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Zion · 1931-05-01 · 5-6 (5.1931) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
5-6 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 62 (sequence 20)
Language
German
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Seite 62 Z 10 N Nr. 5/6, jüngsten Superkommentar zur britischen Palästinapolitik, damit die Freunde draußen doch wissen, was sich der Jischuw denkt. Je nun, mag ein anderer schreiben! Die Feder führt fast jeder Jude flott. Dieser Garten aber ist ein Stück jüdischer Front, das es zu halten gilt mit Hacke und Karst. Schließlich, wer bleibt im Völkerringen Sieger: der schlauere Diplomat, das stärkere Heer oder der zähe Bauer? ... Da blinkt aus der Erde schwarzem Grund ein Marmorwürfelchen — eins mehr für meine S&'nmlung. Derlei schmückte wohl einst als kunstvolles Mosaik den Estrich jener Prunkvilla, die einem Centurio oder gar dem Proconsul auf diesem schönen Hügel stand. Von hier sah er in sattem Stolz auf Aelia Capitolina hinab, das die Weltenherrscherin Rom zum ewigen Triumph über das vernichtete Judäa getürmt. Wahrlich, keine leere Phrase von mir. Ja, ebenda am Hügelkamm schlang sich die Kette der Römerstraße nach Bethlehem hin. Die Quadern ihres Fundaments säumen nun unsere Terasse und am Tor der einsame Block dient mir, wie stets zu Feierabend, auch jetzt als Ruhesitz, als Träumespender . . .. Titus — Mac- Donald, Schall und Rauch. Siegen, siegen wird der jüdische Bauer! Die Bürgschaft der Zukunft. Doch seid nicht hoffärtig! Hat unser Volk wirklich ausgesorgt und steht unsere Front schon fest genug wider jeden Rückfall? Sind wir vor allem der Gefolgschaft unserer Kinder so gewiß? Während ich hier im Garten schanzte, spielte drinnen mein Töchterlein Klavier und vorm Tor plauscht die zweite, wenngleich Iwrith, mit einer Freundin. Warum traten sie nicht lieber zum Vater und übernahmen das Werkzeug aus seiner müden Hand? Tat ich gut daran, daß ich sie Europa sehen und von der „Schönheit Jawans" kosten ließ? Doch manch andere Eltern, deren Brut nie außer Land kam, klagen, auch sie rühre kein Gartengerät an. Wie das? Versagt da der magische Reiz dieser Landschaft, der Ahnensprache Werberuf, das erhebende Schauspiel unseres Heldenkampfes um ein Volleben in nationaler Größe und Ehre? All dies, sollte das auch keine Panacee sein gegen die Selbstpreisgabe, gegen das Verbluten unseres Volkstums? Vielleicht, hoffentlich, ist diese Haltung der Kinder nur Episode, nur ein natürlicher Ausdruck der Flegeljahre, die sich im Streben nach eigener Willensbildung justament anders gebärden. Oder aber sitzt das Uebel tiefer? Könnte unseren Kindern zu banaler Selbstverständlichkeit verblaßt sein, was uns höchstes Streben ist, als Lebensziel und Lebenszweck voranschwebt? Oder droht gar die tragische Nemesis, daß unsere Kinder sich ebenso gegen uns und unsere Ideale auflehnen, wie wir es in flammendem Jugendmut gegen das Geschlecht vor uns taten? „Väter und Söhne". Wir gegen jene Götzen der Assimilation und unsere Kinder gegen — —. Undenkbar, unerträglich und unmöglich! Da rauschen im Silberlicht des Vollmondes die jugendschlanken Gipfel der Bäumchen, die ich mitpflanzen half, auf, als nähmen nun sie das Wort: „Sieh', wir .sproßen als fernste Nachfahren jener Bäume, von denen die Bibel erzählt, daß dieser heilige Boden sie einst nach ihrer Art gebar, gesäugt und hochgebracht. Die Verheißung trügt nicht. In unserem Schatten, in. der treuen Hut dieser alt-neuen Bäume, die wir täglich erstarkenj werden jüdische Enkel und Urenkel mit ihrem ersten Schrei das neue Leben in _ Erez-Israel begrüßen. Sie werden Euer Werk vollenden!" * Anmerkung der Redaktion. Wir glauben, wir können unserem geschätzten Mitarbeiter auch eine Antwort auf seine bange Frage wegen der Zukunft des nächsten Geschlechtes geben. Wie Inhalt und Ton seiner Zuschrift uns beweist, und nur deshalb paßt sie ja in den Rahmen unseres Blattes hinein, übt das Land auf ihn bereits einen starken zum Religiösen hin tendierenden Einfluß aus. Warum nicht bewußt die Konsequenz ziehen und sich dem Gesetz, das Judentum ist, freiwillig und ganz unterordnen? Warum nicht einmal wissen, daß Schmittajahr ist? Warum sich nicht darum bemühen, in den Geist des Gesetzes einzudringen und sein Leben nach ihm einzurichten, da man doch zu denen gehört, die ihr ganzes Leben mit Jüdischem erfüllen wollen? Warum nicht das unerhört Heroische erkennen in der Forderung, die der „schöne Jid" mit langem Bart und Talar an ihn stellt? Wäre die Einstellung der älteren Generation so zu „dem Gesetz", erfüllten sie ihr Leben so mit jüdischem Geist, wären sie nicht dauernd Menschen der Konzessionen, sondern solche der Konsequenz, dann, würde es ihnen auch leichter fallen, ihre Kinder mit den Idealen zu durchtränken, die ihr eigenes Leben bewegt und ihnen Hacke und Spaten in die Hand drücken. Um Ihnen, geschätzter Herr Mitarbeiter, und vielen, die so treu jüdisch wie Sie fühlen, aber n och nicht handeln, dies sagen zu können, haben wir an Ihrem Absatz über die Schmitta auch nicht ein einziges Wörtchen gestrichen. Zur Frage der Misrachi- Frauengruppen. Im Rahmen des II. Delegiertentages des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästinaarbeit, der Donnerstag, * den 14 Mai, in Berlin tagte, fand auch eine Aussprache statt, welche sich mit der Stellungnahme der Wizo resp. des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästinaarbeit, zur Frage der Schaffung spezieller Misrachi-Frauengruppen beschäftigte. Frau Recha Freier, Berlin, referierte über das Thema „Entwicklungsmöglichkeiten'' und sprach sich gegen die Gründung von Misrachi- Frauengruppen aus, da sie darin einen geistigen Rückschritt erblickt, der die unter den Frauen bisher bestehende Einheit zersplittere, wodurch eine große Gefahr für die Arbeit der Wizo entstehen könne, sie meinte auch, daß die Schaffung solcher Gruppen auch für die misrachistische Bewegung ein .gefährliches, Experiment bedeutet. In der Nachmittagsitzung präzisierte Frau Dr. Turnowski, Berlin, als Vertreterin des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästinaarbeit ihre Stellungnahme zur Frage der Misrachi-Frauengruppen. Vom Standpunkte der Wizo aus gesehen, müsse sie die Frauenarbeit als feste Einheit betrachten und die Einstellung nach Parteirichtungen könnte zu einer Zersplitterung und Desorganisation führen, vor der sie nicht genug warnen könne. Sie verweist auf die Zersplitterung innerhalb der zionisti-

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