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Zion · 1931-05-01 · 5-6 (5.1931) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
5-6 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 59 (sequence 17)
Language
German
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die Verantwortung für Schritte, wie sie unter Umständen nötig sind, nicht übernehmen. Natürlich kann die Marschroute nicht letzte Details mit umfassen. Ganz neu auftauchende Vorschläge, die eine Möglichkeit der Sanierung bieten, werden von der Delegation mit berücksichtigt werden. Dr. Leibowitz' Gedanke von einem Aufgehen in der allgemeinen zionistischen Organisation kann gar nicht in Frage kommen. Wir haben noch genug Besonderes und Spezifisches in unseren Anschauungen, daß wir auf uns selbst gestellt noch etwas leisten können, auch als kleine Gruppe. Wenn Fischmann und Berlin Willen oder Möglichkeit zum Uebergang zu einem neuen System der Arbeit gehabt hätten, so war reichlich Gelegenheit dazu da, dies zu tun. Aber es ist klar, daß diese Männer nicht anders arbeiten können, als sie es getan haben, und mit diesem System haben sie abgewirtschaftet. Jetzt muß etwas Neues kommen, und dazu braucht man neue Menschen. Es ist bei uns keine Führerkrise, sondern eine solche der Methode, der Methode der Unverantwortlichkeit gegenüber einem System der Verantwortung. Wie immer der heutige Beschluß ausfallen wird, ob er von der großen Mehrheit oder von der Gesamtheit des deutschen Misrachi getragen sein wird, er muß klare Richtlinien geben, damit wir endlich wissen, wo wir stehen und woran wir sind. Lazarus Barth, Berlin, hält alsdann sein Referat über „Die Stellung des Misrachi auf dem Kongreß". Wir unterlassen es, über das Referat zu berichten, da Herr Barth in seinem Artikel in dieser Nummer des „Zion" die gleichen Gesichtspunkte entwickelt. Dr. Silberstein vertritt den Standpunkt derer, die, ohne sich mit den Methoden und Argumenten des Revisionismus zu identifizieren, doch eine Politik verfolgt sehen wollen, die in großen Linien der revisionistischen Auffassung nahe steht. Die Diagnose, die Jabotinski seit Jahren gestellt hat, habe sich als richtig erwiesen. Der Weizmannsche Kurs habe Schiffbruch gelitten und müsse deshalb einem anderen Platz machen. Wenn man Zionist sei, müsse man auch den Mut aufbringen, eine deutliche Stellung zur Frage der Majorität im Lande einzunehmen. Ohne Majorität ist eine jüdische nationale Gemeinschaft nicht vorstellbar. Das Parlament in Palästina unter den jetzigen Verhältnissen bedeute den Todesstoß für die nationale Heimstätte. Die für die Erweiterung der Jewish Agency gewählte Form habe sich als ein Hemmschuh ' für die Entwicklung Palästinas erwiesen. Man müsse sie liquidieren. Man müsse, trotz aller Verdienste, die Weizmann um Balfour-Deklaration und die Bewegung habe, darauf dringen, daß er seine Demission aufrecht erhält und sich nicht wieder wählen läßt. Vielleicht sei Ussischkin ein möglicher Nachfolger für ihn. Silberstein billigt den Rücktritt der misrachistischen Exekutivmitglieder. Bei der Aufstellung der Kandidatenlisten für den Kongreß müsse man die politische Meinung derjenigen, die wie er denken, berücksichtigen. Dr. Wolfsberg: Der Rücktritt des bisherigen Führers ist noch keine Lösung des Problems der Führerschaft. Die Lösung, die Jabotinski für die politischen Probleme in Bereitschaft hält, steht nicht nur im Gegensatz zu den Forderungen des religiösen Aufbaues, sondern auch zu denen realer Politik. Die sittlichen Motive dürfen bei unserer Politik nicht ausgeschaltet werden. Wenn man die Weizmannsche und die Jabotinskische Auffassung von unserem Verhältnis zu den Arabern miteiander vergleicht, liegt das höhere Ethos sicher bei der Auffassung Weizmanns. Den binationalen Staat hat Weizmann nie akzeptiert. Es wäre ein Verbrechen, auf die Balfour-Deklaration oder auf Teile derselben zu verzichten. Wir müssen danach streben, sie wieder zu dem werden zu lassen, als was sie gedacht war. Der Brith Schalom entbehrt der Einsicht in politischen Dingen, wenn er lediglich von ethischen Gesichtspunkten spricht, der Revisionismus aber läßt die sittlichen Momente überhaupt außer Betracht und das ist für uns eben so untragbar. Es gibt aber auch noch einen Mittelweg zwischen den Extremen. Ich bin auch kritisch gegen Weizmann, weiß aber keinen Mann, der ihn ersetzen könnte. Ussischkins Kraft liegt in der Aufbringung von Geldern, Politiker ist er nicht, und wir brauchen einen solchen. Andere Namen, die eine Lösung darstellen, sind nicht genannt. Die deutsche Kongreßdelegation muß einheitlich zusammengesetzt sein, gerade weil wir doch auch nur eine kleine Delegation sein werden. Die prorevisionistische Richtung im Misrachi wird ohnehin stark genug sein, und wahrscheinlich wird man auch den Fraktionszwang in dieser Frage anwenden. Es würde da gut wirken, wenn sich unsere Gesamtdelegation gegen diesen Zwang auflehnt. Es spielt dies ja auch wieder hinüber zu den Differenzpunkten, die wir mit der Misrachiorganisation haben. Für den innermisrachistischen Kampf würde es sehr gut sein, wenn wir auf dem Kongreß absolut geschlossen auftreten könnten. Nach einigen Einwendungen von Dr. Rabin und Dr. Silberstein wird die Diskussion geschlossen, um zu den Entschließungen des Permanenzausschusses Stellung zu nehmen. Dr. Barth erstattet den Bericht des Ausschusses. Die Vorschläge der Landeszentrale seien zur Grundlage derjenigen des Permanenzausschusses genommen worden, einige Aenderungen nicht priniipielelr Art habe man vorgenommen. Unterschiede haben sich in der Kommission nur ergeben bezüglich der aus einer eventuellen Ablehnung sich ergebenden Konsequenzen. Man habe davon Abstand genommen, Konsequenzen aus der Ablehnung einiger grundsätzlicher und allgemein gehaltener Forderungen vorzuschlagen, dagegen' sollten die finanziellen und organisatorischen Forderungen in einer Rahmenresolution der Delegation zur Weltkonferenz als ultimative Forderungen des deutschen Misrachi übergeben werden. Die Forderungen werden darauf einstimmig vom Delegiertentag angenommen. Die Rahmenresolution gelangt mit 24 gegen 8 Stimmen bei 3 Stimmenenthaltungen zur Annahme. Der Permanenzausschuß schlägt zu Delegierten vor: Rabbiner Dr. Hoffmann, Dr. Arnold Barth, Dr. J. Leibowitz, Lazarus Barth, als Ersatzdelegierte Alexander Adler und Eugen Michaelis. Die Wahl wird einstimmig vorgenommen. Die Aufstellung der Kongreßliste wird der Landeszentrale übertragen mit der Maßgabe, daß die ersten vier Kandidaten die Herren Dr. Wolf3-

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