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Zion · 1931-05-01 · 5-6 (5.1931) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
5-6 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 61 (sequence 19)
Language
German
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Nr. 5/6 2I0N Seite 61 Aufbau wohlwollend zu prüfen. Der und jener bringt auch sein Sprüchlein vor: „Du" — (auf gut Hebräisch sind alle per Du) „frisch gemistet hast Du; da muß man täglich aufspritzen, sonst verbrennen die Blumen." Ein anderer: „Die Bougainvillia dort", dabei zeigt er auf die violette Kletter» pflanze an der Hausfront, „gehört schon beschnitten, damit der Stamm sich krättigt." Und ein Dritter: „Ich bring' Dir Setzlinge meiner vollblütigen Geranien; kannst Du mir vielleicht von diesem Kaktus abgeben?" Mancher tritt gar im Eifer durchs Gartentürchen ein; so Herr Karmi, mein Nachbar zur Rechten, der nicht müde wird, gegen unsere, entlang dem Straßenzaun erhöhte Terasse zu protestieren, denn e r sei entschieden für breite, flache Beete . . . Auch Araber kommen fürbaß, und gleich in zwei Sorten. Zunächst mal die Fellachen des Dorfes Zur Bah'r drüben. Zwar hätten sie noch andere Verbindung zur Stadt, aber unsere, Asphaltstraßen sind ihnen doch lieber, als die holprige Tradition ihrer abwechselnd staubigen und kotigen Felssteige. Früher standen diese Burschen nicht schlecht mit Talpioth. Ihre Weiber verkauften hier Eier, Hühner und Gemüse, ihre Herden weideten das Grün unserer Bauplätze und im Sommer trat man ungeniert in unsere Häuser, um sich aus den bereitgestellten Wasserkrügen zu laben. Dann folgte — im August 1929 — der Ueberfall auf Talpioth und die von Zur Bah'r plünderten im Nachtrab der Beduinen redlich mit, wofür sie freilich unter dem Feuer der entfesselten Tommies bitter zu büßen hatten. Seither waren die braunen Vettern durch fast ein Jahr verschollen, und nun sind sie wieder da, in ihren malerischen Trachten, mit vollbepackten Weibern, Eseln, Maultieren und Kamelen, aber ohne ein Wort an uns Juden, ja ohne, den Kopf zu wenden. Sage einer, wieviel daran Angst oder Haß sei, oder ist es vielleicht doch böses Gewissen? Die andere Sorte Araber scheint zahmer. Es sind Christen aus dem nahen Bakaa und anderen Quartieren Jerusalems. Sie kommen zu Fuß oder entsteigen dem Auto, die meisten — bis auf den Fez der Männer und die schwarz untermalten Augen der Frauen — ä la London ausstaffiert. Nachdem sie sich im „Cafe Guritzky" an Gasos und Glidah, Sodawasser und Gefrorenem, erquickt haben, gustieren sie die Gärten der Jahudi. Was führen nun diese vornehmen Besucher im Schild? Beim Pogrom hatten sie zwar nicht direkt mitgetan, doch hämisch gelacht, als die Juden von Talpioth um ihr Leben flohen. Und dennoch unsere Vettern allesamt und, wenn es sich gut fügt, einmal unsere Brüder! Doch jenseits der Straße liegt eine andere Welt. Dort dehnt sich, schon im Dunstkreis des neuen stolzen Gouverrteurpalais und selbst mit Teer parfümiert, der heilige Golfplatz. Die britische Hautevolee huldigt da, fein säuberlich durch hohes Stacheldrahtverhau von den Natives aller Art geschieden, dem Nationalgott Sport. Doch Wahrheit um jeden Preis! Ein paar Araber sind doch in dies Paradies zugelassen: Kleine zerlumpte Jungen, die für einige Grusch im Tag wie Aeffchen nach den