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Zion · 1931-05-01 · 5-6 (5.1931) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
5-6 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 52 (sequence 10)
Language
German
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Seite 52 S I 0 ff Nr. 5/6 Lande gewandert sind, um dort zu versuchen sich ein Judentum aufzubauen, die Jugend aber, die im Lande heranwächst und die Galuth nicht kannte, kann .nur an das Schicksal des jüdischen Landes gekettet werden, wenn es in einem wahrhaft jüdischen Milieu aufwächst und nicht nur einen Aufguß europäischer Kultur kennen lernt. Und wie wirkt der bisherige Zustand auf Fremde? Als Harr)' Snell seinen Bericht über die Untersuchungen im Lande erstattete (es war in dem Kreise einer freireligiösen Gemeinschaft), da begann er seinen Vortrag mit der Vorlesung eines Kapitels der Bibel, wie es die Regel dieser seiner Vereinigung ist. Als Hope-Simpson in einer der Kwuzoth in eine Unterredung über die religiösen Urgründe der Palästinaarbeit kam und mit immer größerem Erstaunen ihre Ablehnung alles Religiösen hörte, da schied er von ihnen mit den überaus charakteristischen Worten: Ich sehe jedenfalls, daß ich ein besserer Zionist bin als Ihr." Im gleichen Sinne hat auch unsere Freundin Miß Snowden gesprochen, alle drei Mitglieder einer Arbeiterpartei. Im gleichen Sinne wissen wir, daß bei dem Erlaß der Balfour-Deklaration die traditionelle Liebe Englands zur Bibel eine durchaus nicht unbedeutende Rolle gespielt hatte. Wir erwähnen diese Wirkungen auf Außenstehende, so wichtig sie ist, nicht als das Entscheidende. Unsere Forderung, Einwurzelung in jüdische Kultur, die wir immer wieder erheben werden, bis wir erhört werden, entspricht unserem tiefen Glauben daran, daß unsere jüdische Heimstätte nur aufzubauen ist auf den Grund des Judentums. Von Erez-Israel — zum Konpress. Von Dr. Oskar Wo 1 f s b e r g. Zwischen jenem Morgengrauen, da wir die Lichter von Jaffa erblickten, bis dann mit zunehmendem Tag das großartige Stadtbild von Jaffa und anschließend unser Tel-Aviv sichtbar wurde, und der Nacht, wo das Schiff uns wieder entführte, und wir den Blick nicht von Haifa, vom Hadar ha-Karmel und vom Kanne! wenden konnten, bis das .letzte Licht entschwand, lag eine Spanne von dreieinhalb Wochen. Diese kurzen Tage in Erez- Israel, mit größter Sehnsucht seit langem erwarte» und erhofft, nun immer mit Glück und Wehmut in der Erinnerung erneuert, schließen eine unerhörte Fülle von Offenbarungen ein. haben unserem Leben eine entscheidende Wendung gebracht. Für die Oeffentlichkeit ist die Fülle der Emotionen eines Einzelnen nicht mehr besonders interessant. Viele steigen hinauf und herab: das Erlebnis ist durch Wiederholung typisch geworden. Deshalb wäre die Beschreibung und Wiedergabe von Eindrücken selbst dann nicht am Platze, wenn besondere Fähigkeit zu schildern dem Besucher des Landes' gegeben wäre-. Hinzu kommen die vielen einander durchkreuzenden Aufgaben und Pflichten, die mir in Erez- Israel oblagen und multa nicht zum rriultum werden ließen. Und endlich ist jetzt die zionistische Welt den Kongreß problemen zugewandt:. So mag denn eine anspruchslose, unvollständige und unsystematische Darstellung eines durch Erlebnis entstandenen Bildes heute als erster Bericht hingenommen werden: xler aktuelle politische Gcsichtsx punkt soll nicht fehlen. * Ich bin kein Fachmann für Wirtschaft und insbesondere Landwirtschaft. Aber man kann nicht von Erez-Israel sprechen, ohne der Grundlage zu gedenken, die ja dort viel mehr ist — jedenfalls in manchen Zweigen des praktischen Wirkens — als nur notwendige, aber nicht von Werten durchsetzte Grundlage des neuen Lebens. Im Beruflichen, in der Arbeit und ihrer Bestimmung, in der Auffassung von Erwerb, Gewinn, im Zusammenleben mit den „Mitarbeitern kommen so entscheidende Tendenzen der Erneuerung des Lebens zum Ausdruck, daß hier mehr als im Theoretischen und im Lehrhaften die große Lehre unseres Werkes Gestalt gewinnt. Um dessentwillen ist es auch fih den praktischer Arbeit Unkundigen von höchstem Weit zu wissen, daß die Mühen von vielen um den Boden, seinen Ertrag, um Intensivierung nun immer deutlicher Richtung auf ein verheißungsvolles Ziel gewinnen, daß Orangenpflanzungen, Gemüsebau, Milchwirtschaft* und Hühnerzucht bereits zu wichtigen Zweigen landwirtschaftlicher Arbeit geworden sind, und daß manches andere: Grapefruit, Banane etc. vermutlich in naher Zukunft Bedeutung gewinnen. Es liegt mir nicht daran, nun auch auf die Keime industrieller Arbeit einzugehen und auch hier Möglichkeiten aufzuweisen. Mir liegt nur daran, als Laie — ohne Statistiken zu bemühen — meinen Eindruck wiederzugeben, daß eine normale Schichtung des Wirtschaftslebens an Deutlichkeit gewinnt, daß das Verhältnis von Industrie und Landwirtschaft. Handel und Produktion, gesünder, daß Stadt und Land damit in normale Beziehungen, ihren Funktionen entsprechend, treten. Auch in den Städten selbst ist mindestens die Tendenz einer den Gesetzen der Wirtschaft entsprechenden Schichtung erkennbar. * Diese Feststellung b:'d:'utet vi:l: sie besagt, daß der Jischuw do;-h schon echtes Eigenleben besitzt und aus sich heraus seinen wirtschaftlichen und sozialen Aufbau autonom vollzieht. Da sonst das erste Zusammentreffen mit der konkreten Wirklichkeit oft die Erwartung enttäuscht, ist es mir beglückende Erfahrung, daß der Aufenthalt im

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