Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 5-6 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 55 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.- 5/6 Z I 0 N — Seite 58 gegen eine falsche, an dem Lebensnerv der Organisation greifende Methode zu einem Kampf gegen Personen, denn Methode und Person sind nun einmal unlösbar miteinander verknüpft, wenn die Methode der Ausdruck einer starken Individualität ist, wie das bei der Arbeit des jetzigen Merkas der Fall ist. Und man verbreitete gegen uns mit der Absicht, unsere Opposition zu diskreditieren, die Legende „die deutschen führen einen Kampf nur gegen Personen". Während in der ersten Zeit der Ausdruck „die deutschen" noch bewußt als eine verkürzte Ausdrucksweise für „die deutschen Misrachisten" benutzt wurde, entstand allmählich die Parole von „den Deutschen", mit großem Anfangsbuchstaben, um einen Gegensatz zwischen Ost- und West anzudeuten. Und wir mußten erkennen, hier ist nichts mehr zu erreichen mit den Mitteln „seiner Majestät getreuer Opposition", hier muß die Minorität, um sich vor dauernder .Vergewaltigung zu bewahren, auch vor äußersten und letzten Konsequenzen nicht zurückschrecken. Es gibt Situationen, in denen kein anderes Mittel mehr zur Verfügung steht als die Form zu zerbrechen, um den Inhalt zu retten. Und noch eines kommt hinzu: Die wirtschaftliche Katastrophe, der der Misrachi entgegengeht, wenn nicht noch jetzt in allerletztei Stunde ein anderer Weg beschritten wird, eine Katastrophe, die den letzten Rest moralischen Ansehens der Partei zu vernichten droht, rückt mit Riesenschritten näher. Wir haben nicht mehr Zeit, in gemächlicher Ruhe abzuwarten bis wir aus der Minorität zur Majorität werden, sonst tragen wir mit an der Verantwortung für Leitung von Organisation und Wirtschaft, werden auch selber mit verstrickt in Desorganisation und Mißwirtschalt, wir müssen versuchen, etwas zu schaffen, das als unabhängige, selbständige Kraft dasteht, wenn die alte Wirtschaft und mit ihr die Organisation in die Brüche geht. WTir sind überzeugt davon, mit unserem Ausscheiden aus der alten Organisation geht diese nicht kaput, sie wird weiter bestehen, wie sie heute besteht. Aber die alte Form, daß jeder misrachistisehen Anschauungen huldigende Zionist sich nur einer Organisation anschließen kann, und sich ihr nur widerwillig oder gar nicht anschließt, die zerbrechen wir, indem wir eine eigene Organisation neben die alte stellen, in der diejenigen Befriedigung finden sollen, die bisher abseits standen oder abseits gedrängt wurden. Der Schwierigkeiten, die uns entgegenstehen., sind wir uns voll bewußt, aber wir haben den Willen zur Arbeit und wissen, daß in allen Ländern uns Anhänger zuwachsen werden. Unsere Freunde in Erez-Israel werden uns zur SeiLe stehen und die Gelder, die wir für praktische Zwecke des Aufbaues im Geiste der Tradition aufbringen, zur Verteilung bringen- Direkte Unterstützung des Aufbaues wird unsere vornehmste Aufgabe sein, das Verantwortungsgefühl der traditionell orientierten Zionisten für alles, was im Lande geschieht, zu erwecken und zu aktivem Ausdruck zu bringen, ist uns Mittel zum Zweck. Die Beschäftigung mit den Fragen der Politik muß zurücktreten hinter den Aufgaben, die das Land und das tägliche Leben in ihm an uns herantragen. Aber all dies sind nur die letzten Konsequenzen für den Fall, daß unsere Forderungen auf finanziellem und organisatorischem Gebiet von der Weltkonferenz abgelehnt werden sollten. Noch dürfen wir nicht den Mut sinken lassen, daß der Weltmisrachi sich unseren Vorschlägen geneigt zeigen wird. Wir .werden mit aller uns zur Verfügung stehenden Energie unsere Anschauungen vertreten. Allerdings hat die Leitung des Weltmisrachi in weiser Voraussicht dessen, was kommen kann, uns unseren Kampf dadurch erschwert, daß sie die Weltkonferenz acht Tage vor Beginn des Kongresses nicht etwa in die Nähe des Kongreßortes gelegt hat, sondern einen Ort wählte, der 21 Stunden Schnellzugfahrt vom Kongreßort entfernt liegt. Tn D a n z i g wird die Wcltkonferenz stattfinden. Ein neuer Beweis für uns, wie wirtschaftliches Denken etwas ist, das unserer Leitung absolut fremd ist und ewig fremd bleiben wird. Wir wissen, wie jedes Pfund, das für Reisen ausgegeben werden muß, heute in Erez-Israel in Kolonisation und im Schulwerk fehlt. Trotzdem werden ro—15 palästinensische Delegierte und ebensoviele aus den südlichen Ländern Europas zu nutzloser Verschwendung von mindestens 5 Pfund Reisespesen pro Person gezwungen, um es einer Anzahl von etwa 20 Delegierten aus Polen, die voraussichtlich regierungstreu sein werden, zu ermöglichen, die Konferenz zu besuchen. Daß die aus etwa 15 Menschen bestehende Kongreßdelegalion des Misrachi aus Polen ebenfalls stark erhöhte. Spesen dadurch haben wird, erhöht den nutzlos ausgegebenen Betrag bedeutend. Es ist klar, daß dieses durchsichtige politische Spiel, denn eine ganze Anzahl von Leuten werden nicht nach Danzig fahren, das Ziel einer Vertrauenskundgebung für die jetzige Leitung hat. Trotzdem werden wir alles versuchen, um uns durchzusetzen, wenn auch unsere Hoffnung auf Erfolg nur gering ist. Bericht Uber den Delegiertentag. An der Tagung nahmen 28 Delegierte aus 12 Gruppen, sowie 8 Mitglieder der Landeszentrale mit Stimmberechtigung teil. Dr. Wo 1 f s b e r g eröffnete den Delegiertentag und begrüßte die Delegierten. Er berichtete sodann über die Eindrücke, die er auf seiner Erez-Tsrael- Reise empfangen hat (s. Dr. Wolfsbergs Artikel