verrollten Bällen springen. Müssen wir Juden das auch lernen, um Großbritanniens re^t'o e Gunst zu erringen? Doch nein, unrecht ist es, solchem Groll nachzuhängen. Hoch und untilgbar klingt in Erez- Israel das Lied jener Oxforder Studenten, die als freiwillige Schützer jüdischen Gutes und Blutes ihrem redlichen Herzen mehr gehorsamten denn der hohen englischen Politik. Solche Oxforder schickt uns mehr, und wir wollen Euch lieben und ehren! S c h m i 11 a. Nach Büroschluß, wenn die Abendbrise vom Merr weht, ist es an der Zeit für meine „Chaklauth". Neulich, als ich so mitten drinnen bin, hingegeben und entrückt, ruft mich wer vom Nachbargarten an. Steht dort ein „schöner Jid" mit langem Bart und Talar — sicher e\n Gast der Pension Karmi — und sagt: „Weißt Du denn nicht, daß wir Schmittajahr haben?" Erst bin ich paff. Keine Ahnung! Geht denn nicht in jedem jüdischen Dorf Palästinas die Landwirtschaft ihren ruhigen Gang? Und war nicht schon Rabbi Mohilewer s. A. diesem Schmittagebot irgendwie durch Auslegung beigekommen? . . . Verlegen mußte ich wohl gelächelt haben, denn erbost riet mein Mentor: „Da gibt es nichts zu lachen!" Indes, schon gefaßt, geb' ich Bescheid: „Wer aber soll Gottes Land pflegen, wenn wir Juden feiern?" „Das ist Gottes Sache, Gesetz bleibt Gesetz!" „Gut", brumme ich in launiger Ketzerei, „so will ich meinen Garten einem Goi verkaufen oder verschenken, der braucht sich, um die Schmitta nicht kümmern." Hiermit kehre ich, den Spaten geschultert, ins Haus zurück, bis sich der Glaubensstreiter verzogen hat. Ein Stoßgebet. Sind nicht während dieser Pause des Religionsdisputs im Rosenbeet die Steine nachgewachsen? Seit sechs Jahren schon, da wir uns hier festsetzten, geht das Spiel. Rastlos schleppten meine brave Frau und ich von unserem Grund die Steine zum Zaun und drüber weg. Steine aller Größen und Formen, Steine in gewaltiger Zahl, und stete neue drängen aus dem Zauberboden nach. Zum Verzweifeln schier. Dennoch darf man nicht lockerlassen! Schließlich werden ihrer ja weniger und auch das freche Unkraut, „Dorn und Distel" der Unheilspropheten, schwindet, je mehr sich die freundlichen Weinreben breiten und die Fruchtbäumchen höher recken. Freilich, anfangs machte die Arbeit müde und steif, der Rücken schmerzte und jedes Glied; doch wie dann ein Trunk Wasser schmeckt, und mag es vom Winterregen trüb oder von Sommerglut lau sein! Und hat sich der Körper erst trainiert, dann fühlt er sich gestählt, verjüngt. Ging es doch dem ganzen Judenvolk so in diesem wunderlichen Land. Hart ward es und zäh im Ringen mit der steinigen Scholle und diese Kraft hat sich dann gegen eine Welt von Feinden, so über die Grenzen brach, schöpferisch bewährt und selbst draußen noch im langen Elend der Galuth erhaltend nachgewirkt. „Gelobt seist Du, Ewiger" quillt das Stoßgebet auf, „der Du unser Land so steinig gemacht!" — Also, was bin ich nun: Ein Ketzer oder gar ein Frommer? Der Römerstein. Und wieder ein Tag. Hatte ich nicht für heut abend vor, dem Garten nur ein Stündlein zu widmen? Und nun riß es mich fort von Griff zu Griff, vom Entsteinen zum Wasserschleppen, vom Jäten zum Wegebau. Schon steigt der Mond auf. Was wollte ich nur drinnen in der Stube? Ach ja, einen Aufsatz schreiben über MacDonalds aller-

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