Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 5-6 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 58 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 58 ZION Nr. 5/6 wir uns zur Trennung nur im letzten, äußersten Fall entschließen. Auf ein Kompromiß können wir uns heute nicht mehr einlassen. Rabin meint, unsere Männer hätten sich versag!, wenn man sie hat haben wollen. In Antwerpen war das nicht der Fall, aber man wollte unseren Einfluß auf die Geschäftsführung nicht. Der Poel Hamisrachi ist nicht einmal, sondern stets von unserem Merkas unterdrückt worden. Auch jetzt geht es wieder so bei der von den Poalim ins Leben gerufenen Bne-Akiba- Bewegung. Man will die Jugend nicht aufkommen lassen, weil man für die eigene Stellung fürchtet. Mit Leibowitz bin ich auch nicht einverstanden, denn man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Was existiert und gut ist, darf nicht untergraben werden. Es wäre gut, wenn in der Welt bekannt wird, was Dr. Rabin heute gesagt hat, denn nach seinem bisherigen Vorgehen mußte man ihn für einen sachlichen Gegner unserer Forderungen halten. Jetzt ist klar, daß dies nicht der Fall ist. Wem daran liegt, daß das Gute, was wir erstreben, durchgeführt wird, muß sich voll in unsere oppositionelle Front einschalten. Ob man unserer Delegation zur Weltkonferenz Vollmacht gibt, nach ihrem besten Wissen und Gewissen zu handeln, oder ob man ihr eine gebundene Marschroute gibt, es muß jedenfalls klar sein, daß es für uns kein Verbleiben in der Organisation gibt, wenn wir unterliegen. Dr. Lehmann, Berlin: Ein längeres Hinausschieben eines definitiven Beschlusses über die Weidali hinaus ist nicht möglich. Wegen des Fraktionszwanges sollte man den Kongreßdelegierten kein bindendes Votum mitgeben. Sie sollen die Möglichkeit haben, sich frei selbst, zu entscheiden. E i s n e r, Berlin: Der Antrag Edmund Lewys* ist gefährlich. Wir müssen jetzt von der negativen Kritik zu positivem Handeln übergehen. Dr. Grünberg, Berlin: Was über Raw Berlin gesagt wurde, schmerzt mich tief. Er hat den Misrachi nach dem Weltkrieg neu ins Leben gerufen, darüber kann man nicht hinweggehen. Unsere Anschauungen gehen doch nur bezüglich des Weges, nicht in der Sache auseinander. Die sachlichen Forderungen der Landeszentrale unterschreiben wir doch alle. Nur den Gedanken der Trennung lehnen wir kategorisch ab. Es werden einer Trennungsparole auch nicht alle Misrachisten in Deutschland folgen. Die Jugend hat unser aller Sympathie, sie soll sich aber nicht einbilden, die Entdeckerin des "Misrachi zu sein. Die alte Arbeit hat auch ihre Erfolge gehabt. Es istkein Beweis gegen ein Schulwerk, daß die Schulentlassenen nicht alle bei der Stange bleiben. Das kommt überall vor. Eine gute Grundlage ist in Erez-Israel für Misrachi-Arbeit vorhanden, diese wird aber nicht zu einer neuen Organisation übergehen, sondern bei der alten bleiben. Wenn man Trennung absolut durchführen will, darf man die neue Organisation nicht Misrachi nennen. Die Trennung würde nur zu einer Zersplitterung im religiösen Zionismus führen, der viel schaden, aber keinem etwas nützen wird. Dr. König, Frankfurt: Es sei interessant, d;>ß auch Rabin nur taktisch mit der Landeszentrale nicht einig geht. Wir alle, einschließlich Dr. Rabin. sind gegen Fischmann, wenn man auch anerkennt, daß er lange im Misrachi gearbeitet