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Zion · 1931-05-01 · 5-6 (5.1931) · p. Seite 50

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Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
5-6 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 50 (sequence 8)
Language
German
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Seite 50 ZI 0 N Nr. 5/6 alle Meinungen vertreten, von revisionistischen bis zur brith-schalommäßigen. Die „Linke" dürfte geschlossen auftreten, wie groß aber die Differenzen etwa zwischen Bin-Gurion, Beilinsohn u. a. auf der einen und Kaplansky, Sprinzak u. a. auf der anderen Seite sind, ist allgemein bekannt und wird durch jeden Artikel der Presse der „Linken" immer deutlicher (vergleiche den Artikel Beilinsohns im deutschen Dawar über die Zertifikatverweigerung). Bei weitem nicht so dezidiert sind die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Misrachi über die politische Linie, aber immerhin gibt es auch hier, wie wir in früheren Artikeln des „Zion" gezeigt haben, Differenzen. Wenn oben gesagt worden ist, daß fast alle Gruppen innerhalb der Organisation die Geschehnisse gleichartig bewerten, d. h. der Ansicht sind; daß die englische Regierung und Verwaltung das Mandat seinem Sinne nach nicht durchführt und daß infolgedessen alle uns zur Verfügung stehenden Mittel angewandt werden müssen, um bei der Mandatarmacht und dem Völkerbund eine gerechtere Erfüllung ihrer Pflichten uns gegenüber zu erreichen, so ist auch die Reaktion der zionistischen Leitung und Organisation während der letzten zwei Jahre auf diesen Ton gestimmt gewesen. Es ist von den zionistischen Führern in allen Ländern versucht worden, die öffentliche Meinung aufzuklären, man hat im Parlament und in der Presse, in England, beim Völkerbund und an anderen politisch interessierten Stellen zu wirken gesucht. Es ist hier nicht der Ort darüber zu sprechen, ob diese Mittel immer geschickt gewesen sind und Kritk an Führern zu üben, hier kommt es ja lediglich darauf an, zu untersuchen, ob es Methoden' gibt, die geeignet sind einen Umschwung der Verwaltungsmaßnahmen in unserem Sinne herbeizuführen, die sich von den bisherigen Methoden unterscheiden. An dieser Stelle muß vom Revisionismus gesprochen werden, der Jahre hindurch nicht nur Kritik geübt hat, sondern auch erklärte, andere Mittel zur Durchsetzung des zionistischen Zieles zu haben. Des zionistischen Zieles, das zunächst eine andere Formulierung bekommen soll, als es im Baseler Programm und in der Balfour-Deklaration und im Mandat hat. Es ist nicht einzusehen, warum man für diesen Kongreß keine dringlichere Aufgabe weiß, als eine Aufnahme der Diskussion über die „zionistische Zielsetzung". Für Meier Großmann, der in einem programmatischen Aufsatz in der „Neuen Welt" die sieben Hauptfragen des Kongresses behandelt, ist die Diskussion über diese Frage Aufgabe Nummer eins. Für uns ist sie nicht einmal Aufgabe Nummer acht. So sehr wir uns gegen die Rede Weizmanns in der Berliner Sitzung des Aktionskomitees gewandt hatten, wir sind der Ansicht, daß es unsere Aufgabe ist, das jüdische Volk zu maximaler materieller und ideeller Tätigkeit für Palästina anzuspornen, von den Mandatarmacht zu verlangen, daß sie dieser unserer Arbeit nach den Bestimmungen des Mandatsvertrages nicht nur wohlwollende Tolerierung, sondern aktive Unterstützung angedeihen läßt und daß die Form des künftigen Gemeinwesens in Palästina bestimmt sein wird von der Intensität unserer Arbeit und dem Wert, den unser Werk für das jüdische Volk und für das Land haben wird. Taten müssen für uns reden, Reden halten wir für keine Taten. Aber nachdem nun einmal Großmann als Punkt i etwas vorschlägt, was ohne Zweifel eine Radikalisierung unserer politischen Forderungen an die Mandatarmacht zum Inhalt hat, sagt er dann weiter in einem Abschnitt über „Unser Verhältnis zu England: Eine neue Exekutive, auf den Willen des Kongresses gestützt, muß der englischen Regierung klar formulierte Forderungen vorlegen mit der Erklärung, daß, wenn diese im Verlaufe einer bestimmten Zeit nicht erfüllt werden, die Zionistische Organisation und der Jischuw gezwungen sein werde, die Kooperation mit England aufzugeben, d. h. die Zionistische Organisation wird dann der Ansicht sein, daß England den Mandatsvertrag gebrochen habe, und sie wird zum offenen Kampf für die jüdischen Rechte übergehen. Welcher Art dieser Kampf sein wird, ob passiver Widerstand, ob Non-Kooperation, ob Einstellung jener Arbeiten im Lande, die die Regierungskasse stärken, das sind Dinge, die nicht von vornherein festgelegt werden können. Der Kampf kann auf dem Territorium Palästinas entfacht werden. Er kann aber auch außer Landes getragen werden. Selbstverständlich muß eine solche Kampferklärung erst nach einer großzügigen politischen Offensive auf dem ganzen Gebiet des britischen Imperiums erfolgen. Die Offensive muß gleichzeitig ein Appell und eine Mahnung sein, eine Mobilisierung der jüdischen Kräfte und ein Hinweis darauf, daß das zur Verzweiflung getriebene jüdische Volk scharf gegen seine falschen Freunde auftreten wird. Das also ist die Methode, die bisher vernachlässigt zu haben, offenbar der Verrat am Zionismus ist. Man stelle sich vor, was die Vorschläge bedeuten; sie bedeuten: r. Man wähle für unser Endziel des Zionismus eine radikalere Formulierung, die es zweifellos in* Mandat nicht hat. 2. Man stelle dann klar formulierte Forderungen dieser und ähnlicher Art an England in Form eines befristeten Ultimatums.

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