Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 9 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 79 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Z I 0 N Seite 79 Geschichte beweisen, einen, besonderen Sinn für diese Idee und sind darum für diese Ae.ußerung des sozialistischen Weltgefühls empfänglicher als andere. Aus unserem reichen Schrifttum läßt sich ohne Weiteres demonstrieren, wie bereitwillig der Einzelne hinter das Problem tritt, das alle angeht, und schließlich ist ja unser celbstgewähltes Schicksal ein lebendiger Beweis für das entsagungsvolle Aufgehen des Einzelwesens in einer ewigen Idee. Weitere Untersuchungen — und nicht nur von der Hand des Verfassers dieser Zeilen — mögen erhärten, wie weit realpolitisch die wohl hauptsächlich aus Unsicherheit entspringende feindselige Haltung der beiden Fronten einer Revision unterzogen werden kann. Realpolitik aber heißt in diesem Falle: wohlwollende Neutralität gegenüber dem marxistischen Staatsgedanken, aktive Unterstützung seiner sozialen Bestrebungen, ohne jemals deren leite.ide Gesichtspunkte als die unsrigen anzusehen. Eine rechtzeitige Neuorientierung dürfte die gegebenste Maßnahme sein, der vorherrschenden Fahnenflucht £us unseren Reihen einen Riegel vorzuzuschieben. Eindrücke vom Delegiertentag der Z. V. f. D. Von Alexander Adler. Der 24. Delegiertentag der deutschen Zionisten war eine wohlgelungene Manifestation einmütigen zionistischen Arbeitswillens aller an der Z. V. f. D. interessierten Kreise. Die Gliederung der Diskussionsthemen in zwei Gebiete (und in nur zwei Gebiete) gab der Diskussion et*vas Geschlossenes, eine gute und strenge Gliederung, die eine erschöpfende Behandlung der zur Debatte stehenden Fragen ermöglichte. Eine knapp gehaltene, unter dem Gesichtspunkt der praktischen Zukunftsarbeit stehende Kommissionseinteilung machte es allen Teilnehmern möglich, sich rege auch an den Arbeiten der Tagung, die nicht im Lichte der vollen Oeffentlichkeit standen, zu beteiligen. Es ist weniger, als sonst bei derartigen Veranlassungen üblich, aus dem Fenster hinaus gesprochen worden, innerparteiliche Prestigepoli iik gab es auf dieser Tagung nicht, es war ehn Arbeitstagung und es hat schon heute, wenige Wochen nach diesem Auftakt einer neuen Periode des Zionismus in Deutschland durchaus den Anschein, daß die guten Vorsätze, die man anläßlich dieses Jörn hadin der Zionisten gefaßt hat, auch in die Tat umgesetzt werden sollen. Zwei Fragenkomplexe wurdet auf diesen Delegiertentage behandelt: Die Stellung des Zionisten zum allgemeinen Judcnproblem unserer Tage, insbesondere zur Judenfrage in Deutschland, und die Fragen, praktischer Palästinaarbeit. Auch in früheren Zeiten haben zionistische Kongresse und Konferenzen sich intensiv mit der Lage der Judenheit in den Ländern der Galuth befaßt. Sind wir doch der Auffassung, daß Zionismus nicht etwa nur ein Ausschnitt, ein Teilgebiet, aus dem jüdischen Aufgabenkreis darstellt, sondern für uns ist Zionismus das Judentum in seiner Totalität. Wie die Lösung der Judenfrage nur möglich ist im Rahmen zionistischer Wunscherfüllung, so muß auch die Lösung jüdischer Teilfragen in unser Gesamtproblem eingeordnet werden und ihren gedanklichen Unterbau erhalten in dem Glauben an die Erhaltung und Intensivierung der jüdischen Lebenskraft durch die nationale Erneuerung unseres Volkes in Palästina. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, haben wir uns von den Anfängen des Zionismiis an mit jüdischer Gemeindepolitik befaßt. Eroberung der Gemeindestuben war bereits Her/l'sche Forderung. Aber in der heutigen Zeit, da das Judenproblem in der nichtjüdischen Welt aufgerollt ist in einer Schärfe, wie das nicht mehr seit der Zeit der Emanzipation der Fall gewesen ist, können wir nicht Halt machen bei der Beschäftigung mit innerjüdischer Politik. Die antijüdische Welle, die besonders in Deutschland die L^fer des gesamten gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens mit beinahe elementarer Kraft überschwemmt hat, zwingt uns, Stellung zu nehmen. Zwingt uns, Stellung zu nehmen, nicht nur, um Konsequenzen zu ziehen für die zionistische Propaganda, oder für unsere Stellung als Zionisten im deutschjüdischen Leben, sondern wir müssen uns Rechenschaft darüber geben, wie wir uns als von diesen Dingen mitbetroffene Menschen zu verhalten haben. Der Delegiertentag hörte zwei grundlegende Referate über das Thema der Stellung der Juden in der nichtjüdischen Welt. Nachum G o 1 d m a n n berichtete über die Lage der Juden i:i den außerdeutschen Ländern, zeigte, wie sich unsere Stellung seit Beendigung des großen Krieges überall fundamental zum Schlechten hin entwickelt hat und zog daraus die Konsequenz, daß ein ganz großer Zusammenschluß der all .veitlichen judLaheit nötig sei, ein allweltliches positives Er/ieüungsprogramm zum Judentum hin, um zu verhindern, daß die jüdische Substanz aufgerieben nid zerstört werde. War dies Referat Reminiszenz an jene großangelegten, umfassenden Darlegungen über die Lage der Judenheit, die in den ersten Jahren des Zionismus durch Max Nordau von der Kongreßtribiine herab an die Juden der ganzen Welt gerichtet wurden, die sicherlich viel dazu beitrugen, daß die jüdischen Massen