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Zion · 1932-09-01 · Heft 9 (September 1932) · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 9 (September 1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 76 (sequence 6)
Language
German
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Seite 76 Z I ON Nr. 9 gedrucktes Papier bleibt, solange nicht in den einzelnen Gruppen Menschen da sind, die mit diesen Problemen selber gerungen, haben und, soweit dies überhaupt möglich ist, zur Klarheit gekommen sind. Aber es sollte auch nicht vergessen werden, daß alle diese Diskussionen von sehr fragwürdigem Werte sind und sich oft in uferloses Geschwätz verlieren, solange nicht jeder einzelne die Fähigkeit hat, selbständig bis zu den Quellenschriften des Judentums vorzudringen und von dort Information und Belehrung zu schöpfen. Und man sollte es jedem einzelnen dieser jungen Menschen sehr oft und sehr eindringlich sagen, daß es ein Gebot intellektueller Sauberkeit und Selbstzucht ist, von „Judentum und.." solange nicht zu sprechen, als man vom Judentum selber noch sehr wenig weiß. Die Deutsche Orthodoxie und Polfistina (Forts.) Dr. E. M. Lipschitz Die Geschichte des „Kolel Hod" liegt noch im Dunkeln. Oft kommt in ihr starker Wille zum Vorschein. Zeitweise bestand der Wunsch, von Amsterdam aus die gesamte Chalukkah für die aschkenasischen und sephardischen Kol' lim „in den vier Ländern des Lebens" zu regeln. Da war viel von Mizwath Jischuw Erez Israel die Rede, die die im Lande Lebenden mit ihrer Person und die Spender mit ihrem Gelde verwirklichen. Fast scheint es jetzt, als wäre die Mizwah von Jischuw Erex Israel für die Judenheit nicht mehr eine Mizwah, die den Einsatz der Person erfordert, als wäre sie ganz aus der Seele und der Erkenntnis der deutschen Juden verschwunden. Der Einzelne sieht hierin keine Forderung, die den Einsatz seiner selbst verlangt. Wir religiösen Juden sehen hier beim Aufbau von Volk und Land ein großes Arbeitsfeld für unsere Brüder in Deutschland. Wir sehnen uns nach einer Einwanderung aus Deutschland, die die Orthodoxie einschließen soll. Sie glaubt ja, durch den von ihr gewählten Weg der Syn;- these von Ost und West sowie in dem Kompromiß, nach dem sie für sich selbst die Frage von Torah und Derech Erez gelöst hat, eine eigene Aufgabe im Judentum zu erfüllen. Mögen sie doch ins Land kommen und ihre Aufgabe in Lehre und Leben verwirklichen, so wie sie sie für ihr Leben und für den Jischuw im Lande formuliert haben. Bekanntlich strebte auch der Chassidismus und die Mussarbewegung dahin, ihren Einfluß von Palästnia aus auf die Galuth-Länder geltend zu machen. Sie glauben ja an ihren Weg, den Weg der Synthese vom Heiligen und Profnaen. Im Lande müssen sie ihren Mann stehen. Es scheint, daß jetzt eine schwere Prüfungszeit für die Orthodoxie in Deutschland gekommen ist. In einer völlig andersgearteten Situation lösten einst Samson Raphael Hirsch und Hildesheimer das Problem für ihre Generatoin. Wird diese Lösung dem Ansturm dieser Zeit standhalten? Europa ist aufs schwerste erschüttert, die alte Welt aas den Fugen geraten. Die deutsche Orthodoxie muß sich und di? nächste Generation retten. Der Kampf mit der Umwelt ist ungeheuer schwer. Wo sind die Führer in diesem Kampf? Auch der Kampf ums Dasein ist erschwert. Schwer ist der Kampf für den Schabbath, da die Wirtschafts- und Lebensordnung diesem feindlich gegenübersteht und die Gesellschaftsord nung einem Leben in der Erfüllung der Mizwoth entgegensteht. Nur in Palästina kann ein jüdisches Milieu geschaffen werden. Es besteht bereits ein Milieu, das keine Hindernisse für den Schabbith und di anderen Mizwoth kennt. Wir haben kein Ruhegesetz für einen Tag der Woche mit Ausnahme des Schabbatli-Ruhegesetzes für den Bezirk von Tel-Aviv. Nur hier, in einer Umgebung, die ganz jüdisch ist, gibt es eine Rettung für den Geist und für seine Entfaltung, Es ist Zeit, daß wir eine Zufluchtsstätte vor den schweren Schlägen suchen, die wir in den Galuth-Ländern erlitten haben. Mögen unsere Brüder aus Deutschland kommen und uns hier ein Vorbild sein, wenn sie dazu imstande sind. Sie haben ja bereits politische Verbindungen zum Lande vor allem durch den Misrachi, aber auch durch die Agudah. Sie werden die komplizierte Wirklichkeit des religiösen Judentums im Lande erkennen. Ich bin dessen sicher, daß dann für die abscheulichen Streitigkeiten und Zankereien seitens der Agudah kein Platz mehr sein wird. Den religiösen Juden aus Deutschland steht hier eine Aufgabe in allen Zweigen des Lebens bevor, die wissenschaftliche Vorbildung und Planmäßigkeit erfordert. Sie haben sich diese Eigenschaften und Ordnungsliebe mehr als alle anderen Juden angeeignet. Möge doch ihre Jugend, die jetzt einen schweren Lebenskampf in Deutschland zu bestehen hat, ins Land kommen und sich hier Positionen erobern. Der Großhandel, der Verständnis für Bedingungen und Beziehungen zwischen Land und Industrie erfordert, bietet Gelegenheit für Gründungen von großem Wert. Die Entwicklung der Industrie bietet viele Möglichkeiten, die sie ausnutzen können. Eine besondere Aufgabe fällt hier den jungen religiösen Mädchen und Frauen aus Deutschland zu, die hier ein Leben auf Grund ihrer Frömmigkeit, ohne auf neue Lebensformen

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