Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 4 (4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 36 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 36 Z I 0 N Nr. 4 Einfluß sich so verstärken, daß wir uns in der allgemeinen zionistischen Oeffentlichkeit und dann auch in unseren Kreisen durchsetzen werden. Der kommende Delegiertentag kann von entscheidender .Bedeutung sein. Gelingt es, auf ihm eine einheitliche Front herzustellen, sind alle Voraussetzungen dafür gegeben, daß die geeinte, in sich geschlossene Opposition stärkste Wirkung ausüben kann. Der Kampf um die Misrachi- Bewegung. Von Dr. Jeschaia Leibowitz, Köln.- Nachdem die längst fällige klare und offene Aussprache über das Schicksal der Misrachi-Weltorganisation endlich eingesetzt hat, soll hier die Ansicht derjenigen Misrachisten zum Ausdruck kommen,, die den vom deutschen Misrachi zu führenden Kamjji nicht unter dem Aspekt der Krise einer bestehenden, sanierungs- und reformbedürftigen Weltorganisation betrachten, sondern in ihm den ersten Versuch erblicken, aus der amorphen Masse von Misrachisten einen Misrachi zu bilden, d. h. die der Misrachi i d e e adäquate Bewegung überhaupt erst zu schaffen. Die wahre Bedeutung und Tragweite der gegenwärtigen Krise kommt erst in der Tatsache zum Ausdruck, daß viele Misrachisten die reale Existenz der Organisation, der sie nominell angehören, bezweifeln müssen. Herr Dr. Grünberg hat (im Zion, Jg. III, Heft 3) als Vertreter einer Generation von Misrachisten gesprochen, die auf eine sozusagen „historische" Periode des Misrachi zurückzublicken vermögen, auf die schweren geistigen und politischen Kämpfe, die mit seiner Gründung und seinem ersten Auftreten verknüpft waren und an denen sie selber aktiv teilgenommen hatten. Es ist sehr verständlich, daß diese Männer an der Organisation, die sie als einen Teil ihres Lebenswerkes empfinden, hängen und nicht die Hoffnung aufgeben wollen, daß die bestehenden, auch von ihnen anerkannten furchtbaren Mißstände sich als reparable Fehler erweisen werden. Eine lebendige geistige und politische Bewegung kann aber nicht von Reminiszenzen leben. Es gibt heute eine große Zahl jüngerer Misrachisten, die von dieser großen und schönen Vergangenheit des Misrachi nur vom Hörensagen wissen, -sie aber nie zu spüren bekommen haben, sie sind nicht von der bestehenden Misrachibewegung für die Misrachiidee gewonnen worden, die We 11 Organisation hat ihnen nie etwas gegeben und dementsprechend auch nie etwas 'bedeutet, sie sind zum großen Teil Misrachisten» trotz des Misrachi. Dieses liegt nicht an dem einen oder anderen Fehler in der Politik, Taktik oder Propaganda der Führung des Weltmisrachi, sondern daran, daß diese Führung und die von ihr geführte Organisation überhaupt nicht als Vertretung irgendeiner Idee, irgendeines Programms, irgendeiner Bewegung empfunden werden kann. Die entscheidende Frage lautet: hat der Misrachi als realpolitischer Exponent der nationalreligiösen Idee, des thoratreuen Zionismus, eine wirkliche Bewegung zu sein, die sich auf innerlich beteiligte und aktiv mitarbeitende Menschen stützt und bemüht ist. schöpferisch aufzutreten, jüdisches Leben in Erez-Israel und in der Gola in ihrem Sinne selber zu schaffen und auf diesem Wege in den politischen und Kulturkämpfen zu siegen? oder darf sich der Misrachi damit begnügen, daß seine Führer im Namen der Thora (sei es auch in der subjektiv ehrlichsten Ueberzeugung) Politik m.u'hen, indem sie sich der Massen, die nicht innerlich erfaßt und erzogen, sondern nur irgendwie mobilisiert werden, bedienen, um politische Machtpositionen zu gewinnen und auf diesem Wege Einfluß im Zionismus und im Gesamtjudentum geltend machen zu können? Ich glaube, daß für uns nur der erste Weg in Frage kommt; den zweiten pflegt man als Klerikalismus zu bezeichnen. Der iinanziellen una organisatorischen Krise, die den Anstoß zur Auseinandersetzung gegeben hat, sowie' den Kabinettsfragen und kongreßpolitischen Problemen, die im Mittelpunkt des Interesses der letzten Monate standen, kommt keine selbständig e'Bedeutung zu. In diesem Sinne stellen alle diskutierten Reorganisations- und Reformvorschläge nur ein Herumdoktern an Symptomen dar, die die zwangsläufige Folge der unheilbaren Krankheit sind. Die völlige Desorganisation und Desorientierung, der finanzielle und organisatorische Zusammenbruch, der geistige und politische Niedergang sind nicht Zufall, sondern sind der Zustand, den der heutige Weltmisrachi auf Grund seiner inneren und äußeren Struktur haben muß. Die Weltorganisation befindet sich in der Hand einer Gruppe von Führern, die den Merkas Olami und die stärksten Landsmannschaften diktatorisch beherrschen und sich nicht nur der Kontrolle einer wirklichen organisierten Massenbewegung zu entziehen wissen, sondern die Schaffung einer straffen Parteiorganisation mit interessierten, aktiv mitarbeitenden Mitgliedern sogar bewußt, und mit allen Mitteln verhindern, da sie einer solchen Rechenschaft schuldig wären und damit ihre Stellung gefährden würden. Das Hauptbestreben der gegenwärtigen misrachistischen Führung geht dahin, parteipolitische * Scheinerfolge zu erringen, bei Kongreßwahlen usw. möglichst zahlreiche Stimmen aufzubieten, um dann als