Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 9 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 74 Z l 0 N Nr. 9 anstatt" in Frankfurt a. M. Daran wird sich auch inZüTtunft nichts ändern lassen, weil einstweilen nicht abzusehen ist,' wie eine bessere, den. Bedürfnissen der Gfialuzim entsprechendere Form gefunden werden kann. Wenn gleichwohl versucht werden soll, befriedigendere Ergebnisse zu erzielen/>ö muß eine Besserung von, einem anderen* Punkt her versucht werden. Da ist nun -voj&allem zu sagen, daß der Fehler nicht an den Chaluzim liegt. Die Chaluzim haben nicht nur, wie bereits erwähnt, den brennenden Wunsch, viel z\i wissen, sie zeigen auch das ernsteste Streben, sich ihr Wissen zu erarbeiten .Wer Gelegenheit halte, die Chaluzim beim Studium auf der Jeschiwah zu beobachten, der wird zugeben müssen, daß ihre Arbeitsfreude und ihr Arbeitseifer nichts zu wünschen, übrig lassen. Es kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß sie jede freie Stunde zur Wiederholung und Vertiefung des Gelernten benutzen, und es war geradezu rührend mitanzusehen, wie einer von ihnen Tag für Tag den Stoff, den er in den Scheurim gelernt hatte, in aller .Ausführlichkeit zu Papier brachte und für diese keineswegs leichte und einfache Arbeit viele Stunden seiner Nachtruhe opferte. Er wollte das, was er in der Jeschiwah gelernt hatte, schwarz auf weiß besitzen, um es dann getrost nach Hause., i° die neue Heimat in Erez Jsrael, zu tragen ... — Aber auch der Jeschiwah kann man nicht den Vorwurf machen, daß sie den Chaluzim mehr bieten könnte als es geschieht. Im Mittelpunkt des Lernens steht hier intensives und umfassendes Studium von Talmud mit Kommentaren. Eine Umgestaltung einer bestimmten Gruppe von Lernenden zuliebe, würde den ganz bestimmten Charakter des Lernbetriebes, wie er nun einmal auf einer Jeschiwah herrschen muß, sehr tiefgreifend verändern. Die Jeschiwah kann zwar auf die besonderen Bedürfnisse djer Chaluzim bei der Auswahl des Stoffes weitgehend Rücksicht nehmen, sie muß aber ein gewisses Maß an' Kenntnissen bei ledern Einzelnen bereits voraussetzen .Wer ohne diese Vorkenntnisse . die Jeschiwah besucht, kann dort nicht in dem Maße gefördert werden4 wie es eigentlich der .Fall sein sollte. Gerade in diesem Punkte sind aber Fehler gemacht worden und werden noch immer gemacht. Daß am Gehringshof und an den übrigen Arbeitszentren Lehrende und Lernende mit allem nur wünschenswerten Eifer am Werk sind, wird niemand bestreiten. Aber aller Eifer muß wirkungslos verpuffen, wenn er nicht nach einem festen, sorgfältig ausgearbeiteten ' Plan in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. Daran fehlt es noch einstweilen. In dem im letzten Heft des „Zion" veröffentlichten Bericht des Brith Chaluzim Datiim heißt es, daß durch „Scheurim auf allen (!) Gebieten jüdischen Wissens, durch Erlernung der hebräischen Sprache, durch Arbeit auf allen (!) unsere Arbeit berührenden Geistesgebieten" versucht wird, möglichst viel Voraussetzungen zu schaffen für die Arbeit, die in Erez Israel zu leisten sein wird. — Daß klingt sehr schön und imponierend. Aber von einer planvollen Gestaltung der Lernarbeit ist nicht viel zu merken .Darin muß Wandel geschaffen werden .Es darf nicht mehr geschehen, daß ein Chaluz, der längere Zeit eine Jeschiwah besucht oder sich auf irgend eine andere Weise jüdisches Wissen angeeignet hat, mit den übrigen Chaluzim gerade das lernt, was ihm besonders liegt, ohne Rücksicht darauf, was die jungen Menschen in erster Linie brauchen. — Man muß sich fragen, was eigentlich bei. der Hachscharah Ruchanith erreicht werden kann, und wo die Grenzen sind, über die sie nicht hinausgreifen kann .Wenn man bei einer solchen Ueberlegung die aus verschiedenen Gründen nicht eben günstigen Bedingungen ins Auge faßt, unter denen sich die Hachscharah-Ruchani.h nun einmal vollzieht, dann wird man zu dem Ergebnis kommen, daß es notwendig ist, eine sehr strenge Auswahl des Stoffes zu treffen, die sich auf das Allerwichtigste beschränkt. In erster Linie steht natürlich gründliche Erlernung des Hebräischen. Dabei kommt es aber nicht darauf an, daß der Chaluz möglichst schnell dazu kommt, hebräisch sprechen zu können. Bei der beschränkten Zeit, die für die Hachscharah-Ruchanith zur Verfügung steht, wird es bei solchen, die nicht schon gründliche Vorkenntnisse besitzen, kaum zu erreichen sein, daß das Hebräische zur täglichen Umgangssprache wird. Und daß die jungen Menschen ein paar banale Sätzchen in einem schlechten Hebräisch mühsam zusammenbringen, damit ist wahrhaftig noch nicht viel geschehen. Und ob man nun weiß, wie die Bezeichnung für „Tonkino" oder „Schuhwichse" im modernen Hebräisch lautet, ist sehr unwichtig. Das lernt der Chaluz; wenn er erst in Erez Israel ist, ohnedies in allerkürzester Zeit. "Wichtig ist vielmehr die Vermittlung jener sprachlichen Kenntnisse, die in den Stand setzen, grundlegende Werke aus der alten und neuen hebräischen Literatur möglichst bald selbständig zu lesen, ohne daß sich bei jedem zweiten Wort Schwierigkeiten ergeben, sodaß die Hilfe eines andern in Anspruch genommen werden muß. Dazu ist aber eine gewisse grammatikalische Grundlage des Sprachunterrichts unumgänglich nötig. Als zweites kommt hinzu, ausgedehnte und verständnisvolle Lektüre von Tnachj deren Wichtigkeit sich von selber versteht.