hat. Austreten sollte man nur dann, wenn wirklich der gesamte deutsche Misrachi hinter der Parole steht. sonst besteht die Gefahr, daß man nicht zu einer Bewegung wird, sondern zu einem kleinen Verein herabgedrückt wird. Der Antrag Edmund Lewy sei zu unterstützen.. Schragenheim, Berlin: Die Krise scheint doch nur eine organisatorische zu sein, sie ist eine Führerfragc. Trotz meiner langjährigen Gegnerschaft gegen den Merkas und gegen Farbstein warne ich vor einem Austritt. Zu einer neuen Bewegung gehört ein neues Programm, es scheine in Bezug hierauf aber keine Einheitlichkeit zu bestehen. Es wird sodann ein Permanenzausschuß gewählt,- der sich mitder zu fassenden Resolution und mit den Vorschlägen für die Delegation zur Weltkonferenz beschäftigen soll. Es werden hineingewählt die Herren: Benno Kohn, Dr. Rabi n, Dr. Barth, Dr. Leibowitz, R.-A. M i c h a e 1 i s, Dr. Grünberg, Dr. Rudolf Möller. Dr. Rabin: Wenn man sich schon klar sei, daß unsere Forderungen wenig Aussichten auf Annahme haben, müsse man doch auch darüber klar sein, wer mit uns gehen würde, wenn wir austreten. Darüber scheine noch gar nichts festzustehen. Es scheint mir hier kaum noch Verständnis für eine ruhige und leidenschaftslose Beurteilung der Folgen des Austritts zu sein. Ich bin für größte Zurückhaltung. Es scheinen doch auch Selbständigkeilsbestrebungen im Poel Hamisrachi zu bestehen. Vielleicht steht man also nach der Weltkonferenz vor ganz anderen Tatsachen, bis dahin kann man doch warten. Vielleicht findet man mit dem Poel Hamisrachi ein gemeinsames Programm. Im Prinzip schließe ich mich völlig den Forderungen der Landeszentrale an. Die Frage des Austritts sollte aber erst auf einem Delegiertentag nach der Weltkonferenz behandelt werden. Aexander Adler führt in seinem Schlußwort u. a. aus: Wir haben uns bei unseren Forderungen bemüht, jede Schärfe zu vermeiden. Es gibt keine „Berliner Richtung", wie Dr. Rabin meint, die in ihrer Erbitterung scharfe Forderungen stellt, sondern die Berliner Zentrale kennt die Verhältnisse in der Organisation so gut, daß sie weiß,- es ist alles erschöpft, was zu einer erträglichen Lösung führen kann, und wenn wir auch diesmal unterliegen, dann nützt weitere Opposition von innen heraus nichts mehr. Haben Sie das Vertrauen zur Landeszentrale nicht, dann wählen Sie eine andere. Man hat im Merkas in früheren Jahren viel Lobesworte für den deutschen Misrachi gehabt, der als einzige Landesorganisation seine Pflichten der Organisation gegenüber erfülle und ähnliches, aber unseren Vorschlägen hat man niemals Gehör geschenkt. Zu leisten hat im Misrachi eine Gruppe, zu bestimmen eine andere. Gewiß, auch die zionistische Organisation hat große Schulden, aber lange nicht so große im Verhältnis zu ihrem regulären Einkommen, und was das Ausschlaggebende ist. dort bemüht man sich um Sanierung, bei uns geht man über eine solche einfach zur Tagesordnung über. Das ist Bankrottpolitik. Wir waren in Wien noch bereit, aus Gründen, die Rabin und Grünberg heute anführten, Raw Berlin wieder in den Merkas zu ' wählen, aber gerade die palästinensischen Vertreter dort sagten uns, daß er für sie ebenso wenig in-. Frage komme wie Raw Fischmann, und in Erez- Israel ist Dr. Wolfsberg und Lazarus Barth dasselbe erklärt worden. Wir müssen für die Delegation eine feste Marschroute verlangen, denn sonst kann man