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Zion · 1932-09-01 · Heft 9 (September 1932) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 9 (September 1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 78 (sequence 8)
Language
German
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Seite 78 Z T 0 N Nr. 9 Lande große, den berühmten Jeschiwoth in Litauen ähnliche Talmud-Lehrhäuser. Der Prozentsatz der jüdisch-gebildeten Menschen ist im Lande qualitativ und quantitativ sehr groß. Haben doch unsere Brüder in Deutschland letztens erkannt, daß es ein Problem vom Thorah-Lernen gibt, und daß in Deutschland viel zu wenig gelernt wird. Vielleicht werden sie hier im Lande eine Lösung für diese sie beschäftigende Frage finden. Ohne Zweifel ist die Frage der Sprache für unsere deutschen Brüc - von großer Schwierigkeit. Das Problem des Hebräischen besteht auch in Dtutschlane und wiro bei der Uebersiedlung ins Land hesonaers erschwert. Wird die hebräische Sprache in einer nui aus deutschen Juden bestehenden Umgebung sich durchsetzen? Ich verlasse mich dabei aut der- Zwanp der Lebensbedingungen. Sie werden sicii gezwungen sehen, zwischen hebräisai und jüdisch zu wählen und ich bin dessen sicher, daf-> sie die hebräische Sprache alt; Kultursprache wählen werden. Aber das ist ein Problem. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, Mögen sie ins Land kommen, dahin streben, ehrlich und bescheiden zu arbeiten, in Bescheidenheit vor dem Werk und vor dem Lande. Nicht Bevorzugung und Herrschaft werden sie im Lande finden, sondern Arbeit und Wirklichkeit Zwischen 2 Fronten (Forts.) Von Dr. Chanan Lehrmann. Aus den bisherigen Ausführungen muß nicht gefolgert werden, daß des Verfassers harmlose Gemütsart sich der grundsätzlichen Wesensverschiedenheit der beiden Weltanschauungen nicht bewußt ist. Kann es überhaupt eine Berührung geben zwischen einer Lehre, die die biologischen und soziologischen Naturkräfte zum Ausgangspunkt des Weltgeschehens macht, die alles Geistige nur als Zugabe, als Funktion des Biologischen und diesem untergeordnet befrachtet (ma er. Geschichtsauffassung, Psycho-Analyse) und einer Lehre, die von einer selbständigen, absoluten, die Körperwelt beherrschenden Geisteswelt ausgeht? Zwischen einer Lehre, die den Menschen und solchen, die Gott zum Maß aller Dinge setzt? Zwischen einer Lehre, die hier auf Erden schon das Himmelreich errichten will, die das irdische Leben schon als Selbstzweck betrachtet, in seiner grenzenlosen Steigerung den höchsten Sinn findet, und einer Lehre, welche den Gipfel des Daseins nach außerhalb des irdischen Lebens verlegt? Es ist klar, daß 2 so entgegengesetzte Sinngebungen unversöhnbar sind, und man versteht, daß es zwischen Marxismus und Christentum, welches das Prinzip des Jenseits bis zur Lehre der Weltflucht gesteigert hat, einen Kampf aufs Messer geben muß. Beim Judentum liegt aber die Sache etwas anders. Bei aller Verwurzelung im Metaphysischsen weist es doch bekanntermaßen einen entscheidenden Zug zum Diesseits auf, und es ist kein Zufall, daß die ersten Sozialisten (St. -Simonisten, P. Leroux) unter Ablehnung des Christentums so vielfache Beziehungen zum alten Testament verraten. Bei dieser Gelegenheit sei auf die Tatsache verwiesen, daß das Lebenswerk des eigentlichen Begründers des Sozialismus, nämlich Saint-Simons, in, der Hauptsache von Juden zu breitester Wirkung getragen wurde. Die Erscheinung, daß die in Frage kommenden Männer (O. Rodrigues, G. d' Eichthal, Gebrüder Pereires etc.) trotz ihrer Zugehörigkeiten zu den höchsten Finanzkreisen begeistert die erstmalig verkündelen sozialistischen Ideen aufgriffen und deren Verwirklichung zu ihrem Lebenswerk machten, bietet eine interessante Parallele zu der den Ausgangspunkt unserer Betrachtung bildenden Erscheinung, wonach der Sozialismus in seiner konsequentesten Zuspitzung so viele jüdische Köpfe an sich zieht. Als psychologische Ursache deuteten wir schon eine gewisse seelhche Haltung des Juden an, die ihn für manche Aeußerungen sozialistischen Lebensgefühls empfänglich macht. Zur Verdeutlichung greifen wir etwa die Idee des Kollektivismus heraus, die nicht zum geringsten Teil die Ursache feindseliger Angriffe gegen den Sozialismus bildet. Von welch engem Vorstellungskreis zeugen nicht diese Einwände! „Oede Gleichmacherei, Verkümmerung der Persönlichkeit!" schreibt der Spießer jeder Bildungsgattung (sofern er' s zu was gebracht hat), ohne daß ihm diese Erscheinung in ihrem weltanschaulichen Zusammenhang offenbar wird. Läßt sich doch der Ablauf der Weltgeschichte auf einen Kampf zwischen Individualismus und Kollektivismus zurückführen, in dem bald die eine, bald die andere Geisteshaltung siegreich ist. Das Mittelalter z. B. erhält seine eigenartige Prägung durch die Kollektividee, die damals herrschend ist. Die Kriege, das Wirtschaftsleben, die Kunst werden in ihrem Charakter d.irch sie bestimmt. Erst die Renaissance mit ihrer „Entdeck.ing der Welt und des Menschen" brachte die Herrschaft des Individuums und damit die sog. Neuzeit herauf .Wenn heute so vielfach das Wort vom Wiedereinbruch des Mutelalters umgeht, so mag sich das in dem Sinne bewahrheiten, daß der Kollektivgeist des Mittelalters wieder lebendig und vielleicht bald mehr als das Kennzeichen eines politischen Programms sein wird. Wir Juden haben nun, das läßt sich aus der

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