Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 5-6 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 48 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 48 ZI 0 N Nr. 5/6 bringen. Daß diese Leitung festen und innigen Kontakt mit Judentum und Judenheit pflegt, ist uns ebenso wichtiger Gesichtspunkt wie ihre außenpolitische Eignung. VI. Die innere Autonomie des mustergültig geführten Misrachi-Schulwerkes muß gewährleistet werden, da das zionistische Schulwesen in seiner Gesamtheit die Grundsätze jüdischer Tradition nicht anerkennt. Dem Abbau des Misrachi-Schulwerkes durch das Erziehungsdepartement der zionistischen Exekutive ist mit allen Kräften entgegenzuarbeiten. VII. Bei dem ökonomischen Aufbau Erez-Israels fordern wir besondere Berücksichtigung der durch den Hapoel-Hamisrachi in die Wege geleiteten, auf traditionell-jüdischer Lebensgesta'- tung sich aufbauenden Kolonisation. Die bisherigen Siedlungspunkte des Poel-Hamisrachi sind in den Kolonisationsplan der Agency mit aufzunehmen. Ein Kongreß, der seine Aufgaben nach diesen Grundsätzen behandelt, wird wesentlich beitragen zur Ueberwindung der gegenwärtigen Situation. Er wird nach außen hin Zeugnis ablegen von der Kraft unseres Wollens und uns selbst mit dem Glauben an unsere Idee erfüllen, der nötig ist. um unser Werk zu vollbringen. Probleme des XVII. Kongresses. Von Lazarus Barth, Berlin. Trotz des Beigeschmacks nach einem Aufsatz höherer Schüler (.,Unter allen Dramen Schillers das bedeutendste . . .", „Der größte Phi'.osoph des alten Griechenlands . . .") muß doch gesagt werden: Noch kein Kongreß seit dem Kriegsende hat vor entscheidungsvolleren Aufgaben gestanden, als der vor uns liegende. Die zwei Jahre, die seit Zürich verflossen sind, charakterisieren sich als eine Epoche der Vertrauenskrisen. Erschüttert worden ist das Vertrauen in die Aufrichtigkeit der Mandatarmacht, gewachsen die Opposition gegen die zionistische Führung des Präsidenten der zionistischen Organisation, der seine Politik seit er im Amte ist, bei aller Kritik des englischen Kolonialamtes, doch auf ein Vertrauen zu England basiert hat. Und als ob diese Schwierigkeiten noch nicht folgenschwer genug wären, wird ferner die Arbeit des Kongresses überschattet werden dadurch, daß die Exekutive der Jewish Agency auf der ersten Tagung ihres Council eingestehen muß, daß es nicht gelungen ist, das Budget auch nur notdürftig zu decken. I. Schon von Beginn der englischen Administration Palästinas an hatten wir Grund zu scharfer Kritik. Unser historisches, im Mandat international anerkanntes Recht auf das nationale Heim wurde zu keiner Zeit dem Sinne der Balfour-Deklaration nach durchgeführt. Durch einen keinen Schnitt wurde das Territorium, auf dem wir zu arbeiten hatten, halbiert (allerdings vergingen zehn Jahre bis eine englische Regierung aus dieser durch keine sachlichen Gründe erfolgten Einengung den Schluß zog, daß durch diese Einschränkung das Land so klein geworden sei, daß man — — der jüdischen Einwanderung und Arbeit weitere Fesseln auflegen müsse!). Die im Besitz der Regierung befindlichen ausgedehnten Beisan - Böden wurden unter Umgehung der Mandatsbestimmungen den Arabern übereignet, um jetzt festzustellen, daß die Regierung ihren Verpflichtungen, Regierungsländercien für jüdische Siedlung zur Verfügung zu stellen, nicht nachkommen könne, weil nunmehr kein Regierungsland mehr vorhanden sei! Indessen erst imf Laufe der letzten zwei Jahre zeigte sich der Mangel an Ideen und die Direktionslosigkeit, mit der das schwierige Problem Palästina angefaßt wurde. Fast gleichzeitig mit dem letzten Zionistenkongreß kam die gegenwärtige englische Regierung zur Macht. Jahrhundertelang war England abwechselnd von zwei Parteien regiert worden, und jetzt zum ersten Mal kam eine dritte, die Labour Party, ans Ruder. Die zionistische Oeffentlichkeit hatte Grund, ihr mit Vertrauen entgegenzusehen. Bei einer Arbeiterregierung dürfte man Verständnis voraussetzen für die zionistische Kolonisation, die, wie nie eine vor ihr, nach fortgeschrittenen sozialen Prinzipien geleitet, dem Arbeiter selbst sein Recht und den Genuß der Früchte seiner Arbeit sichergestellt hatte, die, wie nie eine andere, den Besitz des Bodens der Spekulation entzogen und ihn der Allgemeinheit der produktiven Kräfte gesichert hatte. Der neue Prime Minister hatte nach dem Besuch des Landes ein begeistertes Loblied zioni-