Mannheim
Compact Memory

Zion · 1932-09-01 · Heft 9 (September 1932) · p. Seite 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 9 (September 1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 81 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133276-3139319-3139325--0703-3140129
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 9 Z I O N Seite 81 stand in absehbarer Zeit auch auswirken wird bei Gelegenheit von Kongreßwahlen und Wahlen zu Gerneindegremien. Man wird nur so lange von anderen Richtungen als Faktor gewürdigt, als man sich selbst in die Arbeit des Tages einspannt. Nur wegen einer gelegentlich mit großer Begeisterung vorgetragenen Idee, die aber nicht einmal so stark ist, ihre Anhänger zu kleinen und kleinsten Leistungen anzuregen, wird man auch uns auf die Dauer nicht den Einfluß belassen., den wir heute, kraft der Mitarbeit einiger führender Leute in der zentralen. Arbeit, haben. Ob es für diesen Einfluß gerade besonders zuträglich ist, wenn von der Tribüne der Tagung herab von einem Misrachisten in solcher Form von der Arbeit der misrachiätischen Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses gesprochen wird, wie es geschehen ist, diese Frage möchte ich für mich persönlich (der betreffende Redner betonte bei seinen Ausführungen, daß er nur seine eigene Meinung ausspreche und ich tue hier dasselbe) entschieden verneinen. Wenn wir trotz unserer geringen Delegiertenanzahl in den Beschlüssen des Permanenzausschusses und bei der Wahl zur Leitung der Z. V. f. D. nicht schlecht abgeschlossen haben, zeigt dies den, bei allen am Delegiertentag beteiligten Richtungen vorhandenen guten Willen zur Einheit im deutschen Zionismus. Eine unserer Hauptarbeiten gilt heute der Anerkennung der völligen Gleichberechtigung u n d Gleichbewertung der misrachistischen Chaluziuth und ihrer Siedlung in Erez Israel mit den Institutionen der allgemeinen Arbeiterschaft. Auch auf dieser Tagung ist uns die Durchführung dieses Prinzips voll gelungen und wir können eine wesentliche Kräftigung unserer Arbeiten hieraus erwarten. Der 24. Delegiertentag der Z. V. f. D. leitet eine wichtige neue Arbeitsperiode für den deutschen Zionismus ein. Möge auch der deutsche Misrachi sich dessen bewußt sein. Als „unabhängige Misrachi-Organisation'' sind seine Pflichten größer, als sie es vor seiner Unabhängigkeitserklärung waren. In der faktisch geleisteten Arbeit soll sich erweisen, ob in ihm die Kraft steckt, Wegweiser für den größeren Misrachi zu sein. Leistung ist Voraussetzung für Forderung. Videant consules..... Eins nichtgshaltene Diskussionsrede Von Dr. A. Barth. Um die Arbeiten des Frankfurter Delegiertentages auch der Lösung der praktischen Fragen dienstbar zu machen, mußte die Diskussion über die rein theoretischen Fragen der Referate Blumenfeld und Goldmann einer angemessenen Beschränkung unterworfen werden. Häufig empfindet es jemand, der auf derartigen Tagungen gesprochen hat, wenn er nachträglich die Berichte liest, schon als ka.rn notwendig, daß die von ihm gehaltene Diskussionsrede im Pressebericht weitergegeben wird. In diesem Falle aber glaube ich, daß es doch eine misrachistische Pflicht ist, kurz auf einen Gericutspunkt hinzuweisen, den ich in der Diskussion berührt haben würde, wenn die mit Recht geübte Beschränkung der Diskussion mich nicht daran gehindert hätte: Wer die Referate von Goldmann und Blumenfeld hörte, und vielleicht noch mehr, wer sie in Ruhe liest, wird ihnen, wenn er von unseren misrachistischen Standpunkten ausgeht, weitgehend zustimmen. Und doch wird einen dabei ein Gefühl bewegen, das wir schon häufig beim Anhören von Reden auf zionistischen Tagungen gehabt haben, auch wenn wir mit den in diesen Reden vertretenen Auffassungen weitgehend mitgingen. Man wird das Gefühl nicht los, daß hier die Menschen ein Gedankengebäude aufrichten, dem das Fundament fehlt. Es handelt sich in Blumenfelds Referat und in wichtigen Teiien des Goldmannschen Referats um die Auseinandersetzung mit den modernen nationalistischen Bewegungen der anderen Völker. Die Referenten nehmen zu diesen Bewegungen eine sehr dezidierte Stellung ein, alles, was sie sagen, erscheint einleuchtend und richtig, aber man fragt sich immer, womit wird in diesen Ausführungen eigentlich bewiesen, daß diese — und gerade diese — Stellungnahme der zionistischen Auffassung adaequat ist. Wir wissen, und auch in den Referaten kam es zum Teil zum Ausdruck, daß es auch im Zionismus Strömungen gibt, die sowohl in der Idee, wie auch in der Art der Propagierung und praktischen Auswertung sich keineswegs so fundamental von den anderen Nationalismen unterscheiden, wie es Blumenfeld und Goldmann für den zionistischen Nationalismus fordern oder g ar als selbstverständlich erklären. Und man fragt sich und muß sich darüber klar sein, daß diese Frage auch von anderen gestellt werden wird: Was beweist uns eigentlich, daß nun die Blumenfeld-Goldmannsche Auffassung, die eigentliche zionistische ist, und nicht die der anderen. Hier ist der Moment, wo wir wieder einmal, wie schon bei so vielen Fragen, darauf hinweisen müssen, daß der Zionismus seine feste Position nur finden kann, wenn er sich orientiert in den überlieferten jüdischen Auffassungen. So sehr man im Ergebnis den Referaten zustimmen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.