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Zion · 1932-09-01 · Heft 9 (September 1932) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 9 (September 1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 82 (sequence 12)
Language
German
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Seite 82 Z I O N Nr. 9 mag, so schmerzlich muß es uns berühren, wenn in Referaten, die sich so sehr bemühen, in die Tiefe der Probleme einzudringen, auch nicht einmal die Frage aufgeworfen wird, wie denn nun eigentlich das Judentum in seiner Gedankenwelt zu diesen Problemen Stellung genommen hätte. Die Art des jüdischen Nationalismus und sein Verhältnis zum Universalismus sind ja nicht von heute und gestern Gegenstände wissenschaftlicher Untersuchung. Es gibt Material genug, um sich über diese Frage zu orientieren, und der Zionismus in seiner Frühzeit hat in Auseinandersetzungen mit dem jüdischen Liberalismus manchmal Teile dieses Problems behandelt. Mit kurzen Worten sei die Grundlage dargestellt. Wie die Stellung der judenheit und des Judentums in der Welt verstanden werden soll, ergibt sich schon ziemlich klar, wenn man sich nur einmal den Aufbau des Fünfbuchs, vor allem die ersten beiden Bücher, vor Augen hält. Sie sind nicht abgestellt a if eine dominierende Stellung in der jüdischen Nation, wie sie die alten Bücher anderer Völker ihren Nationen zuweisen. Die Thorah schildert die Entwicklung der ersten Menschengenerationen ans Adam, ihren Untergang, den Wiederaufbau der Geschlechter aus Noah und seinen Nachkommen und stellt an diese Stelle nach der Sintflut den ersten Bund Gottes mit der Menschheit, den noachidischen Bund. Der zweite Bund, der Bund Gottes mit Abraham, auf dem die Stellung Israels beruht, erscheint nicht etwa als ein gegen die übrigen Völker sich richtendes Verhältnis, wie das ja auch bei der Natur eines göttlichen Bundes eine vollkommene Unmöglichkeit wäre, sondern als Zuweisung einer Sonderaufgabe an eine Gemeinschaft, wie andere derartige Bünde mit anderen Nationen von der jüdischen Auffassung durchaus ebenfalls als möglich vorausgesetzt werden. Es sei neben vielen anderen als vielleicht klarstes Beispiel dieser jüdischen Auffassung auf den bekannten Midrasch über das Angebot der Thorah an die verschiedenen Völker vor dem Angebot an Israel verwiesen. Mann kann diese ganzen Gedankengänge kaum klarer formulieren, als es Rabinkow in seinem Aufsatz „Individuum und Gemeinschaft im Judentum" (enthalten in „Biologie der Person" IV. S. 799 ff) getan hat. Es sei darum an dieser Stelle auch eine seiner Formulierungen wörtlich wiedergegeben: „Das letzte Ziel des Menschheitsbundes und der Menschheitsgeschichte kann dieser ganzen Auffassung zufolge nur auf dem Umwege über die historisch gewordenen, individuell ausgeprägten Sondergemeinschaften erreicht werden. Der aut dem Sonderbund mit Gott sich gründenden jüdischen Lebensordnung kommt zwar unbedingte Geltung zu, jedoch allein innerhalb der Sondergemeinschaft des Judentums, weshalb diese Ordnung auch keinen Anspruch erheben kann, sich aut andere Gemeinschaften! zu erstrecken, die unter ganz anderen geschichtlichen Voraussetzungen ihren historischen Weg zurückgel :gt haben. Erst im Hinblick auf diese universalistische Grundeinstellung der jüdischen Religionslehre läßt sich von der Gemeinschaft des Judentums ein ihr adaequater Begriff bilden. Das Judentum weiß sich als eine Sondergemeinschaft, die in die Einhei; der Menschheitsgeschichte nicht etwa nach oder vor, sondern neben anderen Gemeinschaften eingebettet ist; diese jüdische Sondergesc.hichte, die rückwärts zu Adam, dem gemeinsamen Urahnen der Menschheit führt, treibt auch vorwärts — zur .Uebervvindung der Vielfältigkeit der Sondergeschichten in der einen, sich nach und nach vereinheitlichendenMenschheitsgeschichte, in welcher die Normen des von Gott mit der Menschheit geschlossenen Bundes Gemeingut werden sollen. Das Judentum fühlt sich, anders gesagt, für die ganze Menschheit verantwortlich (vgl. namentlich das Buch Jona) und spricht daher schon in der von den schärfsten Gegensätzen zerrissenen Gegenwart „den Gerechten der Völker der Welt ein Erbteilin der kommenden Welt" zu (Tosephta, Sanhedrin XIII). Dies ist der Inhalt des Judentums als einer Weltreligionslehre, der Geist, in dem unzählige Generationen von jüdischen Menschen erzogen worden sind." Geht man von solchen Gesichtspunkten an die ganze Frage heran, dann hat man zu den für uns heute so überaus aktuellen Fragen des Nationalismus der Völker einen festen, auf gesichert jüdischem Boden ruhenden Standpunkt. Man weiß dann, daß es jüdische Forderung ist, daß jedes Volk versucht, auf dem ihm gewiesenen Wege zu den gesetzten Zielen zu gelangen, daß diese Wege nicht zu einem Kampfe Aller gegen Alle zu führen haben, wie er entstehen muß, wenn jedes Volk für sich die Hegemonie oder auch nur die Präponderanz in Anspruch nimmt. Man versteht, daß unsere Forderung an die Völker, uns unseren Weg gehen zu lassen, uns Lebensraum zu geben, uns die Möglichkeit zu geben, nach unseren eigenen Gesetzen unser Eigenleben zu führen, nicht eine Forderung ist, die wir deshalb aufstellen, weil wir heute ein gedrücktes, in Not befindliches Volk sind, sondern daß es eine Forderung ist, die wir genau so gegenüber anderen Völkern betätigen müßten, wenn auch wir die Besitzenden waren und die anderen diejenigen, die ohne Land

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