24, Auguststr. '69.