Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 8 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 68 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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feiW 68 t\ 6 Nr. 8 am nächsten ist. Nur vereinzelte Baale Tschuwah, junge Intelligenz, die nach schwerem geistigen Ringen den Weg zum Alten wiederfanden, haben bewußt Verzicht auf ihre Sprache, ihre Bildung, Kleidung und Sitten und wie es scheint, auch ihre Bewegungs- und Ausdrucksform geleistet, und fanden ihre Seelenruhe in dem einfachen Leben des alten Jischuw. Zu dieser Einstellung kann niemals die deutsche Orthodoxie gelangen. Viele Einwanderer aus Deutschland haben auch bei der Auswahl ihres Wohnsitzes fehlgegriffen. Sie hatten sich unter den nicht durch Tradition gebundenen Juden seßhaft gemacht und dabei eine Enttäuschung erlebt. Sie glaubten, mit diesen gemeinsame, kulturelle Interessen zu haben und als sie sich dann von der Areligiosität dieser Leute überzeugten, glaubten sie, den gesamten alten und neuen Jischuw verurteilen zu dürfen. Auch hier spielt die Sprache eine entscheidende Rolle. Im allgemeinen fällt es einem erwachsenen Deutschen schwer, hebräisch zu lernen, und deshalb fehlt auch da die gemeinsame Sprache. Die Zeitung, die Versammlung bleibt ihm versagt, und in einer Gesellschaft fühlt er sich unbehaglich. Eine freundschaftliche Unterhaltung kommt schwer zustande. Vielleicht noch mehr als in den Reihen de.; alten jischuw leidet der religiöse junge Mensch in den Reihen der Jugend, die bewußt auf Wohlstand und Bürgerlichkeit verzichtet hat. Der deutsche Jude macht in diesen Kreisen den Eindruck eines Bourgeois, der hier nicht am Platze ist. Er seinerseits staunt über die jungen Menschen, die hebräisch sprechen und ihm sehr revolutionär erscheinen. Da ist keine gemeinsame Verständigung, die deutschen Liberalen scheinen ihm verwandter, insbesondere, da die deutschen Liberalen heute kompromißbereit sind und Achtung vor dem überlieferten Judentum haben, während er hier den Radikalismus der „Freien" schwer versteht. Auf diese Weise findet er sich auch im neuen Jischuw, dem er sich zuerst zuwandte, nicht zurecht. Ohne Zweifel haben sich die deutschen Juden, auch die orthodoxen, mehr als alle jüdischen Volksteile der Kultur und den Lebensgepflogenheiten ihres Wirtsvolkes assimiliert. Wie der gewöhnliche Deutsche hat auch der deutsche Jude kaum Verständnis für eine andere Wesensart. Der deutsche Jude begreift nur schwer den Geist der anderen jüdischen Massen und den der Juden in Palästina. Er versteht nicht den sephardischen und orientalischen Juden. Sie alle kommen für ihn aus einer völlig fremden Welt. Die Menschen des neuen Jischuw überraschen ihn mit ihrer Fremdartigkeit, mit ihren Uebertreibungen, ihrem Liberalismus. Es ist klar, daß eine den religiösen Juden entsprechende kulturelle Umgebung vieles bessern könnte. In jedem Lande mit neuer Kolonisation bedeuten familiäre Bim düngen und Freundsehaftsbeziehungen einen Aip reiz, für die Einwanderung. Uns fehlt der Anfang und so wird die Entwicklung gehemmt. Wir haben zwar im Lande eine nicht unerhebliche Zahl von aufgeklärten Orthodoxen, die hauptsächlich dem Misrachi angehören; eine Gruppe, die reich ist an Begabungen und Persönlichkeiten. Wir haben auch viele orthodoxe Bürger im neuen Jischuw, aber es fehlt an einer Verbindung zwischen ihnen. Sie bilden keine geschlossene Gesellschaft, schaffen kein eigenes Milieu. Auch diese Elemente behaupten sich schwer dem neuen und alten Jischuw gegenüber. Dem alten Jischuw gegenüber bestehen viele Hemmungen. Vielleicht ist das der Grund für die Schwierigkeiten, eine seelische Atmosphäre zu schaffen. Aber ich bezweifle es, ob der deutsche orthodoxe Jude auch in dieser ihm nahestehenden Gesellschaft sich wohlfühlen würde. Auch hier wird es an gemeinsamer Verständigung fehlen. Fortsetzung folgt Bericht des Brith Chaluzim Datiim. Nachdem der größte Teil des Sommers und damit die diesjährige Hachscharah-Arbeit vorbei ist, läßt sich jetzt ganz gut übersehen, wie sich die Verhältnisse in der. letzten 'Zeit gestaltethaben, und welche Schlüsse für uns daraus zu ziehen sind. Seit unserem letzten Bericht in diesen Spalten (Dez. 1930) hat sich manches grundlegend geändert. Während man noch vor einigen Jahren darüber im Zweifel sein konnte, ob die Anstrengungen, die für Rodges gemacht wurden, einem wirklichen Bedürfnis der torahtreuen Jugend entsprächen, ist bereits der Zug zur Hachscharah und das Streben der religiösen Jugend nach Erez Israel eine so elementare Erscheinung geworden, daß alle unsere Mittel und Kräfte zur Erfassung dieser Bewegung bei Weitem zu gering sind. Im Frühjahr gelang es, ca. 50 Menschen neu in Hachscharah zu nehmen. Das war ein Drittel von denen, die sich gemeldet hatten und jetzt liegen bereits ca. 200 Neuanmelduugen für das nächste Frühjahr vor. Dabei ist zu bedenken, daß der größte Teil der Bewerbungen erfahrungsgemäß erst in den Monaten Februar/März einläuft. Die Ursachen für dieses Anwachsen sind verschieden. Zunächst zeigt sich hierin das natürliche Wachsen der Bewegung und die Auswirkung der systematischen Erziehungsarbeit der jugendbünde (Z.M., B.H., Esra). Hierzu kommt, daß die katastrophale Wirtschaftslage den jungen jüdischen Menschen insbesondere, wenn er Schabbath halten will, jede Lebensmöglichkeit nimmt