Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 5-6 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 53 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5/tt Z I 0 ÜT Seite 53 Lande meine Vermutung übertroffen hat. Bei allen Mängeln, Nöten und Fehlschlägen ist des Geschaffenen und Gelungenen so viel, daß es nicht verschwinden kann. Sei es eine Kwuzah wie Daganja, Gan Schmuel oder Merchawia, das Blühen vieler Kolonien und die Pracht der vielen Pardessim, sei es eine Fabrik wie Nescher, seien es die Rutenbergschen Stationen, seien es Krankenhäuser und Gesundheitsstationen, wie das Krankenhaus der Hadassah in Jerusalem, der Schm;ickkasten. das Krankenhaus in Afuleh und das Gesundhe.tszjntrum von Strauß in Jerusalem oder einige hervorragende Schulen — immer überkommt einem das Hochgefühl* hier haben Juden, der Zukunft vertrauend, Großes in kurzer Zeit gebaut. Diese Erkenntnis ist fundamental, und hinter ihr treten die aktuellen Schwierigkeiten zurück, die in der finana lien Situation begründet sind. * Am meisten läge es mir am Herzen, die kulturelle und religiöse Situation im Lande zu skizzieren. Aber die Gefahren einer solchen Darstellung sind groß. Nach so kurzem Aufenthalt sind die wirklich gewonnenen Kenntnisse weder ausreichend noch gesichert genug, und auf Intuition zu bauen, ist bedenklich. Das, was einen solchen Versuch so schwierig macht, ist gleichzeitig schon kennzeichnend für die dortige Lage: ungeheure Kontraste beherrschen das Feld, vieles ist im Werden, und die Tendenzen sind nicht deutlich genug. Der Gegensatz zwischen manchen Typjn des alten Jischuw, die im strengsten Festhalten an eine Lebensweise, die selbst im östlichen Europa kaum noch anzutreffen ist, sich von den Bestrebungen und Erfordernissen des neuen Lebens völlig fernhalten, ja sich von allem Schaffen lossagen, und manchen neuen Elementen, die aller Tradition den Rücken gekehrt haben: ist natürlich unendlich groß. Dieser große Abstand kommt im Schulwesen, im Erzieherischen, in den Kulturidealen, im schriftstellerischen Schaffen zum Ausdruck. Von Sonnen - leid zu irgendeinem Führer der Waadath Hatarbuth scheint keine Brücke zu führen. Daß alle irgendwie durch eine Liebe zu Erez-Israel geeint sind, laßt sich nicht übersehen; aber diese ist doch ein zu schwaches Fundament. Bedeutsamer erscheint mir, daß es in Erez-Israel eine echte Kontinuität gibt zwischen den Extremen, und daß in den mittleren Punkten besonders wertvolle Persönlichkeiten und Anschauungskreise zu finden sind. Die Figur von Rabbi Kook mit der Tiefe seiner ganz in der Tradition wurzelnden Frömmigkeit, der Größe seines rabbinischen Wissens, dem Wert seiner Gedankenwelt und der Schönheit seiner Seele ist eine gewaltige Garantie für eine kulturelle Zukunft unseres Landes in den Bahnen der Ueberlieferung, obgleich der Kontakt zwischen ihm und den freieren Elementen, bei aller ihm gern gezollten Verehrung, nicht so innig ist, wie es erwünscht wäre. Und auf der, anderen Seite ist Bialik, und mancher seines Kreises, in der Kraft seines Schaffens, das aus dem Besten unseres Erbgutes geschöpft ist, durch Wort und Tat, durch Lehre und Institution — ich denke an dje sehr segensreiche Einrichtung des Oneg Schabbath — berufen, an der Annäherung und Gesundung des Kulturlebens mitzuwirken. Die Gefahr des Levantinismus ist nicht gering. Rein sprachlich dokumentiert sie sich in der Freude an der Polyglottie und im Schaffen und Aufnehmen an einer Unruhe und Sprunghaftigkeil, die der gesunden Ruhe und Vertiefung entgegenwirkt. Ich bin Optimist genug, um zu hoffen, daß dies ein Uebergansstadium ist, und daß die Rückkehr zum Boden und zur Landarbeit seelisch alles zur Beruhigung vorbereiten wird. Aber man muß den Dingen ins Auge sehen und soll den Heilungsprozeß beschleunigen. Mir scheint, daß der gekennzeichnete Krankheitsprozeß auch seine gute Wirkung hat; er bringt besondere Elemente zur Besinnung, und ich habe den Eindruck, daß — insbesondere in Jerusalem — mancher moderne, der Traditior. entfremdete Mensch mit der Abkehr vom Levantinismus eine Hinwendung zur Welt der Ueberlieferung vollzieht, deren Entschiedenheit und Tempo allerdings durch ernste Lösungsversuche seitens Menschen unseres Kreises — Lösungen, die sowohl die Theorie wie die sehr wichtige Praxis (soziale Probleme etc.) betreffen — beschleunigt werden könnten. Ungeachtet dieser Kritik sei gesagt, daß das Hebräische blüht, und daß die Beweglichkeil; der Menschen sehr groß ist. * Im Schulwesen und im gewissen Sinne auch im Kulturellen ist der Anteil des Misrachi und seiner Schitah unverkennbar. Die Schulen haben einen guten Ruf. Alle wissen, was das Lehrerseminar und Tachkemoni bedeutet. Aber auch die Funktion des Lehrerinnenseminars und vieler anderer Schulen ist von Wert. In vielen und ausgedehnten Unterredungen mit E. M. L i p - s c rj i.t z,..häbe ich Arbeit und Struktur des Seminars kennen gelernt, bei Prüfungen gesehen, wie eingehend und gründlich die Kenntnisse der Schüler sind. (Ich konnte mich besonders von dem Wissen in Newiim-Rischonim überzeugen.) Viel geistige Bemühung ist im ganzen Unterricht zugrunde gelegt, und auch im schultechnischem Sinne ist viel Gutes zu sagen. Was außer Lipschitz, Assaf, Chacham, Ostrowski, Marschak, Engel, Mirkin, um nur einige .zu nennen, bedeuten, weiß jeder. Die erzieherischen Mängel sind bekannt und brauchen