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Zion · 1931-05-01 · 5-6 (5.1931) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
5-6 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 54 (sequence 12)
Language
German
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Seite 54 2 1 0 N Nr. 5/6 heute nicht erneut behandelt werden. Das ist mehr eine politische Frage. Ueber den Kreis unserer Institute hinaus haben manche Menschen weitreichenden Einfluß. Wenn ich nur einige nenne, ist es für andere keine Schmäierung. Assafs wissenschaftliches und' menschliches Ansehen, Jeschaja Schapiros Geltung in den Kreisen der Linken, Strucks Name und Ruf, Adolf Frankels Gelehrtenruhm und Teilnahme an der Gestaltung vieler Dinge, Ostrowskis treue Arbeit im Waad Leumi sind hoch erfreuliche Beispiele. Hier ruhen die Ansätze zu Größerem, zu unmittelbarem Eingreifen in das Werden des künftigen Lebens. Der Misrachi hat im Kolonisatorische n nichts Ebenbürtiges vollbracht. Nur das, was in kurzer Zeit und mit geringen Mitteln der -Kibbuz Rodges zustande gebracht hat, ist so verheißungsvoll, daß wir hoffen dürfen, auch auf diesem Gebiet in erfolgreichem Wettbewerb treten zu können. Wenn auch Scheich Abrek sich entwickeln wird, so werden wir auch auf diesem Felde Freude haben, denn unsere Hoffnung beruht auf der Entwicklung des Hapoel Hamisrachi. Im Streit um den Vorrang des Kulturellen oder der Agrararbeit meine ich, daß es hier nur ein Sowohl-als-auch gibt. Wenn ich von meinen Erfahrungen im Lande ausgehend zu Kongreßfrsgen und Zukunftsgestaltung sprechen soll, kann ich es nur in dem Sinne, daß diese beiden Fundamente von uns gefestigt und von der Gesamtheit gefördert werden müssen. Der Kongreß muß verstehen, daß unserer Richtung nicht nur Daseinsrecht zukommt, sondern daß die in der produktiv und schaffend eingestellten traditionellen Schicht des Jischuw, d. h. also besonders in den Elementen des Hapoel Hamisrachi (aber nicht nur in ihnen) ganz besonders wertvolle Faktoren des Aufbaues liegen, daß die. Stabilität der Lebensauffassung in Weltanschauung im Verein mit dem Willen zur Erneuerung großes Gedeihen verbürgt. Wir hoffen, daß der in den bürgerlichen Kreisen Palästinas reichlich vorhandene mangelnde kritische Sinn in rebus politicis einer besonneneren Auffassung Platz machen wird, und die religiös verinnerlichte, kulturell geduldige aber fruchtbare Denkweise und die Beherrschtheit in der Politik und ihre Eingliederung indie sittliche Anschauung, die das Schaffen höher stellt, als das Fordern, uns dem Tage näher bringt, der unser Werk in .Diesseits und Ewigkeit fest verankert. Ich denke, wir deutsche Misrachisten werden an dieser Entwicklung entschlossen mitwirken. Nach der Delegiertentagung des deutschen Misrachi. Der Delegiertentag der Misrachi-Landesorganisation für Deutschland hat einstimmig beschlossen, der Weltkonferenz des Misrachi eine Reihe von Forderungen vorzulegen, in denen Weg und Arbeitsmethoden der Weltorganisation umrissen werden. Der Delegiertentag faßte ferner mit 24 gegen 8 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen den Beschluß, dem finanziellen und organisatorischen Teil dieser Forderungen ultimativen Charakter zu geben und beauftragte die Delegation zur Weltkonferenz den Austritt der Landesorganisation aus der misrachistischen Weltorganisation zu erklären, falls diese Forderungen auch auf dieser Tagung nicht angenommen werden sollten. Ein schwerer, ein verantwortungsvoller, von keinem der Delegierten mit leichtem Herzen gefaßter Entschluß. Nach der Meinung der in der Minorität verbliebenen ist der gefaßte- Beschluß nicht nur verantwortungsvoll, sondern auch nicht zu verantworten. Die überwiegende Majorität ist anderer Meinung gewesen, es ist ihre tiefe Ueberzeugung, daß es nicht zu verantworten ist, in der gegenwärtigen Organisation zu verbleiben, wenn nicht auf der kommenden Weltkonferenz der Wille der misrachistischen Allgemeinheit zutage tritt, unter Anwendung radikalster Mittel diejenigen Schäden auszumerzen, die das Ansehen des Misrachi, und zwar seiner Organisation sowie auch seiner Idee, von Jahr zu Jahr mehr und mehr herabgedrückt haben. Man kann sagen, und mit Recht sagen, wenn man in einer Organisation steht und ist mit gewissen Dingen der Taktik, ja sogar mit Teilen der Ideologie, nicht einverstanden, dann gibt es den Weg der Opposition von innen heraus, die Minorität hat die Möglichkeit, langsam zur Majorität zu werden und sich durchzusetzen. Die Führer des deutschen Misrachi dürfen reinen Herzens von sich sagen, daß sie diesen Weg lange genug verfolgt haben. Seit Jahren, mindestens seit dem Jahre 1925, dem Jahr vor der Antwerpener Wellkonferenz ist unsere Stellung oppositionell zur Führung und Organisation, seit sechs Jahren sehen wir mit klaren Augen den Verfall der Organisation, erkannten die Mängel des herrschenden Systems, wiesen wieder und wieder auf die Notwendigkeit der Reorganisation hin, unterbreiteten positive Vorschläge materieller und auch personeller Art, fanden aber keinerlei Verständnis bei der Führerschaft, die' trotz ihres Fiaskos auf fast allen Gebieten ihrer Tätigkeit die unumschränkle Macht in Händen behalten konnte. Nur eines verstand die Führung des Misrachi ganz klar: daß ihre Machtstellung, ihre unbeschränkte Herrschaft zu Ende sein würde, wenn wir mit unseren For- : derungen durchdringen. So wurde unser Kampf

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