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Zion · 1932-09-01 · Heft 9 (September 1932) · p. Seite 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 9 (September 1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 75 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Z I 0 N Seite 75 Möglichst früh ist auch mit dem intensiven Studium von Mischnah zu beginnen. Dadurch lernt der Chaluz einen großen Teil der religionsgesetzlichen Substanz kennen und fördert in außerordentlichem Maße seine Sprachkenntnisse. (Die Grundlage des modernen Hebräisch bildet nicht so sehr das biblische Hebräisch, wie die Sprache von Mischnah und Midrasch.) Aus dem Kommentar des 2"jn lernt er daneben noch einiges ars der speziellen talmudischen Terminologie kennen .Als viertes Gebiet käme dann noch hinzu das Lernen von Dinim an Hand des Kizzur oder eines anderen Kompendiums als Belehrung für die praktische nnvan m'ss> — Gemoro hingegen wird, das läßt sich nicht vermeiden., außerhalb des eigentlichen Arbeitsprogramms bleiben müssen. Hier ergibt sich für den Anfänger eine ganz besondere Häifung sprachlicher und sachlicher Schwierigkeiten. Um irrer Herr zu werden, ist ein solches Maß geistiger Konzentration erforderlich, wie es der Chaluz, der die Woche über nur den Abend, nach vielen Stunden schwerer Feldarbeit dem Studium widmen kann, in den allerseltensten Fällen aufbringen kann. Auch unter günstigeren Umständen bedarf es hier eines gewissen didaktischen Geschickes des Unterrichtenden, um den Anfänger über die Schwierigkeiten hinweg zu helfen, und auch dann .gelingt es nicht immer. Es kommt zuweilen vor, daß junge Menschen, die von Lerneifer und Ehrgeiz beseelt ohne genügende Vorkenntnisse sich heißhungrig auf Gemoro stürzen, nach einiger Zeit enttäuscht und entmutigt sind, weil der schärfste Sporn zur Weiterarbeit fehlt: die Freude an dem sichtbaren, von Tag zu Tag sich steigernden Fortschreiten. Wesentliche Erfolge sind ako hier fraglich. Auf Experimente darf sich aber die Hachscharah nicht einlassen. Dafür ist die Zeit zu knapp und zu kostbar. Wenn freilich auf den oben genannten vier Teilgebieten ernst und zielbewußt gearbeitet wird.;md die Chalu i.n dann zum Abschluß ihrer Hachscharah-Ruchanith mit genügenden Vorkenntnissen ausgerüstet, ein paar Monate lang die Jeschiwah besuchen, dann wird es möglich sein, sie hier, wo sie ausschließlich und von keiner anderen Arbeit belastet, lernen können, auch in Gemoro einzuführen, damit sie auch das Wesen von «nyorni-p.« kennenlernen . Wie freilich die einzelnen Stoffgebiete zu lernen sind, wie z .B. hebräische Grammatik zu treiben ist. daß sie nicht als totes Formalwerk wirkt, sondern ständig in lebendige Beziehung zur Sprache tritt, welche Teile aus T'nach und Mischnah zu lernen sind,, damit die jungen Menschen den möglichst größten Nutzen, daraus ziehen, das alles sind Fragen, deren Beantwortung einem sehr sorgfältig und nach gründlicher methodischer Ueberlegung aufgearbeiteten Lernprooramm vorbehalten bleiben muß. Dieses Lern^ Programm werden die einzelnen Arbeits Zentren in nicht allzulanger Zeit in, die Hand bekommen. Aber schon jetzt soll mit allem Nachdruck betont werden, daß dieser Lernplan, nicht als ein bloßes Rahmenprogramm gedacht ist, das dem Unterrichtenden noch alle mögliche Freiheit läßt. Gerade weil bei den verschiedenen Gruppen, keine erfahrenen Lehrer für die Hachscharah zur Verfügung stehen, muß gefordert werden, daß der Lernplan in allen Einzelheiten eingehalten wird. Denn auch wer über keine besondere methodische und didaktische Erfahrung verfügt, kann immerhin noch Wertvolles leisten, wenn er sieh genau an einen vorgeschriebenen Arbeitsplan hält und nicht von dem Ehrgeiz besessen, ist, alles selbst besser zu wissen. — Das Arbeitsprogramm, das hier skizziert wird, hält sich sicherlich in sehr engen Grenzen. Aber sowenig auch diese Auswahl des Allernotwendigsten den Anspruch erhebt, einen Querschnitt durch das jüdische Schrifttum zu geben, so schmal auch die Basis ist, auf der sich die Hachscharah-Ruchanith wird vollziehen müssen, es ist immerhin eine solide Grundlage, auf der die Chaluzim dann weiter arbeiten können, und es ist ihnen damit viel mehr genützt, als wenn sie aus allen möglichen Gebieten des jüdischen Schrifttums ein paar Brocken zusammenraffen, die sich dann doch nicht zu einer Einheit zusammenschließen. Auch beim geistigen Wachstum macht die Natur keine Sprünge. Auch hier kann, man nur Schritt für Schritt vorwärts schreiten. Und die methodische Regel, die der Talmud einmal ausspricht, sie ist auch heute noch genau so richtig wie vor mehr als tausend Jahren, c-n rn; ox .(ta"< tt) n:n> t Sj? paip dki tspana mhurt nSon irnin Die vorliegenden Ausführungen beschränken sich mit aller Absicht auf jenen Teil der Hachscharaharbeit, der in der rein unterrichtsmäßigen Vermittlung jüdischen Lehrguts besteht. Ueber den anderen Teil der Arbeit, der den Chaluzim oft — leider — wichtiger erscheint, nämlich die Diskussion sogenannter weltanschaulicher Probleme, wie das Verhältnis des überlieferten Judentums zu gewissen Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung- oder seine Stellungnahme zu bestimmten sozialen Problemen unserer Zeit (Judentum und Sozialismus, Judentum und Frauenemanzipation usw.) darüber konnte in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden. Vor allem deswegen, weil für diesen Teil der Arbeit das beste und sorgfältigste ausgearbeitete Programm bloß

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